Marat Safin: Das «Enfant terrible» des Tenniszirkus tritt ab
Aktualisiert

Marat SafinDas «Enfant terrible» des Tenniszirkus tritt ab

Mit dem Aus beim Masters-1000-Turnier in Paris tritt eine der schillerndsten Figuren von der Tennis-Bühne ab: Marat Safin hängt das Racket an den Nagel. Wir blicken auf seine bewegte Karriere zurück.

von
Monika Brand

Hübsche Frauen, zertrümmerte Rackets, angsteinflössendes Gebrüll und zwischenzeitlich geniales Tennis - all diese Facetten gehörten zur Karriere von «enfant terrible» Marat Safin. Der ehemalige Weltranglisten-Erste war den Groupies nie abgeneigt, woraus er jedoch keinen Hehl machte. Der Beau pflegte gar sein Playboy-Image wie kaum ein anderer - und interessanterweise nahm ihm dies niemand übel. Safin war ein Publikumsliebling, um ihn herum wurde es nie langweilig. Unzählbare Rackets hat der tempramentvolle Russe bei seinen emotionalen Ausbrüchen auf dem Court zertrümmert.

Keine Lust mehr auf Tennis

Der Argentinier Juan Martin Del Potro war es, der nun beim Masters-1000-Turnier in Paris einen Schlussstrich unter die Karriere des zweifachen Grand-Slam-Siegers gezogen hat. Ganz «safin-konform» erfolgte der Abschied nicht still und leise, sondern mit Pauken und Trompeten: Bereits vor dem Australian Open im Januar dieses Jahres hatte die Ex-Weltnummer 1 angekündigt, Ende Saison das Racket an den Nagel hängen zu wollen. Er habe schlicht und einfach keine Lust mehr auf Tennis, so der Bruder von Dinara Safina. «Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, ich will einfach raus aus dem Tenniszirkus.»

Und so tritt Safin im «zarten» Alter von 29 Jahren ab, eigenwillig wie immer. Auf insgesamt 15 Turniersiege kann er zurückblicken, zwei davon bei Grand-Slam-Turnieren. Praktisch aus dem Nichts heraus gewann der Russe im Jahr 2000 das US Open, führte wenig später gar die Weltrangliste an. Pete Sampras sagte dem damals erst 20-Jährigen eine grosse Karriere voraus. Safin würde das Herrentennis nun auf Jahre hinweg beherrschen. Ein Irrtum, wie man heute weiss.

Der junge Russe konnte mit dem Erfolg nicht umgehen, feierte lieber exzessiv mit Wodka und Frauen statt zu trainieren. «Es war zu früh für mich», sagt er heute rückblickend. Im Glauben, im Tennis schon alles erreicht zu haben, fiel Safin daraufhin in ein Loch. Dazu gesellten sich ständig wiederkehrende Verletzungen.

Wie auf einer Achterbahn

Was folgte, war ein stetes Auf und Ab: 2002 noch die Nummer drei der Welt, fiel Safin 2003 nach einer längeren Verletzungspause aus den Top 50, 2004 war er wieder Vierter, 2005 gewann er beim Australian Open seinen zweiten Grand-Slam-Titel, 2006 rutschte er dann wieder aus den Top 100 der Weltrangliste - und führte Russland Ende Jahr trotzdem zum Davis-Cup-Sieg.

Auf seiner «Abschiedstour» in dieser Saison gelang Safin kein weiterer Meilenstein. Selten kam er über die ersten zwei Runden eines Turniers hinaus, einzig in St. Petersburg vor zwei Wochen erreichte der Russe vor Heimpublikum noch einmal den Halbfinal eines ATP-Turniers. Und jetzt ist in Paris Schluss - stilgerecht bei dem Turnier, das er zwischen 2000 und 2004 dreimal gewann.

Marat Safin küsst die Netzrichterin$$VIDEO$$Beim Hopeman Cup 2009 küsste Marat Safin die Netzrichterin, nachdem er sie versehentlich mit einem Ball getroffen hatte (Video: YouTube).

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