Per Mausklick zum Rausch: Das «eBay» für Drogen
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Per Mausklick zum RauschDas «eBay» für Drogen

Ob LSD, Ecstasy oder Heroin: Die Untergrund-Website «Silk Road» gilt als Umschlagplatz für illegale Substanzen. Jetzt machen zwei US-Politiker dagegen Front.

von
dsc
Die «Silk Road»-Website ist nur über technische Umwege zu finden. Besucher können dort online harte Drogen wie Kokain einkaufen und mit digitaler Währung bezahlen. (Symbolbild: Keystone)

Die «Silk Road»-Website ist nur über technische Umwege zu finden. Besucher können dort online harte Drogen wie Kokain einkaufen und mit digitaler Währung bezahlen. (Symbolbild: Keystone)

Zwei US-Senatoren fordern ein energisches Vorgehen der Behörden gegen eine gut abgeschirmte Website, über die anonym harte Drogen vertrieben werden. Die Senatoren Charles Schumer und Joe Manchin wollten dazu nach eigenen Angaben am Sonntag das US-Justizministerium und die Drogenbehörde einschalten. Auf der Seite, die laut Schumer erst seit Februar in Betrieb ist, werden Substanzen wie Heroin, Kokain und Methamphetamine gehandelt.

Schumer und Manchin, beide Mitglieder der Demokratischen Partei von Präsident Barack Obama, fordern die Behörden zur Schliessung der Seite und zu Ermittlungen auf. Nie zuvor habe eine Website so dreist mit Drogen gehandelt, sagte Schumer. Dazu werde ein Netzwerk eingesetzt, das die Identität von Käufer und Verkäufer verschleiere. «Diese unverfrorene Seite» müsse sofort abgeschaltet werden, forderte Manchin.

Bezahlen mit Bitcoin

Die Rede ist von «Silk Road». Die Untergrund-Website ist nach einer uralten Handelsroute benannt, der Seidenstrasse. Wer Silk Road besuchen will, muss gewisse Computer-Kenntnisse mitbringen. Sie ist nur über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor zu erreichen. Dank Tor soll die Identität von Käufern und Verkäufern geheim gehalten werden. Bezahlt wird mit der digitalen Währung Bitcoin. Die Betreiber von Silk Road wie auch manche Besucher verstehen sich offenbar als Anarchisten. Anstatt den bösen Staat mit Steuer-Dollars zu unterstützen, solle man seine Energie lieber in Schwarzmärkte stecken, sagte eine Aktivistin im Chat.

Ein US-Journalist hat dem Online-Laden für harte und weiche Drogen einen Besuch abgestattet und kommt zu einem erstaunlichen Befund. Weil sich die Verkäufer sicher fühlten, gebe es praktisch keine Tabus. Im Angebot gebe es praktisch alles – mit Ausnahme vielleicht von waffenfähigem Plutonium. Geliefert werden die Drogen per Post, in möglichst unauffälliger Verpackung. Die Verkäufer werden vom Betreiber der Website auch aufgefordert, ihre Waren möglichst schlau zu tarnen.

Bewertungssystem mit Sternen

Wer bei Silk Road einkaufen will, muss ein anonymes Konto einrichten und zunächst einige Bitcoins einzahlen. Daraufhin kann man durchs Angebot stöbern und mit den unbekannten Verkäufern in Kontakt treten. Wie bei Ebay gibt es ein Beurteilungssystem für Händler und Kunden. Wer also mit einem bestimmten Deal zufrieden ist, kann dies anderen potenziellen Käufern auf der Untergrund-Website kundtun.

Die Besucher von Silk Road sollten sich allerdings trotz gegenteiliger Versprechen nicht allzu sicher fühlen. Nachdem die Untergrund-Website ins Visier der Behörden geraten ist, droht allen Beteiligten Ärger. Knackpunkt dürfte das Bezahlen sein. Wie ein Bitcoin-Entwickler sagte, werden sämtliche Transaktionen in einem öffentlichen Log aufgezeichnet. Die Identitäten der Beteiligten werden dabei zwar nicht offengelegt. Doch den Strafverfolgern dürfte es dank Netzwerk-Analyse trotzdem gelingen, jede Transaktion zurückzuverfolgen.

Bitcoin sei grundsätzlich ein sicheres anonymes Zahlungsmittel, sagte der Entwickler. Wer damit aber im grossen Stil Drogen einkaufe, sei ziemlich dumm. (dsc/dapd)

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