Armstrong-Beichte: «Das Geld kann er wohl gut gebrauchen»
Aktualisiert

Armstrong-Beichte«Das Geld kann er wohl gut gebrauchen»

Bissige Titel sind nach Lance Armstrongs Doping-Geständnis in den Medien Mangelware - ganz im Gegensatz zu den Reaktionen der Leser von 20 Minuten Online.

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als/mon

Der ehemalige US-Radprofi Lance Armstrong hat in einem zweieinhalbstündigen Gespräch mit Star-Moderatorin Oprah Winfrey - angeblich - ein Doping-Geständnis abgelegt. Eine offizielle Bestätigung dafür fehlt jedoch – das 90-minütige Interview wird erst am Donnerstag im TV zu sehen sein.

Entsprechend zurückhaltend reagieren die Online-Medien rund um den Globus. Die «New York Times» titelt einige Stunden nach dem angeblichen Geständnis des gefallenen Radstars: «Armstrong gibt Doping zu und sagt, er werde Aussagen machen.» Insider-Informationen zufolge will der 41-Jährige gegen Personen, die über seinen Doping-Missbrauch im Bilde waren, aussagen. Ansonsten halten sich die US-Zeitungen zurück.

Wenig Aufruhr in Europa

In Grossbritannien scheinen die Medien noch im Tiefschlaf zu sein. BBC ist am Morgen danach noch nicht auf dem neusten Stand. Die News lauten: «Armstrong entschuldigt sich bei den Livestrong-Mitarbeitern.» Vor der Aufzeichnung des Interviews hatte Armstrong einen verräterischen Zwischenstopp bei der von ihm gegründeten Krebsstiftung eingelegt und sich bei den rund 100 Mitarbeitern entschuldigt.

Keinen grossen Wirbel veranstalten die deutschen Online-Medien. Spiegel Online titelt ganz nüchtern «Armstrong gesteht Doping». Und bei der Süddeutschen Zeitung muss man wenige Stunden nach der Bekanntgabe von Armstrongs Geständnis bereits ganz weit nach unten scrollen, damit man die Meldung überhaupt findet.

20-Minuten-Online-Leser zeigen sich bissig

Die Leser von 20 Minuten Online haben wenig Mitleid für Armstrong übrig. Auch das Geständnis an sich stösst vielerorts sauer auf. «Was soll das? Warum gibt man Betrügern noch eine Chance, sich öffentlich zu äussern? Er hat systematisch betrogen und es über Jahre abgestritten. Und jetzt will er sich «bekehren» oder was? Lächerlich!», schreibt beispielsweise User Roli.

Und User Martin M. fügt an: «Nun hat Armstrong wohl auch noch die letzte Chance genutzt, aus seiner Situation möglichst viel Kapital zu schlagen.» Ähnlich sieht das User PASK3. Er fragt: «Wie viel wurde ihm wohl vom Sender bezahlt, damit er bei denen gesteht? Naja, bei all dem Geld, das von ihm zurück gefordert wird, kann er es wohl gut gebrauchen…»

User Michael S. fragt sich, ob denn nun auch die letzten Armstrong-Verfechter geläutert sind. «Was sagen jetzt diejenigen, die bei den letzten Berichten an seine Unschuld geglaubt haben? Es gibt einfach keine Top-Radfahrer, die nichts reingepfiffen haben.» Er selber komme aus dem Kraftsport, so der Leser weiter, da habe man sich von solchen Fantasien längst befreit. «Trotz allem halte ich Armstrong für den besten Fahrer, nur wegen ihm hab ich überhaupt Radrennen geschaut.»

«War ja schon zu seiner Aktivzeit klar»

User Redback ist mit dem Doping von Armstrong nicht einverstanden, aber auch nicht mit dem Vorgehen der Dopingfahnder: «Das der gedopt sein muss, war ja schon zu seiner Aktivzeit klar. Nur konnte es niemand beweisen. Dass man jetzt nach x Jahren darauf zurückkommt, finde ich nicht gut. Entweder man entdeckt den Doper beim Rennen oder sonst hat er einfach Glück gehabt. Es ist nicht o.k., was er gemacht hat. Aber dass man ihn so viele Jahre später für alles büssen lässt, ist auch nicht o.k. Gleich danach oder nie.»

Zu guter Letzt gibt es unter unseren Lesern noch die Fraktion der Verfechter der «Ohne-Doping-geht-es-nicht»-Theorie. «Lance Armstrong war der Beste der Gedopten», schreibt Hugo S. Die aberkannten Siege habe er aber nicht nur dank Doping einfahren können. Gnadenloses hartes Training sei der Grundstein gewesen.

«Gelogen hat der ganze Radsport (Järmann, Ulrich, Contador, Valverde, Richard, Zülle). Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Nun muss einer für alle den Kopf hinhalten», so der Leser weiter. Ihn interessiere es nur, wie das ganze System aufgebaut war und wer die Hintermänner gewesen sind – und immer noch sind. «Es muss ja da um hunderte Millionen gegangen sein.» Und User Denker wirft ein: «Radsport bleibt Radsport - oder glaubt wirklich noch jemand, dass die heutigen Fahrer besser sind?»

Radprofis schweigen - ausser Cancellara

Nach dem angeblichen Doping-Geständnis von Lance Armstrong bei Oprah Winfrey hüllen sich die anderen Radprofis in Schweigen - zumindest auf Twitter. Der einzige, der die Angelegenheit bis Dienstagmittag kommentierte, war der Schweizer Fabian Cancellara. Allerdings aus einer etwas anderen Sichtweise. «Ich will nicht wissen, wie viel Geld die geheime Quelle von den Medien erhalten hat, damit sie Informationen aus der Vorab-Aufzeichnung preisgibt», so der Berner.

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