Das griechische Wunder
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Das griechische Wunder

Heute um 20.45 Uhr treffen in Lissabon zwei Fussballwelten aufeinander. Griechenland hofft auf ein Wunder im Match gegen Titelverteidiger Frankreich.

Frankreich überzeugte in der Vorrunde trotz zwei Siegen und einem Remis nicht restlos. Zwar ist der verwundbare Titelhalter gegen die unbeschwerten Griechen zu favorisieren. Doch Otto Rehhagels Hellenen wollen das Wunder schaffen.

Im Gegensatz zu seinen Landsleuten atmet "Ottokrates" (auch "Rehhakles" genannt) Viertelfinal-Luft - und die tut dem 64-Jährigen gut. Er glaubt, auch wenn der alte Fuchs gegenwärtig alles unternimmt, die eigenen Qualitäten zu relativieren, an den Vorstoss ins Feld der letzten vier. Der Schlüssel zum ersten Sieg gegen Frankreich überhaupt liegt zweifelsfrei in der Abwehr. Das Ziel der unbeschwerten Griechen muss sein, die eigene Defensivzone hermetisch abzuriegeln und den Kontrahenten mit Konterattacken zu gefährden.

Die Rückkehr zur altbewährten 4-3-1-2-Formation brachte den Franzosen zum Abschluss der Vorrunde den gewünschten Erfolg, von der traumwandlerischen Stilsicherheit ihrer Blütezeit sind sie indes weit entfernt. Alles ist noch immer auf Zinedine Zidane ausgerichtet. Das Genie im Zentrum und am Ball verhinderte einen folgenschweren Fehltritt gegen England im Alleingang. Und später, gegen Kroatien und die lange hartnäckigen Schweizer, half der Spielmacher seinen Kollegen abermals aus der Klemme.

Und doch blieb der Eindruck haften, die Franzosen würden ihr sagenhaftes Potenzial im Offensivbereich nicht einmal zur Hälfte nutzen. Thierry Henry etwa, der in der Premier League die Treffer seit Jahren im Überfluss produziert, spielte so lange keine Rolle, bis ihm die entkräfteten Schweizer den erwünschten Raum zur Entfaltung offerierten. David Trezeguet, der neben Henry prominenteste Stürmer des Europameisters, ist in ein Formtief geraten. Es würde niemanden sonderlich erstaunen, wenn Santini den verunsicherten Juve-Star ausgerechnet im Viertelfinal nicht mehr für die Startaufstellung berücksichtigen würde. Louis Saha stünde bereit. In Manchester setzt die United mehr und mehr auf den 25-Jährigen. Im Nationalteam schoss "Petit Louis" in vier Spielen zwei Tore und bereitete einen Treffer vor.

Wie stark der endgültige Ausfall des Aussenverteidigers Willy Sagnol die Abwehr der Franzosen schwächt, bleibt abzuwarten. Ungünstig scheint aber, dass Santini nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden des Bayern-Profis mit Bixente Lizarazu nur noch einen geschulten Seitenverteidiger im Kader hat.

Die voraussichtlichen Aufstellungen: Frankreich - Griechenland. José Alvalade, Lissabon. -- 20.45 Uhr. -- SR Frisk (Sd).

Frankreich: 16 Barthez; 5 Gallas/2 Boumsong, 15 Thuram, 13 Silvestre, 3 Lizarazu; 7 Pires, 4 Vieira, 6 Makelele; 10 Zidane; 20 Trezeguet/9 Saha, 12 Henry.

Griechenland: 1 Nikopolidis; 2 Seitaridis, 5 Dellas, 19 Kapsis, 14 Fyssas; 7 Zagorakis, 6 Basinas; 11 Nikolaidis, 21 Katsouranis, 22 Papadopoulos; 9 Charisteas.

Bemerkungen: Frankreich ohne Sagnol (verletzt). Griechenland ohne Vryzas (gesperrt) und Giannakopoulos (verletzt).

(si)

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