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Andere StrukturenDas Gehirn von pädophilen Tätern sieht anders aus

Nicht jeder Pädophile begeht einen Übergriff. Doch die, die es tun, weisen laut deutschen Forschern charakteristische Veränderungen im Gehirn auf.

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Pädophile Männer, die zum Täter werden, haben laut einer Studie aus Deutschland charakteristische neurobiologische Veränderungen im Gehirn.

Pädophile Männer, die zum Täter werden, haben laut einer Studie aus Deutschland charakteristische neurobiologische Veränderungen im Gehirn.

Keystone/AP/Luis Berg
Die Erkenntnis bestätigt laut den Forschern die These, dass eine pädophile Neigung nicht gleichzusetzen ist mit sexuellem Kindesmissbrauch.

Die Erkenntnis bestätigt laut den Forschern die These, dass eine pädophile Neigung nicht gleichzusetzen ist mit sexuellem Kindesmissbrauch.

Keystone/AP/Fabrice Coffrini

Männer mit pädophilen Neigungen müssen nicht zwingend zu Tätern werden. Doch jene pädophilen Männer, die effektiv Übergriffe begehen, haben offenbar charakteristische neurobiologische Veränderungen im Gehirn.

Darauf deuten erste Ergebnisse einer dreijährigen Studie hin, die Vertreter des bundesweiten Forschungsverbundes NeMUP am Donnerstag in Berlin vorstellten. Untersucht wurden dazu insgesamt mehr als 240 Männer mit und ohne pädophile Neigungen. In beiden Gruppen waren auch Männer, die sich an Kindern vergriffen hatten.

Besonderheiten erkennbar

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Henrik Walter, Direktor des Forschungsbereiches «Mind and Brain» an der Berliner Charité, erklärte, dass für den Zusammenhang von Pädophilie und Täterschaft offenbar das Volumen des sogenannten Mandelkerns eine Rolle spielt. Der Mandelkern (Amygdala) ist für die Steuerung von Emotionen wichtig, speziell von Angst und Aggressionen.

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Auch andere Hirnregionen zeigen demnach Volumenunterschiede, allerdings nicht so deutlich. «Damit scheinen objektivierbare Befunde bei Männern mit sexuellen Präferenzbesonderheiten in greifbare Nähe zu rücken», sagte Walter.

Neigung ist nicht Missbrauch

Grundsätzlich lassen sich der Studie zufolge pädophile Männer von nicht-pädophilen anhand von Hirnaktivierungen durch unterschiedliches Stimulusmaterial unterscheiden, stellten die Forscher fest. Dieser Befund alleine lasse aber nicht automatisch auf eine verminderte Verhaltenskontrolle schliessen.

«Die Erkenntnise bestätigen unsere These, dass eine pädophile Neigung nicht gleichzusetzen ist mit sexuellem Kindesmissbrauch. Es gibt im Gehirn eigene Regionen, die für die Verhaltenskontrolle zuständig sind», ergänzte der Berliner Sexualmediziner Klaus Beier von der Charité, der auch das Präventionsprojekt «Kein Täter werden» initiiert hat.

In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten NeMUP-Verbund (Neural Mechanisms Underlying Pedophilia) arbeiten Forscher der Hochschulen in Hannover, Berlin, Duisburg/Essen, Kiel und Magdeburg zusammen.

(fee/sda)

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