Lena Dunham: Das etwas andere Mädchen
Aktualisiert

Lena DunhamDas etwas andere Mädchen

Lena Dunham ist erst 28 Jahre alt und bereits Drehbuchautorin, Regisseurin, Produzentin und Schauspielerin. Obendrauf hat sie jetzt ihr erstes Buch veröffentlicht.

von
Julia Panknin

Ihr Gesicht kennt man vor allem aus der erfolgreichen US-Fernsehserie «Girls» – die ein bisschen an «Sex and the City» erinnert und doch ganz anders ist: ungeschminkt, ungestylt, unperfekt, unerotisch.

Lena Dunham spielt nicht nur die Hauptrolle Hannah Horvath – sie zieht auch hinter der Kamera die Fäden. Als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin. 2012 war sie deshalb für drei Emmys nominiert und räumte 2013 ausserdem den Golden Globe als beste Seriendarstellerin ab.

Sie ist vieles, aber langweilig ist sie nicht

Das «Time»-Magazin hat sie 2012 erst zur coolsten Person des Jahres, im Folgejahr dann zu einer der 100 erfolgreichsten Menschen der Welt gewählt. Dabei sieht die 28-Jährige aus wie das typische Mädel von nebenan: unscheinbar, ein bisschen pummelig und mit einem schüchternen Lächeln.

Dass sie aber alles andere als langweilig ist, beweist sie einmal mehr mit ihrem ersten Buch: «Not That Kind of Girl» – eine Mischung aus Ratgeber und Autobiografie. Wie auch in der Serie geht es in dem Buch vorwiegend um Sex. Allerdings beschreibt sie den Akt nie so, wie wir ihn vielleicht gerne sehen oder uns vorstellen wollen. In ihren Erzählungen ist er meist anstrengend, seltsam, zum Teil auch abstossend.

Das Leben der Lena Dunham ist roh und unperfekt

Gerade in ihrer Unverblümtheit und dem nüchternen Humor, mit dem sie das Leben wiedergibt, mag ihr Erfolg wurzeln. Sie zeigt die Realität, wie sie meint, dass sie eben ist: roh und unperfekt, einfach nicht so farbig wie mit Photoshop und Instagramfilter. Eher menschlich, mit Speckröllchen und peinlichen Alkohol-Exzessen. Viele können sich damit identifizieren.

Sie bezeichnet sich selbst als Feministin, legt ihn jedoch anders aus als viele andere. Denn sie konzentriert sich dabei vor allem auf sich selbst und ihr eigenes Schicksal – als sie elf Jahre alt war, wurde bei ihr eine Zwangsneurose diagnostiziert. Sie hatte mit Essstörungen zu kämpfen und wurde als Studentin Opfer einer Vergewaltigung. All das verarbeitet sie in der Öffentlichkeit mithilfe ihrer Serie und nun auch in ihrem Buch.

Wer viel vögelt, lernt fliegen

Gerade in ihrer Heimat wird sie dafür von vielen geliebt und als «Ikone des modernen Feminismus» gefeiert. Andernorts eckt sie jedoch an. So schreibt die FAZ zum Beispiel: «Ihr Feminismus ist narzisstisch angelegt» und «Manchmal lustig, aber auf die Dauer wahnsinnig nervig» und auch Die Zeit ist nicht begeistert: «Sehr salopp ausgedrückt, könnte man auf den Gedanken verfallen, hier glaubt eine junge Frau, wer viel vögelt, lernt fliegen. Das ist alles andere als emanzipiert und modern.»

Wir finden: Das pummelige Mädchen aus SoHo ist irgendwie erfrischend anders. Dementsprechend polarisiert sie natürlich. Letztendlich muss aber jeder selbst entscheiden, wie er sie und die öffentliche Zurschaustellung ihrer seelischen Abgründe findet.

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