Aktualisiert 30.11.2011 13:43

Physik

Das Geheimnis des Weinschwenkens

Jeder Weinkenner weiss: Erst wenn das Glas langsam geschwenkt wird, kommt das Aroma eines edlen Tropfens richtig zur Geltung. Forscher der ETH Lausanne haben das Phänomen im Detail untersucht - und nutzen es für ihre Zwecke.

Dieser Wein ist gut geschwenkt. Colourbox.com

Dieser Wein ist gut geschwenkt. Colourbox.com

Die Forscher der ETH Lausanne, EPFL, um Mohamed Farhat, Florian Wurm und Martino Reclari untersuchten die physikalischen Vorgänge, die beim Schwenken des Weines ablaufen, mit einer Hightech-Kamera. Sie massen damit, wie sich die Flüssigkeitswellen bewegen und berechneten, wie der Wein mit frischer Luft versorgt wird.

«Die Form der freien Oberfläche, die mit der Luft in Kontakt kommt, ist viel komplexer, als wir erwartet hatten», sagte Martino Reclari, der die Studie auf einem Physikerkongress in Baltimore (USA) präsentiert hat, laut einem Bericht auf der Webseite der EPFL. Es gebe eine «unendliche Anzahl» verschiedener Wellenformen.

Wichtige Parameter

Den Wissenschaftlern gelang es trotzdem, die entstehende Wellenform in Abhängigkeit von Variablen zu beschreiben. Wichtig für die Berechnung sind demnach die Geschwindigkeit der Rotationsbewegung, die Amplitude der Bewegung, also die vertikale Auslenkung, sowie die Grösse des Glases und die Einfüllhöhe der Flüssigkeit.

Reclari habe zudem bereits Modelle entwickelt, die zeigten, welche Schwingungsbewegungen die geeignetsten seien für einen bestimmten Glastyp und einen bestimmten Wein, schreibt die EPFL. Es bestünden bereits Kontakte zu Önologen von der Hochschule für Technik in Changins VD.

Die EPFL-Forscher verfolgen mit ihrer Studie aber noch ein anderes Ziel: Die sanften Schwingbewegungen lassen sich nämlich auch im Forschungslabor gewinnbringend nutzen. Bereits vor zehn Jahren hat Florian Wurm vom Labor für zelluläre Biotechnologie einen Spinoff gegründet, der mit dieser Technik bewegte Bioreaktoren herstellt.

Sanfte Kultivierung

Bioreaktoren sind Behälter, in denen Wissenschaftler zum Beispiel Mikroorganismen oder Zellen kultivieren. Traditionelle Reaktoren stehen auf einer rotierenden Oberfläche. Wurm stellte aber fest, dass sich die Kulturen besser entwickeln, wenn das ganze Gefäss selber geschwenkt wird wie ein Weinglas.

Die kultivierten Zellen erlitten weniger Erschütterungen, die Mixtur bleibe homogener und sie könne mit normaler Luft statt mit reinem Sauerstoff versorgt werden, sagte Wurm. Die Technik erlaube es, breitere und weniger hohe Reaktoren herzustellen als bisher; diese könnten einfacher in Laborräume mit Standardgrösse installiert werden. (sda)

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