Bergbahnen im Streit: «Das gleicht einer feindlichen Übernahme»
Aktualisiert

Bergbahnen im Streit«Das gleicht einer feindlichen Übernahme»

Die Toggenburg Bergbahnen wollen Aktien der Bergbahnen Wildhaus erwerben – zu einem Spottpreis. Diese fühlen sich vor den Kopf gestossen. Ein weiteres Kapitel in einem langen Streit.

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air
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Zwischen den Toggenburg-Bergbahnen und den Bergbahnen Wildhaus kriselt es bereits seit längerer Zeit. Nun wollen die TBB Aktien der BBW aufkaufen.

Zwischen den Toggenburg-Bergbahnen und den Bergbahnen Wildhaus kriselt es bereits seit längerer Zeit. Nun wollen die TBB Aktien der BBW aufkaufen.

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Dies stösst seitens der Bergbahnen Wildhaus auf Unverständnis. Das Angebot sei «schlicht utopisch» und «total neben den Schuhen».

Dies stösst seitens der Bergbahnen Wildhaus auf Unverständnis. Das Angebot sei «schlicht utopisch» und «total neben den Schuhen».

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Mit diesem Inserat will die Toggenburg Bergbahnen AG die «Rettung des gemeinsamen Skitickets» herbeiführen.

Mit diesem Inserat will die Toggenburg Bergbahnen AG die «Rettung des gemeinsamen Skitickets» herbeiführen.

Toggenburg Bergbahnen

25 Franken bietet die Toggenburg Bergbahnen pro Aktie der Bergbahnen Wildhaus: So steht es in einem Inserat, das sie am Samstag geschaltet haben. Grund für das Angebot seitens der Toggenburg Bergbahnen AG sei «die Rettung des gemeinsamen Skitickets». Es ergebe keinen Sinn, dass sich zwei so nahgelegene Gebiete konkurrenzieren würden. Bei den Bergbahnen Wildhaus AG stösst das Inserat auf Überraschung und vor allem Unverständnis, wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt.

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen, erklärt das Angebot wie folgt: «Wir möchten durch das Angebot die wirtschaftlichen Strukturen im Obertoggenburg verbessern.» Eine Fusion sei für sie die richtige Lösung. Das Toggenburg würde sicher profitieren und sich besser im Tourismusmarkt positionieren können. «Es gilt nun abzuwarten, wie die Aktionäre auf das Angebot reagieren werden», so Eppenberger. Das Angebot werde vollzogen, wenn die Toggenburg Bergbahnen 51 Prozent der Aktien, also die Aktienmehrheit, erhalten und der Verwaltungsrat der BBW einer bedingungslosen Übertragung der Aktien an die TBB zustimmt.

«Himmeltrauriges Angebot»

Jakob Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG, findet das Angebot der Toggenburg Bergbahnen «gspässig». Besonders die Begründung, man wolle das gemeinsame Skiticket retten, sei ein Widerspruch in sich. «Sie waren es doch, die diese Zusammenarbeit gekillt haben», so Rhyner. Ausserdem sei eine vierjährige Verpflichtung zur Beibehaltung des gemeinsamen Einheitstarif noch bis in die Skisaison 2018/19 am Laufen. «Toggenburg Bergbahnen spielt sich nun als Retter in der Not auf.»

Rhyner bezweifelt ausserdem, dass sich viele Aktionäre zu einem Verkauf ihrer Aktien bereit erklären werden. «Es ist offen gesagt ein himmeltrauriges Angebot», sagt Rhyner. Der Steuerwert einer BBW-Aktie liege bei 200 Franken. «Die Toggenburg Bergbahnen reden von einer Fusion», so Rhyner. Dafür brauche es für ihn aber gemeinsame Gespräche, die bis heute nicht stattgefunden hätten. «Das hier gleicht mehr einer feindlichen Übernahme.»

Auch Hans Sturzenegger, Verwaltungsrat der BBW und Präsident der Ortsgemeinde Grabs, die 435 der rund 32'000 Aktien der BBW-Aktien besitzt, äusserte sich gegenüber dem «Tagblatt» zum Fall: «Wir werden auf keinen Fall auf das Angebot zum Aktienverkauf eingehen.» Das Ziel der TBB, die Aktienmehrheit bei den Bergbahnen Wildhaus zu erreichen, sei «schlicht utopisch» und «total neben den Schuhen».

Das Angebot der Toggenburg Bergbahnen läuft noch bis 23. Juni.

Streit im Obertoggenburg

Erste Differenzen zwischen den Toggenburg Bergbahnen und den Bergabhnen Wildhaus gab es schon im Sommer 2015. Da die Bergbahnen unterschiedliche Tourismusstrategien verfolgten, waren die Verhandlungen damals, in die sich auch der Kanton eingeschaltet hatte, besonders anspruchsvoll gewesen.

Streitpunkt war die Verteilung der Einnahmen aus dem gemeinsamen Tarifverbund. Die Toggenburg Bergbahnen AG hatten nach Millionen-Investitionen in ein neues Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg und eine neue Gondelbahn einen grösseren Teil der Einnahmen gefordert.

Angefangen hatte der Streit im Frühjahr, als die Toggenburg Bergbahnen AG die regionale Wandertageskarte und das Saisonabonnement aus ihrem Angebot nahmen. Wanderer konnten somit im Sommer 2015 keine Fahrkarten mehr für das ganze Gebiet kaufen. Die Bergbahnen Wildhaus sahen sich damals vor den Kopf gestossen, war das gemeinsame Tarifbillet doch seit 35 Jahren eine Selbstverständlichkeit.

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