Roger Federers Bauprojekt in Rapperswil-Jona steht erneut unter Kritik.

Aktualisiert

Streit um Seeuferweg«Das Gesetz gilt auch für Roger Federer»

Federers Bauprojekt in Kempraten bei Rapperswil-Jona SG wurde durch die Stadt genehmigt. Für den Verein für freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen unverständlich. 

von
Ammar Jusufi
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Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, kann die Genehmigung für Roger Federers Bauprojekt nicht nachvollziehen. 

Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, kann die Genehmigung für Roger Federers Bauprojekt nicht nachvollziehen. 

20min/Taddeo Cerletti
Der roten Linie entlang wünscht sich der Verein einen Seeuferweg.

Der roten Linie entlang wünscht sich der Verein einen Seeuferweg.

RiVES PUBLIQUES

Darum gehts

  • Roger Federer baut weiterhin an seiner Villa in Kempraten bei Rapperswil-Jona SG.

  • Der Richtplan des Kantons St. Gallen sieht jedoch vor, dass dort ein öffentlicher Uferweg vorbeiführt. 

  • Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, wirft den Behörden eine Missachtung des Gesetzes vor. 

  • Der Verein bereitet eine Volksinitiative vor. 

Victor von Wartburg (80), Gründer von Rives Publiques, dem Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen, spricht im Fall von Roger Federers Bauprojekt in Kempraten bei Rapperswil-Jona SG von einer «massiven Missachtung der gültigen Gesetze».

Der Verein fordert, dass der Uferweg, der seit 20 Jahren im Richtplan des Kantons St. Gallen festgelegt ist, so rasch wie möglich gebaut wird. «Die Frist ist bereits 14 Jahre überzogen. Schämt sich wirklich niemand bei den zuständigen Kantons- und Gemeinde-Behörden?», sagt von Wartburg. 

Was ist «Rives Publiques»?

Rives Publiques ist ein 2003 gegründeter nationaler Verein zur Förderung des freien Zugangs zu den Ufern von Seen und Flüssen in der Schweiz. Der Verein fordert die Schaffung eines lückenlosen Weges entlang der Ufer der Schweizer Seen und Flüsse, der sich so gut wie möglich in die Umgebung einfügt. Der Verein sorgt dafür, dass geltende Gesetze, Verordnungen und Volksentscheide, die einen weitgehend freien Zugang zu den Ufern von Seen oder Flüssen anordnen, auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene eingehalten und korrekt angewandt werden, heisst es auf der Website des Vereins. 

Ein Wohnort für Reiche

Neben Roger Federer befinden sich auch Grundstücke von anderen entlang des Seeufers. So von Jorge Paul Lemann, der mit einem Vermögen von 16,5 Milliarden Franken der reichste St. Galler ist. Auch Thomas Schmidheiny, dessen Vermögen auf über drei Milliarden geschätzt wird, hat ein Grundstück am Seeufer. «Dass Roger Federer ein toller Tennisspieler und Liebling eines gewissen Publikums ist, darf kein Grund sein, ihm Privilegien zu geben», sagt von Wartburg. 

Das Grundstück des Tennisspielers wird seit mehreren Jahren bebaut. Zwischendurch gab es aufgrund von gesetzlichen Grundlagen immer wieder Baustopps, doch letztlich wurde im Juni 2021 das Baugesuch durch die Stadt Rapperswil-Jona bewilligt.

Roger Federer gab grünes Licht für Seeuferweg

Die Kosten für die Villa am See sollen laut Gerüchten bei insgesamt rund 60 Millionen Franken liegen. Die letzte Hürde war der seit 20 Jahren bestehende Richtplan des Kantons St. Gallen, der einen öffentlich zugänglichen Uferweg vorsieht. Dafür holte die Stadt Rapperswil-Jona SG die Einwilligung der 41-jährigen Tennislegende ein. Die Einwilligungen der anderen Eigentümerinnen und Eigentümern fehlen aber noch. 

Laut der Stadt Rapperswil-Jona SG sei derzeit noch kein Seeuferweg geplant und für den Stadtrat auch nicht prioritär. Bei der Einholung der Einwilligung von Roger Federer sprach Christian Leutenegger, der Bauchef in Rapperswil-Jona, von einer «absoluten Vorsichtsmassnahme». 

«Das Gesetz gilt für alle»

Victor von Wartburg ist von der Einwilligung Federers wenig beeindruckt. «Der Richtplan wurde vom Bundesrat im Januar 2003 genehmigt und ist somit rechtsverbindlich und ob Federer einwilligt oder nicht, spielt keine Rolle», sagt er. Dabei gehe es dem Verein auch nicht um Roger Federer. «Wir wollten von Anfang an, dass der Richtplan als Gesamtes durchgesetzt wird. Da ist nicht nur Roger Federer davon betroffen, sondern auch die weiteren Eigentümer entlang des Seeufers», so von Wartburg. Aus diesem Grund habe man auch nicht Roger Federer oder dessen Architekten kontaktiert, sondern den Staat, der die Verantwortung über diesen Abschnitt am See und die Umsetzung des Richtplans trägt.

Die zuständigen Behörden sollten laut von Wartburg für diese Missachtung der Gesetze bestraft werden. «Das Gesetz gilt für alle, auch für Roger Federer. Im Artikel steht nirgends, dass es diejenigen, die reich sind und viel Steuern zahlen, ausschliesst», so von Wartburg. Er hofft, dass die Bevölkerung diese «Betrügereien» der zuständigen Behörden erkennt und sich dagegen wehrt. 

Initiative in Startlöcher

Weiter plant der Verein Rives Publiques, eine Volksinitiative zu lancieren, um in der Bundesverfassung für den freien Zugang zu den Ufern der Schweizer Seen zu fordern, ähnlich wie für die Wälder. «Die sich stetig verschlimmernde Situation in unserem Rechtsstaat und Demokratie bestätigt, dass die Vorbereitungen unserer eidgenössischen Volksinitiative immer dringender werden», heisst es seitens des Vereins. Die Unterschriftensammlung soll bald beginnen.

Würdest du gerne dort am See entlang laufen?

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