Aktualisiert 11.02.2019 13:00

Studie beweistDas Glück hält weniger lange, als man glaubt

Die Folgen von Lebensereignissen, etwa einer Hochzeit oder eines Todesfalls, werden überschätzt. Das haben Forscher der Universität Basel herausgefunden.

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Da Hochzeitspaar Prince Harry und Meghan Markle nach der Trauung am 19. Mai 2018: Der Abstieg von Wolke sieben kommt schneller als erwartet. Das haben Basler Forscher herausgefunden.

Da Hochzeitspaar Prince Harry und Meghan Markle nach der Trauung am 19. Mai 2018: Der Abstieg von Wolke sieben kommt schneller als erwartet. Das haben Basler Forscher herausgefunden.

Keystone/Jane Barlow
Lebensereignisse wirken sich nämlich weniger lang aus, als die Betroffenen erwarten. Das haben die Basler Ökonomen Professor Alois Stutzer und Reto Odermatt herausgefunden.

Lebensereignisse wirken sich nämlich weniger lang aus, als die Betroffenen erwarten. Das haben die Basler Ökonomen Professor Alois Stutzer und Reto Odermatt herausgefunden.

Martin Gerten
Demnach wirkten sich auch Schicksalsschläge wie Todesfälle weniger lang auf das subjektive Wohlbefinden der Befragten aus, als diese angenommen haben. Die Studie stützt sich auf Daten einer Langzeitbefragung von mehr als 30'000 Personen in Deutschland.

Demnach wirkten sich auch Schicksalsschläge wie Todesfälle weniger lang auf das subjektive Wohlbefinden der Befragten aus, als diese angenommen haben. Die Studie stützt sich auf Daten einer Langzeitbefragung von mehr als 30'000 Personen in Deutschland.

Stefan Sauer

Wichtige Lebensereignisse wie eine Heirat oder der Tod des Partners wirken weniger lange nach, als Betroffene glauben. Menschen können offenbar ihr eigenes Wohlergehen schlecht vorhersagen, berichten zwei Basler Forscher.

Menschen würden systematisch überschätzen, wie lange sich ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Das berichten Reto Odermatt und Alois Stutzer von der Universität Basel. Ihre Studie mit 30'000 Teilnehmenden widerspricht damit der grundlegenden Annahme der ökonomischen Theorie, dass Personen in der Regel korrekt vorhersagen können, was ihnen wie viel Nutzen bringt.

Odermatt und Stutzer nutzten für ihre Studie Daten aus einer wiederholten Befragung von Personen in Deutschland und fokussierten sich dabei auf Menschen, die gerade grosse Lebensereignisse erlebt hatten. Bei diesen verglichen sie, wie hoch die Befragten kurz nach dem Ereignis ihre Lebenszufriedenheit in fünf Jahren einschätzten und wie sie ihre tatsächliche Zufriedenheit fünf Jahre später beschrieben.

Effekt schwindet rasch

Zwar liessen positive Ereignisse wie eine Heirat die Lebenszufriedenheit stark ansteigen und negative Ereignisse wie der Tod des Partners oder Invalidität liessen sie stark sinken, wie die Uni Basel am Montag mitteilte. Jedoch hielt dieser Effekt weniger lange an, als die Betroffenen glaubten. Davon berichten die Forscher im Fachblatt «Journal of the European Economic Association».

Ein Dämpfer dürfte dies für frisch Vermählte sein: Sie überschätzen demnach systematisch, wie zufrieden sie fünf Jahre später sein werden. Hoffnung machen könnten die Resultate aber jenen, die Partnerin oder Partner verloren haben, arbeitslos oder invalid geworden sind. Diese Gruppe der Befragten glaubte, ihre Lebenszufriedenheit werde viel länger deutlich eingeschränkt bleiben, als dies tatsächlich der Fall war.

Gewöhnung nicht bedacht

Grund für die Fehleinschätzung könnte sein, dass Menschen beim Blick in die Zukunft zu wenig den Effekt der Gewöhnung berücksichtigen, vermuten die Forscher. Neue Umstände verlieren mit der Zeit das Besondere und prägen das Wohlbefinden weniger, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn.

Obwohl die Befragten nach einer Reihe von Lebensereignissen mit ihrer Einschätzung für die Zukunft daneben lagen, gab es doch Ausnahmen: Nach Trennung oder Scheidung vom Partner lagen die Teilnehmenden durchaus richtig, wie ihr Befinden einige Jahre später sein würde. (sda)

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