Schweizer Imam: «Das geschah nicht im Namen meiner Religion»
Aktualisiert

Schweizer Imam«Das geschah nicht im Namen meiner Religion»

Der Berner Imam Mustafa Memeti sagt, für die Anschlagsserie seien «kranke Menschen» verantwortlich. Muslime müssten gegen den Terror ankämpfen.

von
J. Büchi

Herr Memeti, Sie kommen gerade vom Mittagsgebet in Ihrer Berner Moschee. Was haben Sie in Ihrer Predigt gesagt?

Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie sehr ich das Geschehene verurteile. Es ist einfach schrecklich, dass schon wieder so etwas passiert in Frankreich. Ich habe beim Mittagsgebet gesagt, dass wir als Muslime dem Terror immer und überall die Stirn bieten müssen. Dass es nicht reicht, zu beten und zu fasten. Es ist unsere Aufgabe, zusammenzustehen und unsere Stimme zu erheben. Ich sagte: Das geschah nicht im Namen meiner Religion.

Aber die Terrororganisation Islamischer Staat beruft sich auf Ihre Religion. Wie können Sie da sagen, das Attentat habe nichts mit dem Islam zu tun?

Diese Terroristen sind kranke Menschen. Sie bringen die muslimische Bevölkerung, auch in der Schweiz, in eine schwierige Situation. Sie vermitteln das Bild, der Islam sei gewalttätig. Das ist falsch. Eine wahre Religion tötet keine Menschen.

Haben Sie Angst, dass die Taten auf gemässigte Muslime zurückfallen werden?

Es ist zu befürchten, dass uns gewisse Menschen in denselben Topf werfen wie die gewalttätigen Terroristen. Umso wachsamer müssen wir sein. Wir dürfen jetzt nicht in Angst erstarren oder uns verstecken, sondern müssen ein Konzept finden, um Radikalisierung und Extremismus zu bekämpfen.

Unternehmen die muslimischen Vereine in der Schweiz genug, um die Radikalisierung von Muslimen zu verhindern?

Wir müssen noch stärker miteinander kooperieren und ein gemeinsames Präventionskonzept ausarbeiten. Alle Prediger und Imame in der Schweiz müssen klar signalisieren, dass Gewalt keinen Platz hat in unserer Religion. Dass es für ein solches Verhalten nie eine Rechtfertigung geben kann und darf. Man kann nie ausschliessen, dass es auch schwarze Schafe gibt. Wer so etwas feststellt, muss den Mut aufbringen, die entsprechenden Personen bei den Behörden zu melden. Wir dürfen nie vergessen, dass die Sicherheit der Gesellschaft über allem steht. Nur wenn es gelingt, diese Sicherheit zu gewährleisten, können die Menschen frei leben. Das gilt für Angehörige aller Religionen, aller Nationen und aller Sprachgruppen.

Deine Meinung