Mail aus Rio: Das Glück des Schweizers
Aktualisiert

Mail aus RioDas Glück des Schweizers

In regelmässigen Abständen erreicht uns elektronische Post von unseren Reportern aus Rio. Marcel Allemann über das lang andauernde Glücksgefühl.

Über Giulia Steingrubers Bronzemedaille im Sprung wird in der Schweiz länger berichtet, als die amerikanischen Medien über ihre Turnstars es tun.

Über Giulia Steingrubers Bronzemedaille im Sprung wird in der Schweiz länger berichtet, als die amerikanischen Medien über ihre Turnstars es tun.

Keystone/Tatyana Zenkovich

Als Olympia-Journalist empfinde ich es als grosses Glück, Schweizer zu sein. Im Gegensatz zu den ganz grossen Sport-Nationen sind die Einsätze unserer Delegation noch knapp überschaubar und die Events mit Medaillenchancen planbar. Wie geht es im Gegensatz dazu wohl den Amerikanern?

Auch haben bei uns die einzelnen Medaillen einen ganz anderen Wert. Derzeit haben wir fünf und ich könnte die Namen der Gewinner notfalls auch im Schlaf auswendig aufsagen. Kann das auch der Kollege der «New York Times», bei bislang über 70-mal Edelmetall? Kaum. Aber falls er es tatsächlich schafft, lade ich ihn zur Belohnung zu einigen Caipirinhas ein. Spätestens dann wird für ihn Feierabend sein.

Länger anhaltender Peak

Am Sonntag war ich live dabei, als uns Giulia Steingruber mit ihrer Bronzemedaille im Sprung entzückte. Die mediale Euphorie brach in der Schweiz aus, in den Stunden und der Nacht danach war sie das dominierende Thema. Die USA gewannen allein im Lauf dieser Gerätefinals-Nachmittagssession nicht weniger als drei Medaillen. Was eben noch eine grosse Schlagzeile wert war, ist nach einer Stunde bereits wieder überholt. Welch eine Erfolgshektik!

Ach wie schön ist es da, Schweizer zu sein. Und auch Giulia hat es für ihre grandiose Leistung mehr als verdient, etwas länger als bloss ein paar Minuten im Fokus zu stehen. (20 Minuten)

Marcel Allemann ist Chefreporter Sport bei 20 Minuten und berichtet von den Olympischen Spielen aus Rio.

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