«Wetten, dass..?»: Das Ende zieht sich wie Kaugummi
Aktualisiert

«Wetten, dass..?»Das Ende zieht sich wie Kaugummi

Am Samstagabend moderierte Thomas Gottschalk zum drittletzten Mal «Wetten, dass..?». Die Show zeigte: Es ist Zeit zu gehen.

von
Marlies Seifert

Auf die Frage seiner Co-Moderatorin Michelle Hunziker, wie er sich nach über 30 Jahren Wetten, dass..?-Moderation fühle, antwortete Thomas Gottschalk: «Selber durchmoderiert.» Treffender hätte man es nicht formulieren können. Thomas Gottschalk ist ausgelutscht. Es wird Zeit, dass ein frischer Geist dem in Seenot geratenen ZDF-Flaggschiff neues Leben einhaucht. Vorerst gibt «Thommy» aber noch seinen Abschied auf Raten. Die letzten drei «Wetten, dass ..?»-Sendungen sollten eigentlich hauptsächlich aus der Konserve kommen - doch der Kultmoderator wehrte sich:«Ich will und werde keine Retro-Sendungen machen, sondern solche, die der Grösse von 'Wetten, dass..?' angemessen sind», liess er vor der Show in Nürnberg verlauten. Für ein paar kurze Nostalgie-Momente und Einspieler wurde dann doch Platz eingeräumt.

Zum Schluss noch mal die immer gleichen Gäste

Auch die Gästeschar – etwa Sarah Connor und Rowan Atkinson – war nicht gerade State of the Art. Alle waren sie schon mal da gewesen. Zum 17. Mal wurde am Samstag Altrocker Peter Maffay auf die Couch gezerrt, Dauergast Michael «Bully» Herbig gab sich zum siebten Mal die Ehre. Man schwelgte gemeinsam in Erinnerungen, machte sich gegenseitig Komplimente und liess sich hier und dort zu einem harmlosen Scherz hinreissen. Sogar die hohen Absätze der anwesenden Damen wurden in Ermangelung interessanterer Gesprächsstoffe zum Thema. Das Problem: wenn sich alte Bekannte unterhalten, ist das für den Aussenstehenden meist nicht unterhaltend. Die einzige Newcomerin im Bunde – Sängerin Jessie J – liess man gar nicht erst zu Wort kommen.

Die Kinderwette rettet die Sendung

Da halfen nur noch die Wetten - und die waren vergleichsweise spektakulär: Zumindest der spätere Wettkönig Amadei, der einen Springparcours fast so schnell schaffte wie Weltmeisterin Meredith Michaels-Beerbaum auf ihrem Pferd, wusste zu überraschen. Die Herzen des Saalpublikums flogen aber einem anderen zu: Hagen. Der vife Elfjährige kann 100 Songs von AC/DC an einem dreisekündigen Ausschnitt des Gitarrensolos erkennen. Gewonnen hatte der Rockfan schon, als er auf die Bühne marschierte und erklärte, die Wette sei kein Problem für ihn, «ist ja auch 'ne geile Atmosphäre hier». Die Lieder erkannte er natürlich sofort, um im Anschluss selbst noch beherzt zur Gitarre zu greifen. Wer würde da nicht schwach werden?

Übernimmt Hape Kerkeling?

Trotz zähflüssiger Show und langweiliger Gespräche – eines muss man Gottschalk zugute halten: Selbst in seiner drittletzten Sendung liess er keinen Abschiedsschmerz aufkommen. «Wehmut kommt in meiner Gefühlswelt nicht vor», sagte der Moderator am Freitag in Nürnberg. «Ich habe den Eindruck, dass es jetzt der richtige Moment ist, um Schluss zu machen.» Recht hat er. Und ob es ein Zufall ist, dass der als Nachfolger hoch gehandelte Hape Kerkeling in der nächsten Sendung am 5. November zu Gast ist, wird sich bald herausstellen. Bis Ende Jahr will man verkünden, wer «Wetten, dass..?» übernimmt.

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