Kulturgüterstreit: Das Ende eines langen Streites
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KulturgüterstreitDas Ende eines langen Streites

Vor 300 Jahren haben Zürcher Truppen den kunstvoll bemalten Erd- und Himmelsglobus aus dem Kloster St. Gallen geraubt. Nun erhält die Gallusstadt nach langem Streit eine Kopie dieses Prunkstücks zurück - in einem feierlichen Akt am 21. August.

Im Beisein von Bundesrat Pascal Couchepin wird der Zürcher Regierungsrat Markus Notter den 233 Zentimeter hohen Globus im St. Galler Regierungsgebäude übergeben, wie die Staatskanzlei am Mittwoch ankündigte. Nach einer Sonderausstellung soll der Globus einen Platz in der Stiftsbibliothek erhalten.

Zwei Jahre lang hat ein Team aus 50 Restauratoren, Handwerkern, Wissenschaftern und Künstlern im Staatsarchiv in Zürich das aus dem 16. Jahrhundert stammende Original detailgetreu nachgebaut, bemalt und beschriftet. Nun ist die Arbeit vollendet.

Der Aufwand, rund 7000 Arbeitsstunden und Kosten von einer Million Franken, hat sich gelohnt: Die Kopie ist von leuchtender Farbenpracht, anders als das über 400-jährige Original. Die kunstvoll gemalten Meeresungeheuer kommen auf dem neuen Globus besser zur Geltung.

Jahrelanger Streit - Bund vermittelte

Mit der «Rückgabe» am 21. August geht ein langer Streit um geraubte Kulturgüter zu Ende. Nach dem Toggenburgerkrieg von 1712 hatten Zürcher Truppen wertvolle Handschriften und den Globus aus dem Kloster St. Gallen mitgenommen. 1996 forderten der Kanton St. Gallen und die Katholische Kirche das Raubgut zurück.

Zürich lehnte eine Rückgabe ab. Erst 2006 konnte der Streit unter Vermittlung des Bundes beigelegt werden. St. Gallen erhielt 40 aus der Kriegsbeute stammende Handschriften auf unbestimmte Zeit zurück. Der Globus blieb in der Zentralbibliothek Zürich, der Kanton kam für die Anfertigung der St. Galler Kopie auf.

(sda)

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