Khat: Das Drogenkraut mit bitterem Nachgeschmack

Aktualisiert

KhatDas Drogenkraut mit bitterem Nachgeschmack

Immer wieder wird kiloweise Khat in die Schweiz geschmuggelt. Dies, obwohl das Kraut aus Nordafrika innert kürzester Zeit verfault und seine berauschende Wirkung verliert. Zudem schmeckt das Drogenkraut den Schweizern überhaupt nicht.

von
Anja Grünenfelder

Den letzten grossen Fang machten Basler Zollbeamte vor wenigen Tagen. Am 22. Juli entdeckten sie 160 Kilogramm Khat im Wagen eines Franzosen. Der Mann fuhr bei Basel über einen unbewachten Grenzübergang, als die Fahnder zuschlugen. Die Scheiben seines Autos waren abgedunkelt. Ansonsten machte sich der Franzose keine grosse Mühe, seine illegale Fracht zu verstecken. Die Droge transportierte er im Kofferraum in dutzenden Kartonschachteln - getarnt bloss mit einer grauen Wolldecke. Der Kofferraum sah aus, als würde der Franzose umziehen.

«Die Blätter brauchen Luft»

Dass er auf diese Weise versucht hat, Drogen in die Schweiz zu schmuggeln, scheint auf den ersten Blick dilettantisch. Der Grund ist aber ein anderer. «Meist wird die Droge in losen Gebinden eingeführt, weil die Blätter Luft brauchen», erklärt Markus Zumbach, Mediensprecher der Grenzwachregion I Basel. Deshalb würden sie häufig in derartigen Kartonschachteln oder in Juttesäcken transportiert. Insbesondere deswegen, weil Khat schnell verdirbt.

Laut Kriminalkommisär Markus Melzl von der Basler Staatsanwaltschaft verfault das Kraut bereits zwei bis drei Tage nach der Ernte. «Die Blätter haben einen penetranten Geruch und stinken fürchterlich, wenn sie verderben», so Melzl. Dem trägt auch die Zollbehörde Rechnung. Die stinkende Fracht wird jeweils so schnell wie möglich gewogen, fotografiert und dann verbrannt.

Khat-Schmuggel tritt wellenartig auf

Trotz des rekordverdächtigen Funds vom 22. Juli: Die Experten reagieren gelassen. Es würden zwar immer wieder grosse Mengen Khat an Schweizer Grenzübergängen beschlagnahmt. Dass der Schmuggel im letzten Halbjahr zugenommen hat, dementiert Melzl jedoch. Er trete vielmehr wellenartig in Erscheinung, sagt der Kriminalkommissär.

Auch die Jugendberatung Streetwork kann keine «Khat-Welle» ausmachen. «Wir haben keine Beobachtungen gemacht, dass Khat unter Jugendlichen verbreitet ist», sagt Alex Bücheli, stellvertretender Betriebsleiter von Streetwork. Auch die pulverisierte Form, das so genannte CAT, ist bei Schweizerinnen und Schweizern unbeliebt. «CAT ist auf dem Schweizer Markt nicht vorhanden», sagt Bücheli. «Wir haben die Droge in den letzten zwei bis drei Jahren nicht mehr angetroffen.»

Beliebt in afrikanischen Kreisen

Warum also wird Khat trotzdem immer wieder in die Schweiz geschmuggelt? Melzls Erklärung: Die Droge wird vorwiegend in afrikanischen Kreisen konsumiert. Ihm seien zwar auch Leute aus der Schweiz bekannt, die die Droge mal ausprobiert hätten. Die Blätter seien aber ziemlich bitter und gewöhnungsbedürftig. Deshalb sei es meist bei einem Versuch geblieben. In den traditionellen Herkunftsländern Äthiopien, Jemen und Kenia hingegen ist Khat ein sozial akzeptiertes Sucht- und Genussmittel.

Nicht so in der Schweiz, wo die Droge seit 1992 unter dem Betäubungsmittelgesetz steht. Andere Länder hingegen haben ein liberaleres Verhältnis zur stimulierenden Kau-Droge. In den Niederlanden und Grossbritannien ist die Droge legal. Wie die Droge in die Schweiz gelangt, weiss Markus Zumbach ziemlich genau: Das Khat werde per Luftfracht nach Amsterdam geflogen und dann in die Schweiz geschmuggelt - nicht selten in einem voll bepackten Kofferraum.

Wirkung von Khat

Beim Khat handelt es sich um die Zweigspitzen und jungen Blätter des Khatstrauchs, die als leichtes Rauschmittel konsumiert werden. Die Blätter werden dabei im Mund zu Bällchen gepresst und in die Backentasche geschoben. Im Verlauf des Tages können diese Bällchen leicht bis zur Größe eines Tennisballs anwachsen; dabei werden sie immer wieder neu befeuchtet und ausgesaugt. Die Wirkung ähnelt der anderer Amphetamine, ist jedoch deutlich schwächer. Der Wunsch sich mitzuteilen wird erhöht, Müdigkeit verschwindet, und das Hungergefühl wird unterdrückt. Dieser Zustand nimmt etwa nach zwei Stunden ab. Grössere Mengen können zu Müdigkeit und Benommenheit oder gar einer Vergiftung führen. Dauerkonsum führt oft zu Schlafstörungen, Impotenz und antisozialem Verhalten.

Quelle: Wikipedia

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