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1950er-JahreDas Ende der Küchendurchreiche

In älteren Häusern gibt es sie noch, die Durchreiche, die mit der Küche das Reich der Hausfrau mit der Welt verband. Ihr Ende bedeutete ein wenig mehr Emanzipation.

Der Zweite Weltkrieg war vorbei, man hatte wieder Geld, auch der Konsum nahm Fahrt auf. In den 1950er-Jahren wollte man sich zu Hause vor allem wohlfühlen. Mit neuen Möbeln und ansprechenden Farben.

Erste Zeichen der Emanzipation

Noch herrschte traditionelle Rollenteilung. Die Küche – unbestritten das Reich der Hausfrau – diente dazu, die Familie mit liebevoll Gekochtem zu versorgen. Aber auch die ersten Zeichen der Emanzipation zeigten sich – in der Innenarchitektur.

Ein Auslaufmodell war zum Beispiel die Speisekammer – es gab ja inzwischen Kühlschränke. In dieser Zeit wurden die Mini- und Einbauküche modern.

Zementierte Rollenverteilung

Die praktische Küchendurchreiche, geschätzt als arbeits- und platzsparendes Detail, trennte den Bereich der Frau rigoros vom Esszimmer. Die mit Flügel- oder Schiebetüren versehene Durchreiche zum Esszimmer ersparte der Köchin zwar viele mit Tellern und Schüsseln beladene Wege, aber die räumliche Trennung zementierte die Rollenverteilung.

Aber nicht lange: Während die Architekten in den 1950er-Jahren erstmals grosse Mehrfamilienhäuser für den Mittelstand bauten, planten sie auch das Ende der geschlossenen Küche. Dem Raum fehlte entweder die Tür – oder die Küche war gleich Wohnzimmer integriert.

Vom Guckloch zum Fenster

Nebenbei wurde der Abzug modern (den sich freilich erst einmal nur Wenige leisten konnten), aus dem Durchreiche-Guckloch wurde eine grosse Öffnung oder es wurde ganz abgeschafft. Die französische Architektin Charlotte Perriand, die ihrer Zeit zugegeben ein wenig voraus war, machte aus dem Mauseloch gleich eine Küchentheke.

Die treusorgende Ehefrau war vom Hausherrn nur noch durch ein Möbel getrennt. So viel Gleichberechtigung konnte die damalige Gesellschaft wohl gerade ertragen. Mit der Emanzipation sollte es noch ein paar Jahre dauern, vielleicht stand man sich aber nun zum Cocktailtrinken gegenüber.

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