Energy Challenge: «Das einzig wertvolle Öl wird künftig Olivenöl sein»
Aktualisiert

Energy Challenge«Das einzig wertvolle Öl wird künftig Olivenöl sein»

Massiv sinkende Ölpreise und zunehmende Beliebtheit von erneuerbaren Energien: Die Abkehr vom fossilen Brennstoff ist bereits in vollem Gang.

von
Stephanie Sigrist
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Immer weder sorgen Ölkatastrophen weltweit für Negativschlagzeilen: Im Mai 2015 beispielsweise flossen an der kalifornischen Pazifikküste in der Nähe von Santa Barbara bis zu 400'000 Liter Öl in den Ozean. Schuld war ein Leck in der Öl-Pipeline. Auf den nächsten Bildern wird gezeigt, welche Folgen der Vorfall für Tiere und Natur hatte.

Immer weder sorgen Ölkatastrophen weltweit für Negativschlagzeilen: Im Mai 2015 beispielsweise flossen an der kalifornischen Pazifikküste in der Nähe von Santa Barbara bis zu 400'000 Liter Öl in den Ozean. Schuld war ein Leck in der Öl-Pipeline. Auf den nächsten Bildern wird gezeigt, welche Folgen der Vorfall für Tiere und Natur hatte.

David Mcnew
Ein 14,5 Kilometer langer Küstenstreifen wurde verseucht. Unzählige Tiere verendeten.

Ein 14,5 Kilometer langer Küstenstreifen wurde verseucht. Unzählige Tiere verendeten.

epa/Michael Nelson
Besonders kleine Tiere hatten keine Chance.

Besonders kleine Tiere hatten keine Chance.

epa/Mike Eliason / Santa Barbara County Fire Dept. Han

«Das einzig wertvolle Öl wird künftig Olivenöl sein», behauptet der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset plakativ. Bereits seit Ende 2013 rät der Norweger Ölgesellschaften zu einem Umdenken. «In der Energieversorgung sind neue Geschäftsmodelle gefragt – und Ölkonzerne sollten sich neu erfinden, solange sie noch über genügend finanzielle Ressourcen verfügen», sagt Indset.

Ein Grund für den Preiszerfall und die sinkende Nachfrage nach Öl ist gemäss dem Wirtschaftsphilosophen die Verfügbarkeit neuer Energieformen, die im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen wie Öl und Erdgas die Umwelt deutlich weniger belasten.

Umweltfreundlichere Alternativen werden bezahlbar

«Diese Aussage ist natürlich ziemlich provokativ, aber es deutet einiges darauf hin, dass Öl weltweit an Bedeutung verliert», sagt Daniel Huber, Professor für Innovationsmanagement an der Berner Fachhochschule und Vorstandsmitglied von Swissfuture. Eines dieser Signale seien die bereits heute sinkenden Preise. Aber auch das verstärkte Aufkommen von erneuerbaren Energien trage dazu bei, dass der Mineralölabsatz sinke.

«In der Schweiz wird Öl heute vor allem zum Heizen, für den Transport und in der chemischen Industrie genutzt», erklärt der Innovationsexperte. In den ersten beiden Anwendungsfeldern kamen in den letzten Jahren jedoch gleich mehrere umweltfreundlichere Alternativen auf, die inzwischen auch für die breite Masse bezahlbar geworden sind. Ausserdem sei hierzulande der Umgang mit Energie bewusster geworden.

Bei Gebäudeheizungen beispielsweise setzen bereits heute viele Schweizer Hausbesitzer nicht mehr auf Öl; stattdessen werden Erdsonden und thermische Solarpanels eingebaut. Da Neubauten heute zudem deutlich besser isoliert werden, sinkt der Energiebedarf für das Heizen eines Gebäudes auch unabhängig von der verwendeten Energieform.

Weiter kann grundsätzlich die gesamte Aussenfassade von Häusern für die Erzeugung elektrischer Energie genutzt werden. Die erforderliche Technologie steht heute bereits zur Verfügung oder ist teilweise im Laborstadium. Dadurch wird langfristig die Situation entstehen, dass Gebäude typischerweise mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Dies dürfte auf längere Sicht die Energiepreise drücken.

Elektroautos werden dank Tesla ernst genommen

«Auch in der Transportbranche ist ein Trend zu ökologischeren Fahrzeugen zu beobachten», sagt Huber. Tesla sorge dafür, dass Elektroautos als ernsthafte Alternativen zu Benzin- und Diesel-Fahrzeugen wahrgenommen werden. Hier beginnt, verstärkt durch den VW-Skandal, derzeit ein Umbruch in der Autoindustrie. Diese Entwicklung führt ebenfalls weg von der Verwendung von Mineralöl.

Im Schiff- und Flugverkehr spielt Mineralöl zurzeit noch eine wichtige Rolle. «Aber es wäre bereits heute grundsätzlich möglich, Flugzeuge mit Wasserstoff zu betreiben. Dazu wäre aber eine Umstellung des Flugzeugbaus nötig, die Flugzeuge müssten grössere Volumen aufweisen», sagt der Innovationsmanagement-Professor.

In der organischen Chemie ist Öl nicht wegzudenken

Alle diese Entwicklungen brauchen natürlich Zeit. Man überschätzt dabei laut Huber systematisch, was in fünf Jahren möglich ist, und unterschätzt gleichzeitig massiv, was sich alles in zehn oder mehr Jahren ändert. Dieses Muster gilt auch für die Abkehr vom Öl als Energiequelle: Eine komplette Abkehr ist in den nächsten paar Jahren noch nicht zu erwarten. Aber langfristig könnte der Ölverbrauch durchaus auf lediglich 20 Prozent des heutigen Wertes fallen, schätzt der Experte. «In der organischen Chemie wird Öl aber auch langfristig als Rohstoff verwendet werden».

«Das Geschäftsmodell, Energie in Litern, Kubikmetern oder Kilowattstunden zu verkaufen, dürfte in Zukunft immer weniger funktionieren. Es sieht ganz danach aus, dass langfristig mehr als genug Energie vorhanden sein wird; es geht dann vielmehr um Energiemanagement als um Energieverkauf», prophezeit Huber. Ölkonzerne, Erdgasförderer und Stromanbieter seien also tatsächlich gut beraten, sich Gedanken über neue Geschäftsmodelle und Angebote zu machen.

Ob und wann diese Veränderungen stattfinden, lässt sich nicht genau voraussagen. «In solchen Zusammenhängen Jahreszahlen zu nennen, ist nicht seriös und dient meistens bloss der Provokation», sagt Huber.

Energy Challenge 2017

Die Energy Challenge 2017 ist eine nationale Aktion von Energie Schweiz und dem Bundesamt für Energie rund um die Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Als Medienpartner beleuchtet auch 20 Minuten den Themenschwerpunkt mit Grafiken, Reportagen und Interviews. Mehr Infos gibt's in der kostenlose Energy Challenge-App für Android und für iOS.

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