St. Gallen: «Das Gesetz gilt nicht für Reiche und Politiker – so läuft das in unserer Welt»

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St. Gallen«Das Gesetz gilt nicht für Reiche und Politiker – so läuft das in unserer Welt»

Dass Roger Federers Grundstück weiter bebaut wird, ist für den Verein für freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen unverständlich. Der Grossteil der 20-Minuten-Community sieht das anders.

von
Deborah Gonzalez
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Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, kann die Genehmigung für Roger Federers Bauprojekt nicht nachvollziehen. 

Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, kann die Genehmigung für Roger Federers Bauprojekt nicht nachvollziehen. 

20min/Taddeo Cerletti
Der roten Linie entlang wünscht sich der Verein einen Seeuferweg.

Der roten Linie entlang wünscht sich der Verein einen Seeuferweg.

RiVES PUBLIQUES

Darum gehts

  • Roger Federer baut weiterhin an seiner Villa in Kempraten bei Rapperswil-Jona SG. 

  • Der Richtplan des Kantons St. Gallen sieht jedoch vor, dass dort ein öffentlicher Uferweg vorbeiführt. 

  • Rives Publiques, der Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen, wirft den Behörden eine Missachtung des Gesetzes vor.

  • Die Meinungen der 20-Minuten-Community sind gespalten, doch die Mehrheit steht hinter Roger Federer.

«Das Gesetz gilt für alle, auch für Roger Federer», sagt Victor von Wartburg (80), Gründer von Rives Publiques, dem Verein für den freien Zugang zu Schweizer Seen. Der Diskussionspunkt: Federers Grundstück in Kempraten bei Rapperswil-Jona SG, das seit mehreren Jahren bebaut wird.

Zwischendurch gab es aufgrund von gesetzlichen Grundlagen immer wieder Baustopps, doch letztlich wurde im Juni 2021 das Baugesuch durch die Stadt Rapperswil-Jona bewilligt. Für den Verein für freien Zugang zu Schweizer Seen und Wasserläufen ist dieser Entscheid unverständlich: «Das ist eine massive Missachtung der gültigen Gesetze», so von Wartburg weiter. Einige Leser und Leserinnen sehen das ähnlich, doch längst nicht alle: 

«Das ist der Neid»

Sebulba etwa sieht das Thema sehr pragmatisch: «Ganz einfach: Der Uferweg kostet und generiert kein Geld. Wieso also Steuern für so etwas ausgeben?» Martial.k erklärt: «Die Planung ist abgeschlossen, die Genehmigung erteilt. Herr Federer hat das Recht, wie auch alle Nachbarn, sein Anwesen am Seeufer zu bauen. Es wird leider immer und überall Menschen geben, die auf alles neidisch sind, weil sie dazu das nötige Kleingeld nicht haben!»

Hat der Verein in deinen Augen Recht?

Ähnlich sieht es chezbobo. Er ist auch der Meinung, dass vor allem der Neid Grund für die Diskussion sei. Ausserdem meint er: «Wenn ich einst für einen Seeanstoss viel Geld bezahlt hätte und nun ein Verein mir durch den Garten wandern möchte, würde ich mich auch wehren. Schliesslich gibt es genug zugängliche Seeufer.»

«Wer schlampig arbeitet, sollte den Kopf hinhalten – sicher nicht Federer»

Bud-s.82 geht etwas weiter und fragt, wieso sich der Verein auf den Tennisstar eingeschossen hat: «Was soll das Theater? Federer ist damit einverstanden, er bebaut den Uferweg ja nicht mal. Wenn dieser aber bewilligt ist, wieso ist er noch nicht gebaut? Achso, wegen der anderen Eigentümer. Wieso bezieht man sich dann also auf Gesetze, die für Roger gelten sollen? Er hält sich daran.» Sein Vorwurf: «Wer hier zu schlampig oder zu langsam arbeitet, sollte den Kopf hinhalten, aber sicher nicht Federer.»

Auch sascha_zurcher steht hinter dem Tennisass: «Recht hat Federer. Ich möchte auch nicht eine Villa auf teurem Grundstück bauen, wo dann jeder reingaffen kann. Das wäre ein absolutes No-go für mich.»

«Mit Geld kann man sich alles kaufen»

Es gibt aber auch Leser und Leserinnen, die der Meinung sind, dass hier gewisse Privilegien genossen werden. So meint cestlavie: «Mit Geld kann man sich alles kaufen, das gilt vermutlich auch für die Federers.» Auch Reisschüssel hat eine klare Meinung: «Nein, das Gesetz gilt nicht für Reiche oder Politiker – so läuft das nun mal in unserer Welt.»

Geopolit findet: «Gesetze und Regeln müssen auch von Herrn Federer eingehalten werden. Niemand steht über der Demokratie.» Dorfladen sieht den Verein im Recht: «Leider werden sie aber kein Recht bekommen, weil es schlichtweg genug Zugänge zu den Seen hat.»  

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