18.06.2016 20:02

Negativzinsen

Das gilt es beim Bargeldhorten zu beachten

Sinken die Zinsen weiter, dürften Private vermehrt zuhause Geld horten. Kommt das Bargeld weg, sind allerdings nur gewisse Beträge versichert.

von
lin
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Werden die Zinsen weiter gesenkt, wird das Horten von Bargeld attraktiver.

Werden die Zinsen weiter gesenkt, wird das Horten von Bargeld attraktiver.

Keystone/Christian Beutler
Auch dem Rückversicherer Munich Re stossen die Negativzinsen sauer auf. Der Konzern hält grosse Mengen an Bargeld. (Archivbild)

Auch dem Rückversicherer Munich Re stossen die Negativzinsen sauer auf. Der Konzern hält grosse Mengen an Bargeld. (Archivbild)

Keystone/Martin Ruetschi
Insgesamt horte der Rückversicherer einen «zweistelligen Millionenbetrag», erklärte CEO Nikolaus von Bomhard.

Insgesamt horte der Rückversicherer einen «zweistelligen Millionenbetrag», erklärte CEO Nikolaus von Bomhard.

Sven Hoppe

Bei vielen Banken erhalten die Kunden kaum oder gar keine Zinsen für ihr Geld. Das dürfte sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält weiterhin an ihrem Negativzins von -0,75 Prozent auf Girokontoguthaben in Schweizer Franken fest. Es sei gar möglich, dass die negativen Zinsen noch ausgebaut werden, erklärte die SNB mehrfach.

Allerdings lassen sich die Minuszinsen nicht beliebig tief ansetzen, denn an einem Punkt werden Private und Unternehmen mit dem Horten von Bargeld beginnen. Das ist allerdings mit einigen Risiken verbunden. Zwar umfassen Hausratsversicherungen für Private auch einen Schutz für Wertsachen und Geldwerte, Bargeld ist aber in der Regel nur bis 5000 Franken versichert.

Grosse Summen nur mit Tresor versichert

Die Versicherungssumme kann jedoch höher sein, falls das Geld in einem Tresor aufbewahrt wird. Bei einem Kassenschrank von über 100 Kilogramm oder einem eingemauerten Tresor erhöht sich die mögliche Entschädigung in der Regel auf 20'000 Franken, teilt die Axa Winterthur mit. Würden noch grössere Summen gelagert, müsse der Tresor zertifiziert oder von einem Versicherungsexperten genehmigt werden.

Nachdem die SNB 2015 Negativzinsen einführte, boomte in den folgenden Monaten der Absatz von Tresoren in der Schweiz. Um das Wachstum zu bewältigen, seien Überstunden geleistet und neue Mitarbeiter eingestellt worden, sagte der CEO vom Zürcher Tresorhersteller Dianit im vergangenen Herbst im Interview mit Cash. Bei den neuen Kunden handle es sich oft um Privatpersonen aus der Generation 50 Plus oder um Treuhänder.

Versicherer hortet Geld und Gold

Doch nicht nur Private versuchen, die Strafzinsen zu umgehen. Auch grosse Unternehmen, wie der weltweit grösste Rückversicherer, Munich Re, horten Bargeld. «Ein zweistelliger Millionenbetrag» sei in bar gelagert, erklärte Konzernchef Nikolaus von Bomhard gemäss der «Süddeutschen Zeitung» im vergangenen März. Zur genauen Summe und dem Ort, wo das Bargeld gebunkert wird, wollte sich von Bomhard nicht äussern. Neben Bargeld horte der Rückversicherer auch Gold.

Allerdings dürfte das Horten von Bargeld bei der Munich Re eher symbolischen Charakter haben – der Rückversicherer verwaltet weltweit rund 224 Milliarden Euro. Trotzdem zeigen die Beispiele, dass die Notenbanken die Negativzinsen nicht immer weiter ausweiten können und es bei den betroffenen Finanzinstituten eine Schmerzgrenze gibt. Wird diese überschritten, kann dies zu Reaktionen führen, die für die Ziele der Notenbanken kontraproduktiv sind.

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