Das Drama um Novak Djokovic – wird er jetzt innert Stunden abgeschoben?
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Was passiert mit ihm?Visum zum zweiten Mal annulliert – so lief das Drama um Novak Djokovic ab

Die Hängepartie um die Teilnahme von Titelverteidiger Novak Djokovic beim Australian Open (17. bis 30. Januar) ist vorerst beendet. Oder kämpft der Tennis-Star weiter? Ein Rückblick und die wichtigsten Fragen.

20 Minuten sprach zuletzt mit dem serbischen Botschafter.

20 Minuten

Darum gehts

  • Das Visum von Novak Djokovic wird zum zweiten Mal annulliert.

  • Damit wird der Serbe nun wohl abgeschoben. Er kann aber noch Einspruch einlegen.

  • Wir geben dir den Überblick über die letzten Tage und Monate.

Das Australien-Visum für Tennis-Star Novak Djokovic ist ein zweites Mal annulliert worden. Djokovic drohe zudem eine dreijährige Visumssperre, teilte der australische Einwanderungsminister Alex Hawke am Freitag mit. Die Behörden hatten bereits bei der Einreise des Weltranglistenersten vor mehr als einer Woche sein Visum für ungültig erklärt – nun droht Djokovic endgültig das am Montag beginnende Australian Open zu verpassen.

Oder doch nicht? Und was passierte genau in den letzten Tagen? Wir beantworten deine wichtigsten Fragen und geben dir einen Rückblick.

10. Dezember: Frist endet für Ungeimpfte

Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme am Australian Open endet – für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

16. Dezember: Djokovic ignoriert Quarantäne

Der nicht geimpfte Djokovic nimmt an einer Veranstaltung der serbischen Post in seinem Heimatland teil. Am selben Tag soll er positiv auf Corona getestet worden sein. Das positive PCR-Ergebnis steht in den Unterlagen, die seine Anwälte später den australischen Behörden vorlegen. Nach den Regeln in Serbien müssen Covid-Positive, die keine schweren Symptome haben, für 14 Tage in häusliche Isolation. Djokovic selbst sagt, dass er dann noch nichts von seinem positiven Corona-Test gewusst habe. Er habe am 16. Dezember einen negativen Antigentest gemacht und aus reiner Vorsicht auch noch einen PCR-Test. «Ich hatte keine Symptome und fühlte mich gut und ich erhielt die Nachricht des positiven PCR-Tests erst nach der Veranstaltung», so Djokovic. Das heisst, erst am nächsten Tag.

17. Dezember: Djokovic spielt ohne Maske mit Kindern

Der Corona-positive Djokovic, der eigentlich in Monaco lebt, ist ohne Maske und Abstand Gast auf einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad. Danach erst, so sagt er, habe er vom positiven Testresultat erfahren.

Was macht Novak Djokovic jetzt?

Was macht Novak Djokovic jetzt?

AFP

18. Dezember: Interview mit «L’Équipe»

Er hat ein Interview mit Foto-Shooting für die französische Sportzeitung «L’Équipe». Später gab der Serbe zu, dass er trotz positivem Corona-Test das Interview wahrgenommen hat. Der Journalist, der damals in Belgrad mit Djokovic sprach, heisst Franck Ramella. Er erinnert sich, wie er das Interview anlässlich der Preisübergabe der von «L'Équipe» verliehenen «Champion des Champions»-Trophäe erlebte. «Es sollte schnell und gut gehen, und Étienne, der Fotograf, richtete sein temporäres Studio in einem der Salons des Novak Centers ein», schreibt Ramella.

Bei der Übergabe der Trophäe habe Djokovic kurz die Maske ausgezogen: «Man posiert nicht mit halb bedecktem Gesicht», so Ramella. Der «Djoker» habe dann für den Fotografen verschiedene Posen eingenommen, gelächelt und auch geschrien, «um als Sieger echter herüberzukommen». 33 Minuten lang habe Djokovic dann seine Fragen beantwortet, so Ramella. «Wir sassen uns beide geschützt in einem Abstand von fast einem Meter auf beiden Seiten eines langen rechteckigen Tisches gegenüber. Als Étienne ihn bat, während des Gesprächs für fünf Minuten seine Maske abzunehmen, lehnte Djokovic ab.»

22. Dezember: Djokovic hat Corona – oder doch nicht?

Djokovic hat einen weiteren Test gemacht. Ergebnis nach eigenen Angaben: negativ. Doch der Test bleibt ein Rätsel. Wie Recherchen von «Zerforschung» in Zusammenarbeit mit dem «Spiegel» zeigen, ist die URL jedes Corona-Tests mit einem sogenannten Unix-Timestamp versehen. Unix-Timestamps sind ein Standard, um Zeitpunkte zu repräsentieren. Dabei werden die Sekunden seit dem 1.1.1970 um Mitternacht hochgezählt. Der aktuelle Zeitpunkt ist damit: 1641903476, also etwa 1,6 Milliarden Sekunden seit Beginn der «Unix-Zeitrechnung».

