Manifesta 11 in Zürich: «Das Durchschnittsbraun ist wunderschön»

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Manifesta 11 in Zürich«Das Durchschnittsbraun ist wunderschön»

Wer am Donnerstag in Zürich auf die Toilette geht, wird Teil eines Manifesta-Kunstwerks. Im Museum ausgestellt soll ein Spray die unangenehmen Gerüche vertreiben.

von
rad
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Kein Anbieter/Manifesta 11

Jeder macht es, aber keiner redet darüber. Sein Geschäft auf der Toilette zu verrichten, gehört womöglich zu einer der intimsten Angelegenheiten im Tagesablauf eines Menschen. Am Donnerstag, dem 24. März, wird sich das jedoch ändern.

Der kalifornische Konzept-Künstler Mike Bouchet lässt vom Klärwerk Werdhölzli einen Tag lang die menschlichen Exkremente der Stadtzürcher einsammeln, um daraus das Kunstwerk «The Zurich Load» zu schaffen.

«Teil eines Gesamtkunstwerks»

Nicht zuletzt sei der Gang auf die Toilette etwas allzu Menschliches. Mit dem Projekt wolle der Künstler so ein neues Licht auf ein Thema werfen, über das man es sonst vermeidet zu sprechen. «Ich will ein Kunstwerk schaffen und den Menschen so die Schönheit zeigen, die in etwas steckt, dass wir alle tagtäglich machen», sagt Bouchet.

Zudem wolle er so auch die andere Seite des Konsums aufzeigen. «Die Zürcher sollen an diesem Tag Teil eines Gesamtkunstwerks werden», so Bouchet weiter. Für ihn wird es das aussergewöhnlichste und grösste Gebilde seiner bisherigen Karriere sein.

Zu sehen im Migros-Museum

Anlässlich der Manifesta 11, die ab dem 11. Juni in Zürich stattfindet, wird «The Zurich Load» im Migros-Museum für Gegenwartskunst ausgestellt sein. Laut Bouchet war es anfangs nicht sicher, ob das Projekt überhaupt realisiert werden kann, und sich ein geeigneter Ausstellungsort finden werde: «Alles daran war eine Herausforderung.»

Sein Künstleratelier wird Bouchet im Klärwerk Werdhölzli aufschlagen, das er bereits mehrere Male besucht hat: «Es ist immer wieder spannend, die verschiedenen Abläufe vor Ort zu beobachten. Die Farbe des Stoffs – dieses Zürcher Durschnittsbraun – ist einfach wunderschön.» Wie das Kunstwerk genau aussieht, davon sollen sich die Besucher der Manifesta 11 überraschen lassen, so Bouchet.

«So etwas stellt man eigentlich nicht aus»

Für Philipp Sigg, Mitarbeiter des Klärwerks Werdhölzli, ist das Ganze «eine echt verrückte Idee». Selbst wäre er nie auf einen solchen Gedanken gekommen: «So etwas stellt man eigentlich nicht aus, sondern entsorgt es fachgerecht.» Auch wenn es sich dabei um keine besonders appetitliche Angelegenheit handle, habe die Kunst hier die Möglichkeit, einen alltäglichen Aspekt der Gesellschaft zu enttabuisieren.

Laut Sigg, der Bouchet bei seinem Kunstprojekt zur Seite steht, sei es kein Problem, 80 Tonnen Klärschlamm aufzutreiben. Diesen dann mit Zement und Kalk zu einer gefestigten Masse zu formen, sei dann schon umständlicher. «Besonders schwierig wird es, dem Geruch entgegenzuwirken», so Sigg. Dazu müsse das Kunstwerk täglich mit einem Neutralisationsspray besprüht werden.

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