Libyens Propaganda: Das Geheimnis um Gaddafis Tochter Hana
Aktualisiert

Libyens PropagandaDas Geheimnis um Gaddafis Tochter Hana

Die ganze Welt hielt sie für tot – doch im Gaddafi-Palast ist ein Zimmer entdeckt worden, in dem die Tochter von Muammar gelebt haben soll. Ihre Todesmeldung 1986 war wohl eine weitere Lüge des Clans.

von
kub

1986 wurden bei einem von Libyern ausgeführten Bombenattentat in Berlin zwei US-Soldaten getötet. Unter dem Befehl des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan griffen darauf US-Bomber die libysche Hauptstadt Tripolis an. Teile des Gaddafi-Palastes wurden damals zerstört. Gaddafi hat seither behauptet, dass seine Adoptivtochter Hana bei dem Angriff umgekommen sei (siehe Video unten). Hana wurde zur Märtyrerin. Sie war damals sechs Monate alt. Doch wie es scheint, hat Gaddafi gelogen. Vermutlich, um so die Libyer gegen den Westen und vor allem gegen die USA aufzuwiegeln.

Als vergangene Woche Rebellen die Gaddafi-Residenz in Bab al-Asisia durchwühlten (20 Minuten Online berichtete), stiess eine irische Reporterin auch auf ein Zimmer in westlichem Dekor, das angeblich Hana gehörte. Auf den Büchergestellen stapelten sich Medizinbücher. Ein Dokument der Medizinischen Fakultät der Universität Tripolis wurde gefunden, unterzeichnet mit Hana Mohammed Gaddafi. Daneben lagen DVDs der US-Serie «Sex and the City» und CDs von den Backstreet Boys. Zudem entdeckte die Journalistin eine Anti-Cellulite-Crème und Plüschtiere. Die Fotos an den Wänden sollen laut The Telegraph eindeutig die heutige Hana zeigen: Eine Frau Mitte 20 mit langen, braunen Haaren, in Spitalkleidern, mal mit Kopftuch, mal ohne. Ein weiteres Dokument, auf das die Reporterin der «Irish Times» stiess, beweist, dass Hana im Juli 2007 einen Englischkurs in London absolvierte.

Eigenartiger Arztbesuch

Schon vor Jahren gab es Anzeichen, dass Hana am Leben sein könnte: Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete 1999 über einen Staatsbesuch Gaddafis in Südafrika. Südafrikas damaliger Präsident Nelson Mandela sagte, Oberst Gaddafi werde in den kommenden Tagen erwartet. Ein Teil der Familie sei aber bereits eingetroffen. Mandela verkündete dies in Kapstadt nach dem Mittagessen mit Gaddafis Ehefrau, Safia Farkasch al-Barassi, und ihren Töchtern Aischa und Hana, heisst es in der Agenturmeldung.

Hinweise, dass Hana noch lebt, existierten bereits Anfang Jahres, als die deutsche Zeitung «Welt am Sonntag» schrieb, dass Hana eine einflussreiche Ärztin in Libyen sei. Als die Schweizer Regierung Konten von Gaddafi-Familienmitgliedern einfrieren liess, war darunter auch das Vermögen einer Hana Gaddafi. Und 2008 soll ein britischer Zahnarzt nach Tripolis gereist sein, um eine Hana Gaddafi zu behandeln.

Das Zimmer im Palast ist verlassen. Wo Hana steckt, bleibt ein Rätsel - vorläufig. Vielleicht ist sie mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und den zwei Brüdern nach Algerien geflüchtet. Vielleicht ist sie auch tot - diesmal wirklich.

Video: Interview mit Muammar Gaddafi nach dem Bombenattentat in Tripolis 1986. In einer kurzen Sequenz, bei 2:56, ist das getötete Baby Hana zu sehen (YouTube).

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