Iran: So diskriminiert das iranische Gesetz Frauen

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Gesetzliche Diskriminierung Das dürfen Frauen im Iran nur mit Erlaubnis eines Mannes tun

Einen Pass beantragen, im Ausland reisen oder sich scheiden lassen. Nicht nur gelten für sie strengere Kleidervorschriften, auch in vielen anderen Bereichen sind Frauen im Iran schlechter gestellt.

von
Samira Kunz
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Seit Wochen protestieren die Menschen im Iran gegen das Regime.

Seit Wochen protestieren die Menschen im Iran gegen das Regime.

IMAGO/ZUMA Wire
Angefangen hat es mit Mahsa Aminis Tod. Sie starb in einem Spital, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen und verprügelt worden war, weil sie die Kleidervorschriften nicht einhielt.

Angefangen hat es mit Mahsa Aminis Tod. Sie starb in einem Spital, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen und verprügelt worden war, weil sie die Kleidervorschriften nicht einhielt.

IMAGO/ZUMA Wire
Seither tragen viele Frauen keine Kopfbedeckung mehr.

Seither tragen viele Frauen keine Kopfbedeckung mehr.

IMAGO/Le Pictorium

Darum gehts

  • Im iranischen Gesetz werden Frauen schlechter gestellt als Männer.

  • So dürfen sie nicht ohne Einwilligung eines Mannes einen Pass beantragen oder im Ausland reisen.

  • Auch ist es für sie viel schwieriger, sich scheiden zu lassen und danach müssen sie um das Sorgerecht der Kinder fürchten.

Die Kleidervorschriften wurden durch die Proteste zu einem Zeichen für die Unterdrückung der Frauen im Iran. Dabei sind sie längst nicht die einzige Art, auf die Frauen unterdrückt werden. Besonders wenn es um die Ehe geht, sind Frauen massiv schlechter gestellt als Männer, wie das «United States Institute of Peace» in einem Bericht schreibt.

Eine verheiratete Frau kann ohne schriftliche Erlaubnis ihres Mannes weder einen Reisepass beantragen noch darf sie ausserhalb des Irans reisen. Auch darf der Mann den Wohnort des Paares bestimmen und seiner Frau verbieten, bestimmten Jobs nachzugehen, wenn diese gegen die «Familienwerte» verstossen.

Heiraten Mütter zum zweiten Mal, verlieren sie das Sorgerecht

Stirbt ihr Mann, erbt die Frau ein Achtel seines Besitzes, während er im Fall von ihrem Tod ihren ganzen Besitz bekommt. Auch erben Söhne doppelt so viel wie Töchter und erst seit 2009 dürfen Frauen Land erben. Wenn eine Frau eine zweite Ehe eingeht, verliert sie ausserdem das Sorgerecht für ihre Kinder aus der ersten Ehe und das selbst, wenn ihr erster Mann gestorben ist.

Wusstest du über diese Rechtslage Bescheid?

Eine Frau kann eine Scheidung nur vor Gericht mit einem richterlichen Beschluss erwirken. Wenn ihr Mann keine Scheidung möchte, muss sie beweisen, dass sie sich in «schwierigen und unerwünschten Umständen» befindet. Das ist gegeben, wenn er fünf oder mehr Jahre im Gefängnis ist, psychisch krank oder suchtkrank ist oder sie körperlich misshandelt. Möchte der Mann sich scheiden lassen, kann er die Scheidung mündlich einreichen – sogar, wenn seine Frau nicht anwesend ist.

Der Iran wird seit dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini am 16. September von Protesten erschüttert. Die 22-Jährige war von der Sittenpolizei festgenommen worden, da sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäss getragen haben soll. Sie starb kurze Zeit später im Spital. Die iranischen Behörden verurteilen die Demonstrationen als «Unruhen» und haben schon Hunderte Menschen festgenommen.  

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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