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Waldbrände in Kanada«Das Feuer war eine Bestie»

Die kanadische Ölstadt Fort McMurray kann aufatmen. Die Feuerwehr konnte die Waldbrände eindämmen und zieht eine Zwischenbilanz.

von
woz

Die von einem riesigen Waldbrand bedrohte Ölstadt Fort McMurray scheint weniger zerstört als zunächst befürchtet. «Noch vor ein paar Tagen war diese Stadt noch von einem Ozean aus Feuer umgeben, aber jetzt sind Fort McMurray und die umliegenden Gemeinden sicher und werden wieder aufgebaut», sagte die Ministerpräsidentin der Provinz Alberta, Rachel Notley. Sie werde am Dienstag mit Energieunternehmen über die Schäden sprechen. Feuerwehrchef Darby Allen sagte, zwei Stadtviertel seien niedergebrannt, doch 85 Prozent der Stadt intakt geblieben.

Notley sagte, 88'000 Menschen seien evakuiert worden, etwa 2400 Häuser seien zerstört. Doch sei es gelungen, 25'000 Gebäude zu retten, darunter das Krankenhaus und sämtliche Schulen. «Ich war sehr getroffen von der Zerstörung», sagte sie, nachdem sie sich einen Überblick verschafft hatte. «An manchen Stellen war das wirklich ziemlich überwältigend.» Um so erleichterter sei sie für die Stadtviertel, denen nichts geschehen sei. Ausserhalb der Stadt wüteten die Flammen immer noch auf 2020 Quadratkilometern. Das entspricht beinahe der Fläche des Saarlandes.

«Es war ein Feuer, wie ich es noch nie erlebt habe»

Ein Wetterumschwung nährte die Hoffnung der Feuerwehr, das Schlimmste hinter sich gebracht zu haben. Nach einer ungewöhnlich warmen Woche fielen die Temperaturen am Montag auf sieben Grad und es begann zu regnen. Allen sagte, die Katastrophenschutzkräfte hätten alles gegeben, doch die Flammen hätten ständig neue Nahrung gefunden. An manchen Stellen habe das Feuer viereinhalb bis sechs Meter breite Strassen übersprungen. «Es war eine Bestie, es war ein Tier. Es war ein Feuer, wie ich es noch nie erlebt habe», sagte Allen.

Der Minister für Öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, sagte, die Behörden begännen damit, vom Retten zum Wiederaufbau überzugehen. In Fort McMurray versuchten mehr als 250 Mitarbeiter der Energierunternehmen, die Versorgung wieder herzustellen. Gasleitungen sind sicherheitshalber abgestellt worden. Stromkabel sind vielfach zerstört.

Keine Berichte über Tote

Berichte über Tote oder Verletzte gab es nicht, doch die Schäden haben Kanadas Ölindustrie getroffen. Fort McMurray ist das Zentrum der Ölsandförderung des Landes, die ohnehin mit niedrigen Preisen zu kämpfen hat. «Wir beginnen gerade erst, uns der wirtschaftlichen Auswirkungen bewusst zu werden», sagte Premierminister Justin Trudeau. (woz/sda)

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