Aufstand gegen Einschnitte: Das griechische Volk ist wütend
Aktualisiert

Aufstand gegen EinschnitteDas griechische Volk ist wütend

Ein 24-stündiger Generalstreik gegen den Sparkurs der griechischen Regierung hat weite Teile des öffentlichen Lebens lahmgelegt.

von
Elena Bec
AP
Wütende Demonstranten in Athen.

Wütende Demonstranten in Athen.

Nichts geht mehr in Griechenland. Busse, Bahnen und Schiffe fuhren nicht, Krankenhäuser erhielten nur einen Notdienst aufrecht. Im Zentrum der Hauptstadt Athen versammelten sich rund 20 000 Menschen zu einer Protestaktion. Etwa 5000 Polizisten waren im Einsatz, um die Demonstranten vom Parlament fernzuhalten.

Am Rande der grössten Protestaktion gegen den staatlichen Sparkurs wurden bei Zusammenstössen zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei mindestens zehn Menschen verletzt. Der Generalstreik legte weite Teile des öffentlichen Lebens lahm.

Tränengas-Einsatz

Auf dem zentralen Syntagma-Platz in der Hauptstadt warfen Jugendliche Brandbomben und Steine und zertrümmerten die Fensterscheiben eines Luxushotels. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mülleimer standen in Brand, Tische und Stühle umliegender Cafés lagen auf der Strasse.

Die Menge forderte auf dem Syntagma-Platz in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Die Stimmung war insgesamt ruhig. Kurzzeitig kam es an einem Eingang des Parlaments zu einem Handgemenge, als Demonstranten versuchten, eine Absperrung zu überwinden und Polizisten mit Plastikflaschen bewarfen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

«Es gibt keine Perspektive»

«Was sollen wir machen?», sagte die Krankenschwester Dimitra Nteli, die mit ihrer Tochter an der Demonstration teilnahm. «Wir müssen kämpfen, für unsere Kinder und für uns. Ich verdiene nach 25 Berufsjahren 1100 Euro im Monat. Jetzt wird mein Gehalt auf 900 Euro fallen. Wie sollen wir davon leben?»

Ntelis 26-jährige Tochter Christina sagte, sie bemühe sich wegen der schlechten Aussichten in Griechenland nun um einen Studienplatz im Ausland. «Ich habe hier keine Arbeit. Es gibt keine Perspektive.» Der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, sagte, von dem wenigen, was den Arbeitern geblieben sei, wolle die Regierung noch mehr streichen.

Flugverkehr von Streik nicht betroffen

In der Vergangenheit war es bei Protestaktionen häufig zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen. Im Mai kamen drei Bankangestellte ums Leben, nachdem randalierende Demonstranten während einer Massenkundgebung die Bank angezündet hatten.

Wegen des Generalstreiks fielen auch Fernseh- und Radiosendungen aus. Der Journalistenverband beendete den Streik jedoch später, um über die Entwicklungen in Athen zu berichten. Auch der Flugverkehr war von dem Ausstand nicht betroffen. Die Fluglotsen hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Widerstand gegen Privatisierung

Die Regierung muss das Sparpaket über 28 Milliarden Euro für die Jahre 2012 bis 2015 noch in diesem Monat durch das Parlament bringen, um weitere Finanzhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds zu bekommen. Um die geplanten Einsparungen zu erreichen, musste die Papandreous Sozialistische Partei ihr Versprechen brechen, die Steuern nicht weiter zu erhöhen.

Auf starken Widerstand stösst auch die Privatisierung von Staatsbetrieben, die 50 Milliarden Euro einbringen soll. Ein Abgeordneter der Sozialisten hat schon angekündigt, gegen die Vorhaben zu stimmen, ein weiterer wird dies voraussichtlich tun. Die Mehrheit für Papandreou schrumpft damit auf vier Stimmen.

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