25.09.2020 18:02

Angriff in der Serie BDas einstige GC-Juwel begeistert in Italien

Nach dem Abstieg verliess Nedim Bajrami die Grasshoppers. Nun kämpft er mit Empoli um den Aufstieg – und träumt von Juventus Turin.

von
Marcel Rohner
Nach Anlaufschwierigkeiten läuft es plötzlich ganz gut: Nedim Bajrami feiert den Einzug ins Serie-A-Playoff.

Nach Anlaufschwierigkeiten läuft es plötzlich ganz gut: Nedim Bajrami feiert den Einzug ins Serie-A-Playoff.

Foto: Getty Images

Es war der Sommer 2019 und GC hatte gerade nicht viel. Nicht viel Geld, nicht viel Hoffnung. Die Schanden von Sitten und Luzern lasteten auf dem Club, die erste Saison in der Challenge League stand bevor. Aber GC hatte Nedim Bajrami, das «Juwel der Begierde», wie ihn der damalige Trainer Uli Forte nannte. Bajrami war immerhin eine Möglichkeit, an Geld zu kommen. Eine Einigung mit chinesischen Besitzern war noch weit entfernt.

Der junge Mittelfeldspieler also verliess GC. Empoli machte das Rennen, es wurde geschrieben, dass Juventus Turin bei diesem Geschäft seine Finger im Spiel gehabt habe. Zumindest in der Schweiz und bei Empoli dementieren sie das. Bajrami selbst sagt nur, dass es der Traum eines jeden Spielers sei, dort zu spielen. Mehr Auskünfte zu diesem Thema will er nicht geben.

Die ersten Wochen beim neuen Verein waren harzig. In den ersten Spielen kam der Neuling gar nicht zum Einsatz, dann ging es bergauf, erst 16 Minuten, dann 30, 34, eine Halbzeit, Ende Oktober die erste Partie über 90 Minuten. «Zu Beginn war es schwierig», erzählt Bajrami und zählt auf: «Neues Land, neue Leute, neue Sprache…» Der damals 20-Jährige war erstmals von zu Hause weg – nach zehn Jahren bei den Grasshoppers.

Hat sich bei Empoli durchgesetzt: Nedim Bajrami, hier auf dem GC-Campus. 

Hat sich bei Empoli durchgesetzt: Nedim Bajrami, hier auf dem GC-Campus.

Foto: Reto Oeschger

«Ich spürte den Druck», sagt Bajrami. Es war der Druck des Leihgeschäfts, das Empoli und GC abgeschlossen hatten. Der U-21-Nationalspieler wollte gefallen und seinen neuen Verein dazu zwingen, ihn fix zu verpflichten. Empoli aber hatte selbst zu kämpfen, lag im Januar nur auf Rang 15. Es kam zum Trainerwechsel, Pasquale Marino hiess der neue Mann und er setzte bedingungslos auf Bajrami, mal in der Mitte, mal über links, mal über rechts, der Schweizer ist im Mittelfeld überall einsetzbar. Italienische Medien nennen ihn darum auch «Empolis Joker».

Und wieder ist er das Juwel

Mit dem neuen Trainer kamen die Resultate, Empoli verlor in den verbleibenden 16 Spielen nur noch fünfmal, Bajrami spielte fast immer. «Schlussendlich konnte ich mich durchsetzen», sagt er knapp und ohne deswegen in Euphorie zu verfallen. Es würde auch nicht zu ihm passen, er ist kein Mann der grossen Worte und Reden. Aber mit dem Italienisch klappt es mittlerweile ganz gut, auch wenn ab und an noch englische Ausdrücke den Weg in Bajramis Interviews finden.

Empoli verpasste den Aufstieg knapp. Im Playoff entschied ein Spiel darüber, wer eine Runde weiterkommt, Empoli oder Chievo Verona. Das Spiel endete 1:1 nach Verlängerung, ein Penaltyschiessen gab es nicht, stattdessen kam Chievo in den Halbfinal, weil es in der Tabelle besser klassiert war. «Daraus müssen wir lernen», sagt Bajrami, nun ist der Aufstieg das Ziel. Die Mission beginnt am Samstagnachmittag mit dem Spiel gegen Frosinone

Die Norditaliener jedenfalls sind bereits vor der kommenden Saison begeistert von ihrem Joker, Empoli zog die Kaufoption, das brachte GC fast eine Million Franken ein. Pianetaempoli.it, ein Online-Magazin, das sich nur diesem Club widmet, veröffentlichte im April einen Artikel mit dem Titel: «Bajrami ist das Juwel des Neustarts». Juwel. Das dürfte dem früheren GC-Spieler ja mittlerweile bekannt vorkommen.

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10 Kommentare
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Dr. Klöti

26.09.2020, 09:02

Ich bekomme Hirnschwund, wenn ich irgendwas im Zusammenhang mit Fussball sehe.

Nifu

25.09.2020, 21:08

„Granit“ Xhaka könnt man noch zu einem Juwel schleifen.

Herr Lehrer Bünzli

25.09.2020, 20:33

Als Juwelen, Juwel, (von altfr. joel) werden alle Arten von kostbaren Schmuckstücken bezeichnet, insbesondere solche, die einen oder mehrere in Edelmetall gefasste Edelsteine enthalten. Gelegentlich werden auch hochwertige, geschliffene Edelsteine ohne Fassung als Juwel bezeichnet.