Das Ekel-Syndrom
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Das Ekel-Syndrom

RTL bringt in seinem Dschungelcamp mit Maden und anderem Ungeziefer Millionen vor dem Bildschirm zum Schaudern. Warum ekeln wir uns eigentlich vor diesen kleinen Tierchen?

Wären die B-Promis nicht hoffnungslos selber schuld, man müsste Mitleid mit ihnen haben: Im Dschungelcamp des deutschen Privatsenders RTL werden die Möchtegern- und Nicht-mehr-Prominenten gnadenlos gepeinigt. Wichtigstes Folterinstrument: der Ekel.

Erfolgreich ist die TV-Ekel-Show nicht zuletzt wohl deshalb, weil jeder von uns das unangenehme Gefühl selber so gut kennt. Die einen ekeln sich vor Ratten, andere packt das Grausen bei Spinnen, dritte flüchten vor Kakerlaken.

Nützlicher Ekel

RTL selber erklärt das Ekelgefühl in einem kurzen Special und bemüht dabei die Angsttherapeutin Elke Schwarz. Die erklärt, Ekel führe zu einer starken körperlichen Stressreaktion, die sich unter anderem in verschwitzten Händen äussere.

Danach führt der Neurologe und Psychiater Borwin Bandelow das Ekelgefühl, das die meisten Leute zum Beispiel vor gewissen Insekten verspüren, auf eine Prägung in der Urzeit des Menschen zurück. Wer sich vor gefährlichen Kerbtieren nicht ekelte oder fürchtete, so Bandelow, überlebte unter Umständen nicht.

Der Ekel hatte somit durchaus seinen evolutionären Nutzen. So sehr, dass wir auch in sicherer Distanz vor dem Gewürm - auf dem Sofa vor dem Fernseher - vor Ekel erschauern. Die Urängste, erklärt Bandelow, seien so tief verankert, dass das «Angstsystem» auch dann reagiere, wenn der Ekel-Erreger lediglich via TV präsent sei.

Kultur und Ekel

Ekelgefühle entstehen in unserem Gehirn im limbischen System im so genannten Mandelkern. Interessant ist, dass die Fähigkeit, Ekel zu empfinden, an sich angeboren ist, Ekelgefühle jedoch erst in den ersten Lebensjahren entwickelt werden - Kleinkinder stecken sich beispielsweise mit Genuss Käfer in den Mund.

Ekelgefühle werden durch das Vorbild anderer Menschen vermittelt und sind somit auch von der jeweiligen Kultur abhängig.

Der Gesichtsausdruck bei Ekel ist hingegen nicht kulturell geprägt - es ist einer der grundlegenden Ausdrücke unserer Mimik, die wie Angst oder Wut weltweit überall gleich aussehen.

Quelle: Wikipedia.org / RTL.de

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