Aktualisiert 23.10.2003 20:05

Zürich und Lausanne, 24.10 bzw. 13.11.

Das englische Dilemma

Britpop ist nicht tot – er klingt nur anders. Blur-Drummer Dave Rowntree über Veränderungen und die neue Platte «Think Tank».

Text -- Olivier Joliat

Dave, Blur ist nach dem Ausstieg von Gitarrist Graham Coxon erstmals als Trio unterwegs. Steht da eine neue Band

auf der Bühne?

Rowntree: Schon. Graham ist nicht zu ersetzen.

Heisst das, ihr lässt die alten Nummern mit seinen Riffs einfach weg?

Rowntree: Grahams Verlust änderte einiges – zum Guten wie zum Schlechten. Die neuen Songs passen eigentlich ganz gut zu den andern. Bloss sind gewisse Titel ohne Graham kaum spielbar. Dafür haben wir ein paar Songs wiederentdeckt, die wir zu dritt besser umschreiben konnten.

Das klingt, als ob du seinen Ausstieg noch nicht ganz verdaut hättest.

Rowntree: Ich vermisse Graham sehr. Er war schliesslich einer meiner ältesten Freunde. Gut, es ist lange her, dass er einfach nur so bei mir vorbeischaute. Diese Momente wurden durch das ständige Beisammensein bei Blur seltener. Vielleicht meldet er sich ja jetzt mal wieder als Freund.

Ihr habt ja auch einen Inspirations-Trip nach Marokko unternommen. Das erinnert an die Guru-Reisen der späten Beatles.

Rowntree: Nein, das kann man nicht vergleichen. Wir hatten ja bereits die Demo-Bänder von unserer London-Session eingespielt. Wir wollten einfach mal woanders aufnehmen.

Ist der Beatles-Vergleich nervig für britische Bands?

Rowntree: Na ja, das ist halt das englische Dilemma: Irgendwie will jede Band sein wie die Beatles – aber dann wiederum auf keinen Fall so klingen wie sie.

Zeitweise wollten ja alle Bands klingen wie Blur. Britpop war der Hype und euer Duell mit Oasis sorgte für Schlagzeilen. Nun klingt ihr doch ziemlich anders. Ist der Britpop gestorben?

Rowntree: (lacht) Was ist das schon? Das müsst ihr bestimmen. Schliesslich ist das eine Mode-Bezeichnung der Journalisten. Plötzlich hiess es: Blur sind Britpop – unsere Musik definierte den Stil. Von daher ist «Think Tank» sehr wohl Britpop.

Dann verpassen wir Blur doch den Titel Upperclass-Pop. Ich weiss nicht, ob die komplex durchproduzierten Titel von «Think Tank» beim «Song 2» oder «Parklife»-Publikum ankommen.

Rowntree: Vielleicht unterschätzt du unser Publikum.

Sorry, das kennst du bestimmt besser. Apropos: Wie ist denn das Schweizer Publikum?

Rowntree: Anfangs dachten wir immer: Die Schweizer sind sehr angenehm, bloss noch steifer und kühler als wir. Doch mittlerweile weiss ich: Ist die Höflichkeits-Barriere mal abgelegt, gehören die Schweizer zu den warmherzigsten und freundlichsten Leuten, die ich kenne.

Dates

Freitag, 24. Oktober, Volkshaus, Zürich (ausverkauft).

13. November Metropol, Lausanne.

Info

Album: «Think Tank» (EMI).

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