Aktualisiert 11.08.2009 12:28

Souveräner LeaderDas Geheimnis des YB-Erfolgs: Es gibt keines

Nach fünf Spieltagen liegen die Berner Young Boys bereits sechs Punkte vor den Top-Meisterschaftskandidaten aus Zürich und Basel. Viele Fans stellen sich die Frage nach dem Geheimnis des Erfolges der Petkovic-Truppe, doch die Antwort ist denkbar einfach.

von
Lars Gansäuer

Aus Sicht der YB-Fans lautet die magische Zahlenreihe nach dem fünften Spieltag: 13, 10, 8. Die Berner haben 13 Punkte auf dem Konto, die nächsten Verfolger FC Luzern und FC St. Gallen folgen mit 10 bzw. 8 Punkten. Wohlgemerkt: Die Teams aus der Ost- und Innerschweiz wurden als Abstiegskandidaten gehandelt. Von den Favoriten aus Zürich und Basel spricht man beinahe nur, wenn es um das verfrühte Aus in der Champions League-Qualifikation, teaminterne Handgreiflichkeiten, fragwürdige Leistungen einzelner Teamstützen oder um rote Karten wegen dummen Unsportlichkeiten geht. Und damit wären wir indirekt auch schon bei YB – und bei den Geheimnissen des Erfolgs.

Problemdiskussionen intern gehalten

Bei den Young Boys hätte es auch Diskussionsthemen gegeben, doch diese hat die Vereinsführung und vor allem der Trainer im Keim erstickt: Probleme mit einer vorzeitigen Transferbekanntgabe, das zu frühe Ausscheiden aus dem internationalen Wettbewerb und die vielen Gegentore wurden nicht öffentlich diskutiert. Spiegelbildlich waren die Spiele gegen Bellinzona und Bilbao: YB war meist grausam überlegen, aber nicht immer resultierte ein Happy End. Doch die Diskussionen über die ärgerlichen Gegentore hatten nur wenige Zeugen.

Petkovic geht gnadenlos geradeaus

YB-Trainer Vladimir Petkovic ist ein sanfter Diktator. Die Spieler jedenfalls führt er an einer engen Leine. In diesem Punkt ist Petkovic knallhart: «Wer nicht funktioniert, marschiert», scheint hier das Motto zu sein. Über seinen Führungsstil sagt Petkovic selbst: «Ich rede nicht mit den Spielern, um ihnen zu erklären, warum sie nicht spielen. Ich entscheide.»

Für die Spieler ist das nicht immer angenehm, doch der Erfolg heiligt die Mittel. Und bislang war der Erfolg dort, wo Petkovic arbeitete. Nur durch seine Gradlinigkeit ist es überhaupt möglich, die Spannung im Kader hoch zu halten. Auch die Ersatzspieler haben sich an diese Regeln zu halten. Regeln, die selbstverständlich scheinen. Es offenbar aber nicht überall sind. Deshalb gibt es eigentlich auch kein Geheimnis des Erfolgs.

Die Euphorie verleiht Flügel

Die YB-Verfolger und -Neider haben eine Gemeinsamkeit: Nur allzu gerne würde man wissen, wann die Erfolgsserie endet. Eine Frage, die man sich in Bern jedoch nicht stellt. Rund um den Bärengraben hat sich die Perspektive durch den Erfolg verändert. Spieler und Fans nahmen in den letzten Wochen immer wieder den Spielplan in die Hand und schauen voraus: «Der nächste Gegner, klar, den packen wir. Übernächster Gegner, naja, wir haben ein Heimspiel. Das gewinnen wir sowieso. Egal, wer da kommt.» Diese Kalkulationen entstehen dabei aus voller Überzeugung.

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