F/A-18-Absturz: «Das Flugzeug explodierte am Felsen»
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F/A-18-Absturz«Das Flugzeug explodierte am Felsen»

Erste Bilder zeigen die Wrackteile des F/A-18-Kampfjets. Aviatikexperte Max Ungricht erklärt, was diese bedeuten.

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«Wir haben lange gehofft, dass der Pilot gerettet werden kann»: Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin äussert sich am 31. August zum Flugzeugabsturz im Sustengebiet.

«Wir haben lange gehofft, dass der Pilot gerettet werden kann»: Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin äussert sich am 31. August zum Flugzeugabsturz im Sustengebiet.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Am Fels zerschellt: Ein Helikopter der Rega sucht nach dem vermissten F/A-18 Piloten neben Wrackteilen der abgestürzten F/A-18 am Hinter Tierberg in Göschenen. (31. August 2016)

Am Fels zerschellt: Ein Helikopter der Rega sucht nach dem vermissten F/A-18 Piloten neben Wrackteilen der abgestürzten F/A-18 am Hinter Tierberg in Göschenen. (31. August 2016)

Keystone/Philipp Schmidli
Die Armee hat später den Tod des Piloten bestätigt: Rega-Helikopter im Einsatz bei der Absturzstelle. (31. August 2016)

Die Armee hat später den Tod des Piloten bestätigt: Rega-Helikopter im Einsatz bei der Absturzstelle. (31. August 2016)

Keystone/Philipp Schmidli

Erste Fotos zeigen Wrackteile der verunglückten Maschine vom Montag. Der F/A-18-Jet ist in kleinste Einzelteile zerlegt, die durch den Aufprall weit verstreut wurden. Doch was verraten diese?

«Die Bilder der Wrackteile zeigen, dass das Flugzeug mit sehr hoher Geschwindigkeit aufgeschlagen ist und offensichtlich beim Aufprall am Felsen explodierte», sagt Aviatikexperte Max Ungricht. «Ähnliche Bilder haben wir ja beim Unfall der Germanwings-Maschine von 2015 gesehen.» Dort hätten die Grösse und die Länge des Flugzeugs allerdings mehr Energie absorbiert, so dass vom hinteren Teil des Rumpfs grössere Teile erhalten blieben.

Liefert Blackbox Informationen?

Die Ursache des Absturzes ist noch unklar und wird untersucht. Laut Ungricht können Wrackteile grundsätzlich Informationen über die Unfallursache geben. Doch: «Bei so kleinen Restteilen wird die Rekonstruktion des Unfalls oder ein Hinweis auf eine fehlerhafte Technik sehr schwierig sein.» Ungricht vermutet auch, dass die Blackbox in diesem Fall kaum mehr Informationen liefern wird: «Bei diesem Zerstörungsgrad werden die Daten der Blackbox wohl nicht mehr auslesbar sein.»

Warum der Jet so tief und so nahe am Gebirge flog, kann er nicht sagen: «Dazu müsste ich den genauen Auftrag kennen», sagt er. Doch: «Normalerweise fliegen Piloten aus taktischen Gründen tief und in der Nähe von natürlichen Deckungsmöglichkeiten.» Ungricht vermutet, dass der Jet von hinten in den Bergkamm geflogen ist. Die Wrackteile seien durch den heftigen Aufprall auf die andere Seite des Berges an die Fundstelle katapultiert worden.

Bei Skyguide ist man schockiert

Bei der Flugsicherung Skyguide ist man wegen des Vorfalls schockiert. «Wir arbeiten seit 15 Jahren eng mit den Piloten der Luftwaffe zusammen, wenn wir sie lotsen», sagt Sprecher Roger Gaberell. «Da alles auf einer sehr persönlichen Basis stattfindet, macht der Vorfall uns alle betroffen.»

Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit am Montag zwischen dem Tower und dem Piloten abgelaufen ist, möchte Gaberell keine Stellung nehmen. «Der Fall ist jetzt beim Oberauditorat. Was wir aber sagen können, ist, dass der Flugverkehrsleiter und der Pilot in Kontakt standen.» Dies bestätigt auch Luftwaffenkommandant Aldo Schellenberg. Das Flugzeug war um 16.01 Uhr in Meiringen BE gestartet. Zunächst verlief der Funkverkehr laut Schellenberg normal, der Pilot meldete sich auf einen ersten Aufruf. Um 16.05 Uhr verlor die Flugsicherung dann den Kontakt zum Piloten, der sich auf den zweiten Aufruf nicht mehr meldete. Am Mittwochmorgen herrschte dann Gewissheit: Der Pilot ist tot.

Per Funk in Kontakt gewesen

Laut Gaberell läuft der Kontakt normalerweise so ab, dass die Piloten von Skyguide eine Starterlaubnis einholen. Danach führt die Flugsicherung die Piloten an ihr Ziel. «Das Ganze ist ein Zusammenspiel zwischen dem Flugverkehrsleiter und dem Piloten», so Gaberell. «Wir auf dem Boden haben Radarbilder und stehen mit dem Piloten per Funk in Kontakt. Der Pilot im Cockpit hat seine Wahrnehmung und Instrumente. So ergänzen sich die Bilder.»

Ungricht fügt hinzu: «Meistens ist es aber so, dass die Flugverkehrsleiter nur mit dem Leader in Kontakt stehen. Die anderen hören lediglich mit.» Ob das in diesem Fall auch so war, ist unklar. Bekannt ist aber, dass der Pilot der abgestürzten F/A-18-Maschine kein Leader, sondern die Nummer zwei zwar. Die betroffene Maschine war 15 Sekunden nach einer anderen gestartet. Geplant war ein Trainingsflug in der Patrouille: Die beiden F/A-18-Hornets sollten den Luftkampf gegen einen F-5-Tiger trainieren.

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