Der Wunderschuh: Das Geheimnis von Jacobsens Höhenflug

Aktualisiert

Der WunderschuhDas Geheimnis von Jacobsens Höhenflug

Anders Jacobsen fliegt an der Vierschanzentournee der Konkurrenz davon. Mit ein Grund dafür ist eine «Verlängerung der vorderen Zunge» des Schuhs. Das ärgert einmal mehr vor allem die Österreicher.

von
fox

Das Tüfteln am Material gehört ebenso zum Alltag der Skispringer wie das Feilen an der Sprungtechnik oder der physischen Verfassung. Der Tourneeleader Andres Jacobsen scheint mit seinem Schuhwerk der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

Der Norweger springt bei der Tournee in Topform, profitierte bei seinen Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen aber auch von verbesserten Schuhen. Norwegens Cheftrainer, der Österreicher Alexander Stöckl, hat von seinem Vater den Prototyp einer Versteifung an der Zunge entwickeln lassen, Jacobsen und Tom Hilde wenden die Neuerung mit Erfolg an. «Alles ist im Rahmen des Reglements», betonte Stöckl am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen gegenüber Österreichs Nachrichtenagentur APA.

Keine ähnliche Revolution wie Ammanns gekrümmter Bindungsstab

Die Schuhe sind wie alle anderen Ausrüstungsgegenstände der Skispringer reglementiert, alle Teams arbeiten aber an der Verbesserung der Stiefel, um eine bessere Stabilität in der Luft zu erreichen. So werden Karbonteile aussen angeschraubt oder im Innenleben verankert. Stöckl ersuchte im Sommer seinen Vater («Er ist Ingenieur, technisch versiert und ein Tüftler»), sich in dieser Richtung etwas zu überlegen.

«Nach einem Monat ist er mit einem Prototyp aufgetaucht», verriet der Tiroler. «Es ist im Prinzip eine Verlängerung der vorderen Zunge.» Eine ähnliche Revolution wie der gekrümmte Bindungsstab, der Simon Ammann in Vancouver zu seinen Olympiasiegen drei und vier trug, sei dies aber nicht, meinte Stöckl. «Das wäre übertrieben, aber es ist ein Hilfsmittel. Es läuft kontrollierter ab in der Luft.» Allerdings komme nicht jeder Springer damit zurecht.

Bei der Materialkontrolle durch die FIS war die erstmals in Engelberg eingesetzte Neuerung aufgefallen. Beanstandungen gab es auch bei der Tournee keine.

Österreicher wieder die Verlierer

Kopfzerbrechen bereitet der neue Schuh vor allem den sonst so überragenden Österreichern. Sie müssen nach Vancouver 2010 mit Simon Ammanns Bindungsstab ein Déjà-vu erleben. Den Wunderschuh beschreibt im «Kurier» ÖSV-Coach Pointer als «irgendso eine Art Schienbeinschoner». Er habe nur davon gehört, wisse aber nicht, wie der funktioniere.

(fox/si)

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