Aktualisiert 03.05.2013 13:51

Gewitter in Nordschweiz

«Das gibt es alle 50 bis 100 Jahre einmal»

Die heftigen Niederschläge von Donnerstagabend haben laut MeteoSchweiz Rekordwerte erreicht. Noch nie seit Messbeginn im Jahr 1981 hat es in Schaffhausen so stark geregnet.

Überflutete Strassen und Keller und weisse, von Hagel bedeckte Wiesen: Das heftige Unwetter, das am Donnerstagabend über die Schweiz fegte, hat Rekordwerte erreicht. Laut dem Wetterdienst MeteoSchweiz war es in Schaffhausen der höchste sogenannte 10-Minuten-Niederschlag seit dem automatischen Messbeginn 1981.

«Alle 100 Jahre einmal»

Innerhalb von zehn Minuten ergossen sich 32,8 Liter Regen pro Quadratmeter in die Munotstadt. Die Schaffhauser wurden Zeugen eines sehr seltenen Ereignisses: «Was Schaffhausen erlebt hat, gibt es alle 50 bis 100 Jahre einmal», sagte MeteoSchweiz-Klimatologe Stephan Bader am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Schaffhausen rückt mit dem gestrigen Rekordregen auf Platz zwei vor in der Schweizer Liste der heftigsten Regenfälle. Schweizer Rekordhalter ist Locarno-Monti im Tessin mit einer 10-Minuten-Regensumme von 33,6 Litern pro Quadratmeter. Sie fiel während des Rekord-Hitzesommers am 29. August 2003.

Laut MeteoNews fielen in Schaffhausen stündlich rund 50 Liter Wasser pro Quadratmeter. Das ist mehr als die Hälfte der rund 90 Liter, die in dieser Gegend üblicherweise im ganzen Monat Mai fällt.

Zahlreiche Tiere ertranken

Die heftigen Regenfälle richteten in der Stadt grosse Schäden an. Besonders schwer traf es ein Tierheim, wo zahlreiche Tiere ertranken und zwei Personen verletzt wurden.

Wie die Schaffhauser Polizei mitteilte, kamen im Tierheim neun Hunde, elf Katzen und zwanzig Kleintiere ums Leben. Zehn Hunde, sechs Katzen und eine Schildkröte konnten gerettet werden. Zwei Mitarbeitende des Tierheims, die versuchten, Tiere aus dem Keller zu retten, zogen sich leichte Verletzungen zu. Unterkühlt vom langen Im-Wasser-Stehen wurden sie ins Spital gebracht.

Es sei «eine strube Nacht» gewesen, sagte Herbert Distel, Kommandant der Feuerwehr Stadt Schaffhausen, zur Nachrichtenagentur SDA. So etwas habe er in all seinen 40 Jahren bei der Feuerwehr noch nie gesehen.

Frau stirbt in den Fluten

Das Unwetter forderte auch ein Menschenleben. Eine 32-jährige Frau wurde im aargauischen Sulz von einem Bach mitgerissen. Sie konnte laut Aargauer Kantonspolizei nur noch tot geborgen werden.

Die Frau war zusammen mit ihrem Mann unterwegs, als ihr Auto vom hochgehenden Sulzerbach von der Strasse geschwemmt wurde. Die beiden retteten sich zunächst auf das Dach des Autos. Während sich der Mann in Sicherheit bringen konnte, wurde die Frau von den Fluten weggeschwemmt.

Vor allem Ostschweiz betroffen

Auch andernorts richteten die Fluten grosse Schäden an. Betroffen waren neben Schaffhausen und Aargau vor allem die Kantone Zürich, Thurgau und St. Gallen. Keller, Strassen und Unterführungen wurden überflutet, Bäche traten vielerorts über die Ufer, Schlammlawinen und Murgänge wurden ausgelöst, wie die Kantonspolizeien mitteilten.

Wie hoch die Schäden sind, die das Unwetter anrichtete, ist noch unklar. Die Schäden können erst nach den Aufräumarbeiten erhoben werden. Allein im Kanton Zürich dürfte sich die Schadensumme gemäss Schätzungen auf fünf Millionen Franken belaufen.

Hagelschäden in der Innerschweiz

Bereits am Mittwoch hatte es in mehreren Gebieten der Schweiz stark geregnet. Die starken Gewitter mit lokalem Hagelschlag richteten besonders im Raum Luzern grosse Schäden an. Allein die Allianz Suisse rechnet mit versicherten Schäden von rund fünf Millionen Franken.

Am Donnerstag regnete es laut MeteoNews auch in der Westschweiz stark. Laut MeteoNews waren vor allem die Ajoie und der Kanton Freiburg betroffen. Unwetter gab es auch im Genferseegebiet. Notrufe gingen aber nicht ein.

(SDA)

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