Fram-King Fulda S7 - Ein kippsicheres Dreirad mit Polyester-Karosserie
Das Fuldamobil ist ein «kippsicheres Dreirad mit vollem Wetterschutz».

Das Fuldamobil ist ein «kippsicheres Dreirad mit vollem Wetterschutz».

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

Fram-King Fulda S7 Das Fuldamobil ist ein kippsicheres Dreirad aus Polyester

In Schweden Mitte der 50er-Jahre gabs ein hohes Interesse an kleinen Kabinenrollern mit Motorrad-Triebwerken. Und das, obwohl das Land und die Autofabriken während des Krieges kaum zerstört wurden. Veloproduzent Fram-King baute deshalb ab 1957 das Fuldamobil.

von
Paul Krüger

Vollwertige Automobile waren in den ersten Jahren nach dem Krieg nur für wenige Deutsche erschwinglich – geschweige denn verfügbar. Die meisten Werke lagen in Trümmern. Die Fertigungsanlagen, die überlebt hatten, gingen (bis auf eine heute berühmte Ausnahme aus Wolfsburg) als Reparationszahlungen an die Siegermächte. So wuchs schnell der Bedarf an preis- und betriebsgünstigen Alternativen zum PKW für all jene, die vom Motorrad auf ein mehrspuriges Fahrzeug aufsteigen wollten.

Im März 1950 präsentierten Elektro-Grosshändler Karl Schmidt und Maschinenbau-Student Norbert Stevenson daher auf dem Fuldaer Faschingsumzug ein «kippsicheres Dreirad mit vollem Wetterschutz», das nur wenig später als Fuldamobil in Serie gehen sollte.

Die Schweden übernehmen

Obwohl während des Krieges offiziell neutral und damit kaum zerstört, bestand auch in Schweden Mitte der 50er-Jahre ein Interesse an den kleinen Kabinenrollern mit Motorrad-Triebwerken. Daher erwarb die King-Fahrradfabrik aus Helsingborg 1957 die Lizenz, das neue Fuldamobil S-7 mit Polyester-Karosserie in Schweden zu fertigen. Die Rohkarosserien entstanden auf der rund 20 Kilometer südlich von Helsingborg gelegenen Insel Van und wurden dann zur Endmontage aufs Festland gebracht. Die Fahrgestelle des stets dreirädrigen Lizenzbaus wurden im knapp 600 Kilometer entfernten Uppsala nördlich von Stockholm, beim 1955 von King übernommenen Konkurrenten Fram, gefertigt. Der luftgekühlte 191-Kubik-Sachsmotor mit 10 PS bei 5250 Umdrehungen entsprach dem deutschen Original

Mit 1,45 Metern ist der Fram-King Fulda überraschend breit.

Mit 1,45 Metern ist der Fram-King Fulda überraschend breit.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Den Fram-King gab es nur als Dreirad, das Fuldamobil auch mit vier Rädern.

Den Fram-King gab es nur als Dreirad, das Fuldamobil auch mit vier Rädern.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Der schwedische Lizenzbau ist kaum vom deutschen Original zu unterscheiden.

Der schwedische Lizenzbau ist kaum vom deutschen Original zu unterscheiden.

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Anfangs wurde das schwedische Fuldamobil unter dem Namen Fram-King Fulda S7 verkauft, wobei der vollständige Name nur auf dem damals in Schweden obligatorischen Schmutzfänger hinter dem Hinterrad zu finden war. An der Fahrzeugfront fand sich lediglich ein Emblem mit der Abkürzung FKF. Die schwedische Kugellager-Fabrik (Svenska Kullagerfabriken, SKF) sah hierin eine zu starke Ähnlichkeit zu ihrem eigenen Kurz-Namen und klagte gegen den kleinen Rollermobil-Fabrikanten. Der hatte weder Lust noch Geld, um sich auf einen langen Rechtsstreit einzulassen, und änderte den Namen 1959 schlicht in «King». Kurz darauf musste die Karosserie-Fertigung ins dänische Roskilde verlegt werden, nachdem die Fabrik auf Val durch einen Brand zerstört worden war.

Vier Rückwärtsgänge

Fahrerisch unterscheidet sich der Fram-King Fulda nicht vom deutschen Fuldamobil S-7. Der Einzylinder-Zweitakter schubst den 310 Kilo leichten Zweisitzer kraft seiner 15 Newtonmeter in gut einer Minute auf maximal 80 km/h – bei Bedarf und ausreichend Mut sogar rückwärts. Denn das unsynchronisierte Vierganggetriebe hat keinen Rückwärtsgang – sondern vier. Um mit dem FKF S7 zurückzusetzen, muss die Drehrichtung des Motors geändert werden.

Den Wechsel zum Heinkel-Viertakter im Oktober 1965 erlebte der Fram-King Fulda nicht mehr. Die Lizenzfertigung in Helsingborg endete 1962 nach 411 Exemplaren. Damit war der Schwede rein rechnerisch sogar erfolgreicher als sein deutscher Bruder, der in seiner Heimat 3100 Mark kostete. Der brauchte noch drei Jahre länger, um auf eine Stückzahl von rund 440 zu kommen. Von der letzten Fuldamobil-Evolutionsstufe mit Panorama-Heckscheibe entstanden bis 1969 nur noch 260 Stück. Dann war endgültig Schluss.

Weitere Informationen, viele Bilder und einen Vergleich mit dem Mazda R360 gibt es online auf www.zwischengas.com.

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