Aktualisiert 19.10.2004 15:48

Das Entwirren des Firmengeflechts geht weiter

Der Sachwalterbericht an die Versammlung der 68 Unifina-Gläubiger vom Freitag ermöglicht einen weiteren Blick auf die Undurchsichtigkeit und Verworrenheit der Erb-Gruppe.

«Schon bald stiess ich bei der Ermittlung der Aktiven auf erhebliche Schwierigkeiten», schreibt Unifina-Sachwalter Fritz Rothenbühler in seinem im Internet veröffentlichten Bericht von Mitte September. «Es zeigten sich verschiedene Widersprüche zwischen den Abschlüssen der Unifina und weiteren Dokumenten der Erb-Gruppe oder Dritter.»

Namentlich für Auslandsbeteiligungen und -investments hätten vertiefte Abklärungen vorgenommen werden müssen, welche zurzeit noch nicht abgeschlossen seien.

Preis für Volcafé markant tiefer als erwartet

Als gesichert gilt der Anteil von 66,6 Prozent an der Erb Finanz und Leasing AG sowie die 80-Prozent-Beteiligung an der Kaffeehändlerin Volcafé, welche die Haupt-Vermögenswerte der Unifina bildeten und inzwischen veräussert worden sind.

Bei Volcafé habe der Verkaufsgrundpreis von 85 Mio. Fr. wesentlich unter den ursprünglichen Erwartungen gelegen, schreibt Rothenbühler. In den Unifina-Nachlass gingen davon 50 Mio. Franken.

Unbestritten sind auch die 100-Prozent-Beteiligungen an der Erb Immobilien und Verwaltungs AG, der Erb Risk & Insurance Consultants und der Hugo Erb AG, welche alle in Konkurs sind. Weiter lagen 51 Prozent an der Erb Autokredit bei der Unifina.

Über weitere direkte oder indirekte Beteiligungen, wozu auch die deutsche Immobiliengesellschaft CBB Holding gehört, könnten noch keine näheren Angaben gemacht werden, heisst es im Bericht weiter. Der Einstieg bei der Kölner CBB im Jahr 1996 war von Erb-Sanierer Hans Ziegler als Beginn des Untergangs des Erb-Imperiums bezeichnet worden.

Sanierung der CBB noch offen

Noch Gegenstand von Abklärungen sei, ob die Unifina wirklich eine Beteiligung von 49 Prozent an CBB hatte, wie es in den Geschäftsbüchern der Gruppe und der CBB stand.

Weiter seien von der Unifina und anderen Erb-Gesellschaften in den letzten Jahren «namhafte» Darlehen an die CBB gegangen. Zudem wurden so genannte Patronatserklärungen zugunsten der CBB ausgesprochen.

Eine Sanierung der CBB war deshalb für die Unifina von grössten Interesse. Ein Sanierungskonzept sah einerseits einen Kapitalschnitt vor und anderseits in Verträgen einen gegenseitigen Verzicht auf Darlehensforderungen von 140 Mio. Euro und auf die Rechte aus den Patronatserklärungen.

Weil aber bis heute die beabsichtigte Kapitalerhöhung der CBB nicht durchgeführt werden konnte, seien auch die Verträge bisher unwirksam geblieben, schreibt Rothenbühler. Die Führung habe versucht, andere Sanierungsmassnahmen einzuleiten. Diese seien zurzeit noch im Gang.

(sda)

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