Lia Wälti: Das dritte Schweizer Gesicht bei Arsenal
Aktualisiert

Lia WältiDas dritte Schweizer Gesicht bei Arsenal

Nach dem 2:2 im Hinspiel sind die Schweizerinnen in der WM-Barrage gegen Belgien gefordert. Vor allem Lia Wälti, das defensive Gewissen der Frauen-Nati.

von
E. Tedesco

Arsenal-Spielerin Lia Wälti spricht über die Frauen-Nati, Arsenal und ihre Begegnung mit Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner. (Video: 20 Minuten)

Mehr als 6000 Zuschauer, die im King-Power-Stadion in Leuven ihr Team anfeuern. Lautstark. Begeistert. Und ein Schweizer Team, das dagegenhält. Das ein 0:1 ausgleicht und aus einem 1:2 noch ein 2:2 macht.

2:2 steht es zwischen der Schweiz und Belgien vor dem Barrage-Rückspiel am Dienstag. Die gute Ausgangslage wurde nur durch eine markante Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit und Alisha Lehmann erst möglich. In Biel (19 Uhr) sind die Frauen nochmals gefordert, um in den Playoff-Final einzuziehen.

Trainerin hält viel von ihr

Das gilt für viele, für Captain Lara Dickenmann, Fussballerin des Jahres, genauso wie für Ana Maria Crnogorcevic. Und es gilt vor allem auch für das defensive Gewissen der Schweizerinnen: Lia Wälti von Arsenal.

Nati-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg: «Sie ist eine Persönlichkeit, eine absolute Leaderin. Sie ist klar in ihrer Meinungsäusserung, immer differenziert und sachlich. Aber sie kann auch emotional sein.» Für die künftige deutsche Nationaltrainerin ist Wälti «Weltklasse». Voss-Tecklenburg: «Mit ihr sind wir immer ein Stück weit besser.»

Schweizer Trio bei Arsenal

2013 wechselte Wälti von YB zu Turbine Potsdam. Seit Sommer bildet die 78-fache Nationalspielerin (fünf Tore) mit ihren männlichen Kollegen Granit Xhaka und Stephan Lichtsteiner ein Schweizer Trio bei Arsenal. «Neue Mentalität, neue Temperaturen, neues Wetter, neue Sprache und ein neuer Stil, wie man Fussball spielt», sagt die Mittelfeldspielerin. «Sportlich ist Arsenal für mich noch einmal ein Aufstieg.» Der Fussball sei physischer, taktisch jedoch weniger weit wie zum Beispiel in der Bundesliga. «Aber es fallen mehr Goals – vorne wie hinten», sagt die 25-Jährige.

Die Nati drückt den Frauen die Daumen

Nati-Trainer Vladimir Petkovic schickt der Frauen-Nati eine Botschaft vor dem Playoff-Rückspiel gegen Belgien. (Video: 20 Minuten)

Vladimir Petkovic schickt der Frauen-Nati eine Botschaft vor dem Playoff-Rückspiel gegen Belgien. (Video: 20 Minuten)

Wie Granit Xhaka ist auch Wälti im defensiven Mittelfeld zu Hause. Wie der 68-fache Nati-Regisseur glänzt sie mit Übersicht, Ruhe am Ball und einer hohen Passgenauigkeit. Und wie Xhaka wechselte sie via Bundesliga und als Captain ins Mutterland des Fussballs. «Ich habe mich mit Granit und Stephan ausgetauscht. Es war schön und auch interessant, ihnen Fragen zu stellen, aber auch zu beantworten. Aber es ist nicht so, dass man sich jeden Tag über den Weg läuft und zusammen ein Schwätzchen hält.» Die Frauen trainieren in London zwar auf derselben Anlage wie die Profis, teilen ihren Bereich aber mit den Junioren.

Die Glückwunschbotschaft von Granit Xhaka

«Sie war mir gleich sympathisch», sagt Granit Xhaka über Wälti. «Ich freue mich, dass wir bei Arsenal auch eine Schweizerin haben. Ich weiss, dass viele sagen, dass Frauen und Fussball nicht zusammenpassen. Ich finde, es ist genau das Gegenteil, und vor allem soll jeder das machen können, woran er Spass hat.» Das 2:2 in Belgien hat der Basler mitbekommen, und er sagt: «Die Frauen haben ein gutes Spiel gemacht. Ich hoffe, dass sie es im Rückspiel schaffen.»

Xhaka hat sich in der Premier League etabliert, zählt zu den Stammspielern der Gunners. So weit ist Lia Wälti noch nicht. Dass sie das nötige Rüstzeug mitbringt, davon ist Voss-Tecklenburg überzeugt. «Wir haben sehr lange gesprochen, ob sie diesen Schritt machen soll», sagt die Schweizer Nationaltrainerin, «und ich bin sicher, dass ihr das wie der Schritt zu Potsdam wieder guttun wird. Er wird sie noch einmal nach vorne bringen. Sie wird körperlich noch einmal mehr gefordert werden und auch in der Art und Weise, wie in England gespielt wird.»

«Lia ist zur Weltklasse-Spielerin geworden»

Für die Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist Lia Wälti «Weltklasse. Mit ihr sind wir immer ein Stück weit besser». (Video: 20 Minuten)

Das sagt Martina Voss-Tecklenburg über Lia Wälti. (Video: 20 Minuten)

Die Frauen hoffen auf laute Unterstützung

In der Vergangenheit war die Bundesliga das Nonplusultra im europäischen Frauenfussball. Hat England Deutschland den Rang abgelaufen? Voss-Tecklenburg: «In der Qualität und Dichte liegt Deutschland vorn. Wenn man aber die Trainingsbedingungen, die Vereinsstrukturen und auch die finanziellen Möglichkeiten vergleicht, dann ist England weiter. Der Support für den Frauen-Fussball auch seitens des Verbands ist extrem positiv.»

Auf eine grosse Unterstützung hoffen die besten Schweizer Fussballerinnen heute in Biel. Bislang gingen im Vorverkauf erst 1200 Tickets weg – dabei steht doch so viel auf dem Spiel. Lia Wälti sagt: «Ich finde es etwas schade, dass wir es hier nicht hinbekommen mit den Zuschauern. Wir waren an einer WM und an einer EM. Eine schöne Kulisse in Biel würde uns enorm helfen, schon 2000 Fans wären toll.»

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