Aktualisiert 03.05.2013 15:33

Tödliches SpielzeugDas Geschäft mit der Kinderwaffe «Grille» boomt

Ein Fünfjähriger erschiesst seine kleine Schwester – mit der eigenen Waffe. Der Fall macht auf ein bizarres Geschäftsfeld in den USA aufmerksam: Den Handel mit Waffen für Kinder.

von
Jacqueline Büchi

Im US-Bundesstaat Kentucky hat ein 5-Jähriger seine Schwester erschossen. Das Unglück geschah am Dienstag, als die Mutter der Kinder auf der Veranda war. Der Junge hat die geladene Waffe aus einer Ecke geholt und seine zweieinhalbjährige Schwester mit einem einzigen Schuss getötet.

Gemäss einem lokalen Newsportal hat der 5-Jährige den tödlichen Schuss aus seinem «eigenen Gewehr» abgegeben. Das Kind hat die Waffe demnach letztes Jahr als Geschenk erhalten. Es soll sich um ein Gewehr der Kollektion «My First Rifle» des Herstellers Keystone Arms handeln – einer Linie speziell für Kinder.

«Qualitätswaffen für Amerikas Jugend»

Ein Blick auf die Webseite des Herstellers zeigt: Das Geschäft mit den «Kinderwaffen» vom Typ «Cricket» – zu deutsch «Grille» - floriert. Im Angebot sind Gewehre verschiedener Kaliber in den unterschiedlichsten Farben, von blau-rot-weiss gemustert bis knallig pink.

Beworben wird die Kollektion auf der Homepage mit dem Slogan «Qualitätswaffen für Amerikas Jugend» und einer lustigen Comic-Grille, die selbst ein Gewehr in den Händen hält. Im Hintergrund des Werbebanners ist ein Kind zu sehen, das bei Sonnenuntergang mit einem Gewehr in die Ferne zielt. Für die nötige Portion Patriotismus sorgt zudem eine Amerikaflagge und das Versprechen: «Made in the USA».

Säugling mit Gewehr unter dem Arm

Die Werbung verfehlt ihre Wirkung offenbar nicht. Das Unternehmen stellt nach eigenen Angaben jährlich 60'000 Waffen her. Die «Kundschaft» wird denn auch gleich in einer Bildergalerie verewigt. Im «Kids Corner» sind bis auf die Zähne bewaffnete Kleinkinder zu sehen: Buben, die mit ihren Flinten imaginäre Ziele anvisieren und Mädchen, die stolz mit ihren rosaroten Gewehren posieren. Selbst ein Säugling, im Tarnanzug und mit passendem Mützchen, ein Gewehr mit Zielfernrohr unter den Arm geklemmt, ist abgebildet.

Auch Kundenbriefe zeugen von der Beliebtheit der Kinderwaffen. «Meine viereinhalbjährige Tochter liebt die Pinkfarbene», ist auf der Website beispielsweise zu lesen. Für die kleinen Schützen gibt es selbst die Möglichkeit, dem «Cricket»-Club beizutreten, in dem sie ständig über die Neuheiten auf dem Waffenmarkt informiert werden.

Auf der Webseite ist zu lesen, die Gewehre sollten Kinder zum verantwortungsvollen Umgang mit Waffen animieren. In den USA kommt es immer wieder zu tödlichen Schiessunfällen mit Kindern. Erst vor drei Wochen hatten zwei Kleinkinder kurz hintereinander zwei Menschen getötet: In New Jersey erschoss ein 4-Jähriger mit einem Gewehr einen 6-Jährigen. In Tennessee tötete ein ebenfalls 4-Jähriger mit einer Pistole eine 48-Jährige.

(Mit Material der Agentur SDA)

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