Bei Djokovics negativem Testergebnis vom 22. Dezember stimmen Timestamp und Datum im Testzertifikat laut «Zerforschung» überein. Bei Djokovics positivem PCR-Test, der laut Gerichtsdokument am 16. Dezember ausgewertet wurde, ist der Timestamp jedoch vom 26. Dezember. Und noch etwas Seltsames fällt beim positiven Test auf: Die Test-ID des positiven Tests (7371999) vom 16.12. ist grösser als die des negativen Tests vom 22. Dezember (7320919). Der angeblich früher durchgeführte Test wurde also später ins System eingetragen.

30. Dezember: Der Serbe erhält die Ausnahmebewilligung

Djokovic erhält seinen Anwälten zufolge eine Ausnahmegenehmigung für das Australian Open vom Medizin-Chef des australischen Tennisverbands.

Jahreswechsel 2021/2022: Reiste Djokovic illegal nach Spanien?

Aufnahmen in sozialen Medien zeigen Djokovic in einem Tennisclub im spanischen Marbella. Dort habe er unter anderem im Club de Tenis Puente Romano trainiert und Autogramme verteilt, wie unter anderem die renommierte spanische Zeitung «El País» berichtete. Der Serbe besitzt in Marbella in der Provinz Andalusien den Medienangaben zufolge ein Haus. Das Problem: Djokovic reiste wohl illegal in das EU-Land. Bei seiner Einreise habe der Weltranglisten-Erste weder einen Impfnachweis vorgelegt noch die für ungeimpfte Serben in Spanien zwingend vorgeschriebene Sondergenehmigung beantragt, hiess es unter Berufung auf das spanische Aussenministerium in Madrid.

5. Januar: Djokovic kommt ins Abschiebehotel

Djokovic reist nach Australien. Weil er aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine Ausnahmegenehmigung vorlegt, wird ihm die Einreise verweigert. Er kommt in ein Abschiebehotel. Die Folge: Proteste von australischen Serben und Serbinnen sowie auch in seinem Heimatland wüteten die Menschen. Vor dem Abschiebehotel kam es zu Tumulten. Gemäss verschiedenen Medien habe die Polizei auch Tränengas gegen die Protestierenden eingesetzt.

6. Januar: Vater Djokovic vergleicht Sohn mit Jesus

An einer bemerkenswerten Pressekonferenz in Belgrad vergleicht Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus: «Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns», so Srdjan Djokovic. «Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.»

10. Januar: Djokovic darf Abschiebehotel verlassen

Ein Gericht in Melbourne gibt Djokovics Einspruch statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich frei bewegen. Wenige Stunden später steht er auf dem Trainingsplatz. Von dort aus postet er ein Foto auf Instagram. Er bedankte sich bei den Menschen rund um die Welt für die ununterbrochene Unterstützung. «Ich kann das fühlen und schätze es sehr», schrieb der 34-Jährige.

11. Januar: Fehler auf Einreiseformular wird bekannt

Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist. Später gibt der Serbe das auch zu. Djokovic bezeichnete dies als «menschlichen Fehler» seines Agenten, «der sicher nicht absichtlich» geschehen sei.

14. Januar: Australien annulliert Visum von Djokovic

Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke nutzt sein persönliches Recht und erklärt das Visum von Djokovic erneut für ungültig. «Ich habe von meinem Recht gebrauch gemacht, das Visum von Herr Djokovic zu annullieren, da es im öffentlichen Interesse war, dies zu tun», schreibt der Politiker. Weiter heisst es: «Die Morrison-Regierung ist fest dazu verpflichtet, Australiens Grenzen zu bewachen, vor allem in Bezug auf die Covid-19-Pandemie.»

Wird er jetzt innert Stunden abgeschoben?

Der Serbe kann noch Rechtsmittel dagegen einlegen. Und das wird er wohl auch machen. Seine Anwälte besprechen derzeit das weitere Vorgehen. Sollte er Einspruch einlegen, ist die Frage, wann das Gericht tagt. Tagt es vor dem Montag, also vor dem Tag, an dem das Australian Open startet, und entscheidet gegen den Tennis-Star, kann der Serbe schnell abgeschoben werden. Wenn es während des Turniers tagt, könnte der Serbe vorsichtshalber ausgeschlossen werden. Ein Lucky Loser würde für Djokovic nachrücken. Wird Djokovic nicht vorsichtshalber ausgeschlossen, wird das Ausscheiden dann wie ein Forfait behandelt, sprich: Der eigentliche Gegner rückt kampflos vor. Heisst: Er könnte innert Stunden aus Australien abgeschoben werden oder es könnte noch Tage gehen. Am Freitagmorgen wird bekannt: Er spricht bereits mit den Einwanderungsbeamten.

Und was droht ihm jetzt?

Gefängnis und eine dreijährige Einreisesperre. Sollte das Gericht den Einspruch ablehnen, drohen dem Serben bis zu mehrere Jahre Haft. Sein Einreiseformular könnte ihm zum Verhängnis werden. Aber nicht nur das. Auch eine dreijährige Visumssperre droht der Weltnummer 1 im Tennis. Dies bestätigt der australische Einwanderungsminister Alex Hawke.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(nih/dpa)

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