Bessere Zukunft in Europa - Das Drama von Ceuta im verzweifelten Blick tausender Kinder
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Bessere Zukunft in EuropaDas Drama von Ceuta im verzweifelten Blick tausender Kinder

Tausende marokkanische Minderjährige versuchten, schwimmend das spanische Territorium an der nordafrikanischen Küste zu erreichen. Einige berichten von ihren traumatischen Erfahrungen.

von
Karin Leuthold
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Am 19. Mai 2021 erreichten zwischen 2000 und 3000 Minderjährige die spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta.

Am 19. Mai 2021 erreichten zwischen 2000 und 3000 Minderjährige die spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta.

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Sie schwammen durchs Meer und erreichten den Strand von El Tarajal völlig erschöpft.

Sie schwammen durchs Meer und erreichten den Strand von El Tarajal völlig erschöpft.

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Sie schwimmen um den Wellenbrecher, der die Grenze zwischen Marokko und Ceuta markiert.

Sie schwimmen um den Wellenbrecher, der die Grenze zwischen Marokko und Ceuta markiert.

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Darum gehts

  • Seit Montag kam eine Rekordzahl von 8000 Migranten in Ceuta an – darunter waren zwischen 2000 und 3000 Minderjährige.

  • Rund 6000 Migranten wurden inzwischen wieder nach Marokko abgeschoben, unter ihnen auch zahlreiche Minderjährige, was von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wurde.

  • Die Jugendliche erzählen, warum sie sich zur gefährlichen Überquerung entschieden.

Bis zu 3000 Minderjährige sind in den letzten Tagen von Marokko nach Ceuta durch das Meer geschwommen, um europäisches Gebiet zu erreichen. Erschöpft, weinend, völlig verängstigt erreichten sie den Strand von El Tarajal. Dort wurden sie von spanischen Soldaten und Mitarbeitern des Roten Kreuzes aufgegriffen. Ihnen erzählen sie ihre dramatische Geschichten.

Reduan, 14 Jahre alt

Das ist das zweite Mal, dass der marokkanische Teenager um den Wellenbrecher schwimmt, der die Grenze zwischen Marokko und Ceuta markiert (siehe Karte in der Bildstrecke). Reduan war schon am Montag die Strecke geschwommen, wurde jedoch von den spanischen Behörden nach Marokko deportiert. Am Mittwoch versucht er es erneut. Er muss seinen Bruder finden. Reduan sitzt barfuss und im durchnässten Barça-Trikot auf dem Sand. Er zittert und bettelt um Essen.

Der 14-Jährige wird in eine improvisierte Baracke nach Piniers gebracht. Dort wird er zuerst verpflegt und auf Covid-19 getestet. Er muss seinen Namen und sein Geburtsdatum angeben. Reduan ist bei Weitem nicht der einzige dort: 720 Minderjährige sitzen auf dem Boden der Baracke oder draussen unter der prallen Sonne, weil es drinnen überfüllt ist. Die Kinder und Jugendlichen warten auf einen Entscheid der spanischen Behörden. Was soll mit ihnen geschehen?

Aymen Jabali, 14 Jahre alt

Der Jugendliche büxte am Montagabend von Zuhause in Marokko aus, um nach Spanien zu gehen. Niemand weiss, ob er die Überquerung geschafft hat. Der 47-jährige Hamido, der in Ceuta lebt, sucht verzweifelt nach ihm. «Ich tu seiner Familie einen Gefallen. Seine Mutter ist krank vor Sorge», sagt Hamido zur spanischen Zeitung «El Pais». Seine Frau zeigt dem Reporter das Bild des 14-Jährigen, das sie auf dem Handy hat. Das Paar hat schon die Strände um El Tarajal abgeklopft, jetzt fahren sie nach Piniers. «Keiner weiss was, aber ein Kollege meinte, man habe Aymen in ein Lager gebracht

Mohamed Amin, 15 Jahre alt

Mohamed hat die letzten zwei Nächte auf Kartons auf der Strasse geschlafen. Er hat sich gerade in einer Stranddusche bei La Ribera frisch gemacht und geht nun in die Stadt. Er war aus Tetuan in Marokko mit dem Bus gereist, erzählt er. Vor eineinhalb Jahren hat Mohamed die Schule in Marokko abgebrochen, um bei einem Metallbauer für sieben Euro pro Woche zu arbeiten. Jetzt will er in Spanien bleiben. Sollte man ihn deportieren, werde er die Kreuzung nach Ceuta erneut versuchen, versichert Mohamed.

Minderjährige als Druckmittel

Nach dem Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid schwere Anschuldigungen gegen Marokko erhoben. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles warf dem nordafrikanischen Land am Donnerstag «Erpressung» und Verstösse gegen internationales Recht vor. Die Weigerung der marokkanischen Sicherheitskräfte, die Migranten am Montag vom Grenzübertritt nach Ceuta abzuhalten, komme einem Angriff auf die Grenze Spaniens und der EU gleich, sagte Robles im spanischen Radio.

Marokko habe Minderjährige als Druckmittel gegen Madrid eingesetzt. Die Grenzpolizei habe «Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren» passieren lassen. «Sie haben sie benutzt, unter Missachtung des Völkerrechts», sagte Robles. Es sei «inakzeptabel», das Leben von Kindern und anderen Menschen für politische Zwecke aufs Spiel zu setzen. Spanien werde diese Art der «Erpressung» nicht hinnehmen und lasse sich nicht unter Druck setzen, betonte die Verteidigungsministerin. (AFP)

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