Aktualisiert 04.12.2008 15:40

Der Hardturm in TrümmernDas Ende einer langen Sportgeschichte

Heute Morgen sind die Bagger an der Zürcher Hardturmstrasse aufgefahren. Ihr Auftrag: In den nächsten Monaten den Hardturm dem Erdboden gleichmachen. Damit verliert die Stadt nicht einfach nur ein Stadion, sondern ein Stück Schweizer Sportgeschichte.

von
Patrick Toggweiler

Es ist nicht mehr wie früher, als man die Abrissbirne brachial in die Mauern krachen liess. Heute wird ein Gebäude wie der Hardturm «rückgebaut». Das heisst, die Mauer wird fein säuberlich Quadratmeter um Quadratmeter ausgerissen. Und sollten da noch Aluminiumteile oder Draht herumliegen, werden diese aussortiert - eine kranfahrerische Höchstleistung. Stück um Stück wird abgetragen, bis der altehrwürdige Hardturm verschwunden ist. Das soll bereits im Frühling der Fall sein.

Von der Innovation zum Schrotthaufen

Seit 1929 stand das reine Fussballstadion im Zürcher Kreis fünf. Zwei Mal brannte die Haupttribüne nieder. Zwei Weltmeisterschaften fanden im Hardturm statt: 1954 die Fussballweltmeisterschaft. 1952 die Feldhandball-Weltmeisterschaften. Neben diesen Highlights stand das Stadion lange Zeit für Innovation: 1956 fand im Hardturm-Stadion das erste Fussballspiel unter Flutlicht auf Schweizer Boden statt. Die Schweiz spielte gegen Brasilien 1:1. Trotz diversen Tribünenergänzungen, Umbauten und Sanierungen wurde das Stadion immer mehr zum Problemfall. Bis man aufgrund baulicher Mängel die Tore für immer schliessen musste. Zum letzten Meisterschaftsspiel kam es am 1. September 2007. GC verlor gegen Xamax mit 1:2. Als finaler Torschütze im Hardturm-Stadion traf Raul Bobadilla in der 91. Minute. Danach hiess es Lichter löschen.

Heimat von GC, Heimat der Stars

Die Gebrüder Abegglen, Fredy und Thomas Bickel, Stéphane Chapuisat, Giovane Elber, Ruedi Elsener, Heinz Hermann, Kurt Jara, Marcel Koller, Viorel Moldovan, Günter Netzer, Wynton Rufer, Ciriaco Sforza, Claudio Sulser, Alain Sutter, Kubilay Türkyilmaz, Johan Vogel, die Brüder Yakin und Kugelblitz Aìlton: Sie alle spielten für den Grasshoppers Club. Für sie alle war der Hardturm die Heimat. Diese Stars sorgten dafür, dass GC mit 27 Meisterschaften unangefochtener Schweizer Rekordmeister wurde - und der Hardturm ein regelrechtes Meisterstadion. Sogar dem FCZ brachte das Stadion Glück. Als der Stadtclub ab dem Sommer 2006 für ein Jahr im Hardturm gastierte, eroberte der FCZ in derselben Spielzeit den zweiten Meistertitel der jüngeren Ära. Unvergessen auch, wie sich die Schweiz mit einem 4:0-Sieg gegen Estland für die WM in den USA qualifizierte.

Was folgt?

Das Projekt für ein neues Stadion hängt weiterhin in den Mühlen der Justiz - an einen Baubeginn gleich nach dem Ende des Rückbaus ist nicht zu denken. Was passiert mit dem neu gewonnenen Flecken Erde? Gibt es einen Parkplatz? Eine Spielwiese? Eine Gokart-Bahn? Das Stadion wird nur bis zur Bodenplatte der Tribünen rückgebaut, das Areal danach eingezäunt. Weiter geht man nicht. Sonst würde das bereits als Baubeginn des neuen Projektes gelten – und das ist es nicht.

Der ehemalige GC-Präsident Fritz Peter wird melancholisch.

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(Video: 20 Minuten Online: Mathieu Gilliand)

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