Kriegsangst – «Das gesamte Denken kreist um Krieg und Gefahr»

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Kriegsangst «Das gesamte Denken kreist um Krieg und Gefahr»

Die Flut von Kriegsbildern aus der Ukraine setzen bei vielen Menschen zahllose Ängste frei. Beratungsstellen wie Die Dargebotene Hand registrieren deutlich mehr Anrufe von Hilfesuchenden, die vor Angst nicht mehr schlafen können. 

von
Gabriela Graber
Christiane Binder
Deborah Gonzalez
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In den vom Krieg gezeichneten Gebieten der Ukraine flüchteten die Bewohnerinnen und Bewohner auf Fusswegen.

In den vom Krieg gezeichneten Gebieten der Ukraine flüchteten die Bewohnerinnen und Bewohner auf Fusswegen.

Reuters
Der beispiellose Einmarsch von Kreml-Chef Wladimir Putin droht auf andere Staaten überzuschwappen.

Der beispiellose Einmarsch von Kreml-Chef Wladimir Putin droht auf andere Staaten überzuschwappen.

AFP
Das Swiss Institute for Global Affairs (SIGA) befürchtet, dass autoritäre Staaten durch den Krieg in der Ukraine gestärkt hervorgehen könnten.

Das Swiss Institute for Global Affairs (SIGA) befürchtet, dass autoritäre Staaten durch den Krieg in der Ukraine gestärkt hervorgehen könnten.

AFP

Darum gehts:

Beim Sorgentelefon Die Dargebotene Hand Winterthur, Schaffhausen und Frauenfeld gehen derzeit «auffällig» viele Anrufe ein, in denen Menschen über ihre «Betroffenheit, Sorge und Hilflosigkeit» gegenüber dem Krieg in der Ukraine reden möchten, sagt Marianne Aebli, Co-Geschäftsleiterin der Regionalstelle.

Menschen unterschiedlichsten Alters äusserten «Sorgen, dass der Krieg wie ein Flächenbrand auch Konsequenzen für die Schweiz haben könnte». Auch die Befürchtung, es drohe ein Super-GAU in einem AKW, respektive es würden Atomwaffen eingesetzt, sei häufig. Erschwerend komme hinzu, dass die Pandemie an den Menschen gezehrt habe: «Nun lassen die Kräfte nach», so Aebli. «Während der Pandemie haben wir die Abendschichten auf unserer Regionalstelle verdoppelt. Das hilft, auch in dieser Krise genug Zeit für Gespräche zu haben.»

Kriegsängste könnten schon vorhandene Ängste verstärken und dazu führen, dass Menschen von Sorgen überflutet würden, erklärt Aebli. «Das gesamte Denken kreist dann um Krieg und Gefahr wie in einer Endlosschleife, die vor allem in der Nacht drängend wird und die Menschen nicht mehr schlafen lässt.» Der gefühlte Kontrollverlust über das eigene Leben könne auch zu Panikattacken führen.

Es sei wichtig, die Sorgen der Menschen nicht abzutun und ihnen das Gefühl zu geben, sie ernst zu nehmen und zu ermutigen. «Durch ein Gespräch kann Zuversicht vermittelt werden und die Anrufenden spüren, dass es möglich ist, in sich selbst die Kraft zu finden, um mit dieser schwierigen Situation umzugehen.»

Aebli betont, dass man der Kriegsangst nicht hilflos ausgeliefert ist. Um der Spirale der ängstlichen Gedanken entgegenzutreten, helfe es, etwas für sich selbst zu tun: «Die Natur bewusst wahrnehmen, sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen, bewusst geniessen, was einem das Leben immer noch Gutes zu bieten hat.»

«Bei manchen triggert der Krieg wahnhafte Störungen»

Dir gehts nicht gut und du möchtest mit jemandem reden? 

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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