18.09.2020 15:15

Nachhaltige SchnäppchenDas gilt es auf Flohmärkten zu beachten

Tauschen statt kaufen: Mit dem Herbst startet die Flohmarkt-Saison. Wir haben Tipps für nachhaltige Secondhand-Einkäufe zusammengetragen.

von
Stephanie Sigrist
Bei Secondhand-Käufen muss der Zustand der Produkte evaluiert werden. Weist das Objekt Gebrauchsspuren auf? Ist der Preis gerechtfertigt? Kleider sollten vor dem Kauf auf Mottenlöcher untersucht werden.

Bei Secondhand-Käufen muss der Zustand der Produkte evaluiert werden. Weist das Objekt Gebrauchsspuren auf? Ist der Preis gerechtfertigt? Kleider sollten vor dem Kauf auf Mottenlöcher untersucht werden.

Foto: iStock

Teilweise hoher Wasserverbrauch, oftmals Einsatz von Färbemitteln und Schädlingsbekämpfung: Die Produktion von Kleidung und Konsumgütern verbraucht viele natürliche Ressourcen und belastet die Umwelt. Werden noch tragbare Kleider, Schuhe und Accessoires, intakte Einrichtungsgegenstände und Spielsachen oder Bücher getauscht statt entsorgt und durch neue Produkte ersetzt, schont dies die Umwelt – und das Portemonnaie. In den meisten Schweizer Städten finden im Herbst Flohmärkte oder Kleidertauschaktionen statt. Dieses Jahr werden unter Einhaltung der Social-Distancing-Richtlinien viele Flohmärkte und Börsen im Freien durchgeführt. Hier gibt es Einkaufstipps für Flohmärkte, Secondhandläden und Brockenhäuser.

Besonders beim Kleiderkauf sollte man in Erfahrung bringen, aus welchem Material das Stück hergestellt wurde. Baumwolle beispielsweise ist einer der meistverwendeten Rohstoffe der Textilindustrie, doch die Auswirkungen auf die Anbauländer sind verheerend. Für die Produktion von einem Kilogramm Baumwolle werden im weltweiten Durchschnitt 11'000 Liter Wasser benötigt, und die Anbaugebiete liegen vielfach in Ländern, in denen Trinkwasser Mangelware ist. Zudem wird Baumwolle grösstenteils in Monokulturen angebaut, was zu einer Nährstoffverarmung der Böden führt und eine erhöhte Anfälligkeit für Schädlinge zur Folge hat. Diese Schädlinge werden mit Pestiziden bekämpft, die im Grundwasser versickern und dadurch die Wasserqualität in der betroffenen Region massiv beeinträchtigen. Hinzu kommen die langen und energieintensiven Transportwege: Zuerst muss der Rohstoff in die Länder gebracht werden, in denen die Stoff- und Kleiderproduktion stattfindet, um anschliessend den grössten Teil der Endprodukte in einem anderen Erdteil zu verkaufen.

Hanf oder Leinen schaden der Umwelt weniger als Baumwolle

Die Ökobilanz anderer Naturfasern wie Hanf oder Leinen ist im Vergleich mit Baumwolle signifikant besser, da der Wasserverbrauch beim Anbau sich auf rund ein Viertel beläuft und diese Pflanzen in den meisten Fällen nicht mit Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden müssen. Textilien aus Hanffasern sind ausserdem widerstandsfähiger als andere Stoffe und müssen daher weniger oft ersetzt werden. Biologisch angebaute Baumwolle, bei deren Anbau auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wurde, ist ebenfalls deutlich besser für die Umwelt als herkömmliche Baumwolle.

Um bewusster einzukaufen, solltet ihr vor der Kaufentscheidung einige Fragen beantworten: Habe ich Verwendung für die Ware oder ist Einkaufen bloss ein Ausweg, um negative Emotionen zu bewältigen? Passt das Kleidungsstück zu meiner Garderobe oder das Möbelstück in meine Wohnung? Fragt euch zudem, ob es eine Alternative gäbe, die aus umweltfreundlicherem Material, ohne Chemikalieneinsatz oder unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt wurde – und über ein Nachhaltigkeitszertifikat verfügt. Im Falle von Möbeln sollte man darauf achten, nur langlebige Produkte aus zertifiziertem Holz oder rezyklierten Materialien zu kaufen. Bei Büchern sind Exemplare aus Recycling-Papier vorzuziehen.

Fragt bei Mängeln nach einem Preisnachlass

Auch der Zustand der Produkte muss evaluiert werden. Weist das Objekt Gebrauchsspuren auf? Ist der Preis gerechtfertigt? Kleider sollten vor dem Kauf auf Mottenlöcher untersucht werden. Testet ausserdem, ob Reissverschlüsse noch funktionieren, und schaut nach, ob noch alle Knöpfe dran sind. Bei Schuhen spielt der Zustand der Sohle eine wichtige Rolle. Wer ein Möbelstück kaufen möchte, sollte überprüfen, ob es komplett ist, ob sich die Schubladen öffnen lassen und wie stabil der Stand des Möbelstückes ist. Kleinere Mängel können unter Umständen selbst behoben werden, ihr solltet aber auf einen Preisnachlass bestehen. Bei Plüschtieren, Kleidungsstücken, Kissen und Sofabezügen ist es nicht nur während einer Pandemie empfehlenswert, die Produkte vor Gebrauch zu waschen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
19 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

2nd and 1st

19.09.2020, 20:27

Heilsarmeebrockis u.a. sind teilweise so teuer, dass ich nicht einsehe, warum ich den Preis für 2nd Hand zahlen soll... Es gibt Dinge, die sind super. Plüschtiere zB. Für den Hund, der zerlegt sie. Jaja die Vorsicht...weiss ich. Aber auch Ledersachen. Das böse Leder. Kauf ich nur 2ndhand, für Larps. Haushaltswaren tw auch. Aber Möbel, abgeschossene Sofas für 200, 300.-? Wenn man nicht viel hat, darf da auch der Zauber von etwas Neuem drinliegen... Brockis und Flohmärkte ergänzen. Sie ersetzen nicht. An Flohmärkten findet man aber teilweise tolle Retrosachen, die es sonst nicht mehr gibt.. :)

Angela aus Schwanden bei Brienz

19.09.2020, 14:02

Die schönste Jeansjacke für mich habe ich im Brockhaus gefunden für 20.- Fr so gut wie noch nie getragen.

Tobias Scholl

19.09.2020, 13:39

Die Flohmarkt-Saison beginnt im Frühling, nicht im Herbst.