25.03.2018 21:40

Schweizer Games«Das Grösste wäre es, ein Rollenspiel zu entwickeln»

Obwohl sie keine gelernte Gamedesignerin ist, hat Isa Roesch im Alleingang das Rollenspiel «Cendric» geschaffen. Porträt eines talentierten IT-Cracks.

von
jag

Das Schweizer Game «Cendric» bietet nicht nur optisch Retro-Feeling, es erinnert auch an Spiele wie «King's Quest».

«Eigentlich», sagt Isa Roesch und lächelt, «wollte ich Gamedesignerin werden, seit ich mit elf Jahren intensiv zu spielen anfing.» Eigentlich aber fehlt der heute 25-Jährigen immer noch das Handwerkszeug dazu – und trotzdem hat sie mit «Cendric» eines der wenigen Schweizer Adventuregames mit Rollenspielelementen entwickelt. Eines, das darüber hinaus grafisch eindrücklich gut aussieht.

Doch von vorne: Als Isa Roesch 2003 erstmals in Kontakt mit dem deutschen Action-Rollenspiel «Gothic» kam, war es um sie geschehen. Sie wusste, sie wollte selbst Spiele entwickeln können. In die riesige Welt von «World of Warcraft» einzutauchen und in der Schule alte Diskettenspiele auf PC auszuprobieren, vertiefte diesen Wunsch. Vor allem eines faszinierte sie: der Computer als Black Box – ein Gerät, in das man Programmiercode füttern kann und das ein entsprechendes Resultat ausspuckt. Zum Beispiel bewegte Bilder.

Ein Nebenjob für die Musik

Statt nach der Schule aber ein Gamedesign-Studium anzufangen, verschlug es die Tochter eines Physikers und einer Lehrerin an die ETH, wo sie ein Informatikstudium absolvierte. Sich nur mit Programmier-Code rumzuschlagen, war ihr indessen bald zu trocken. «Mich interessierte immer, Wissenschaft und Kreativität zu verbinden», sagt sie. So begann sie während des Studiums im Alleingang ein eigenes Spiel zu entwickeln; einzig ein Kommilitone ging ihr bisweilen zur Hand. «Ich bin weder Grafikerin oder Gamedesignerin noch kann ich wirklich Musik komponieren», sagt sie grinsend.

Entwickelte das Game «Cendric» in Eigenregie: Software Engineer Isa Roesch.

Doch sie machte aus der Not eine Tugend: Sie entwarf eine einfache, aber farblich stimmige Pixelgrafik, holte sich für die Dialoge Inspiration bei ihrem Vorbild «Gothic», studierte die Spielregeln anderer Games und begann beim Start-up Struckd einen Nebenjob, damit sie einen Musiker bezahlen konnte. In drei Jahren und nächtelanger Arbeit programmierte sie, was nur wenige Gamedesigner in der Schweiz bisher gemacht hatten: das Game «Cendric» und dazu eine eigene Spiel-Engine – die Software, auf deren Basis ein Game überhaupt läuft. Zehn Stunden Abenteuer- und Rollenspiel-Spass bietet «Cendric» nun. Wer alles erforscht, kann bis zu zwanzig Stunden im Spiel verbringen. Die Mischung aus Top-down-Ansicht und Jump'n'Run-Sequenzen macht «Cendric» einzigartig.

Schweizer Games an der GDC

Die neuesten Entwicklungen der Schweizer Game-Szene (Video: Tarek El Sayed)

Das Beste kommt am Ende

Den Grund dafür sieht Isa Roesch auch in ihrer Isoliertheit an der ETH. «An der Hochschule besteht kein so enges Netzwerk von Gamedesignern wie an der ZHdK», sagt sie. Aber auch ihr Vorgehen während der Entwicklung war ungewöhnlich: «Das Spiel entstand chronologisch», sagt sie. Das heisst, die ersten Level wurden von ihr auch zu Beginn der Arbeit erstellt. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil die meisten Games als Patchwork aus Grafiken, Animationen und den verbindenden Spielmechanismen entstehen. Roesch: «Der Anfang ist der schlechteste Teil, der Schluss ist am schönsten», sagt sie und lacht. Und: «Ich bin stolz darauf, wie poliert und fertig das Game ist.»

Obwohl sie derzeit wegen ihres Jobs keine Zeit habe, ein weiteres Spiel in Angriff zu nehmen, ist die Programmiererin überzeugt, dass sie ihren Traum, zur Vollzeit-Gamedesignerin zu werden, verwirklichen wird. «Das Grösste wäre es, zusammen mit anderen Schweizer Designern ein Rollenspiel zu entwickeln», sagt sie. Leider habe sie hierzulande aber noch niemanden kennen gelernt, der dafür zu gewinnen wäre. Eigentlich aber wäre Gamedesign ihr Weg.

«Cendric»

«Cendric» ist eine Mischung aus Adventure-, Rollen- und Plattform-Game. Spieler schlüpfen in die Rolle des Helden Cendric, der auf der Suche nach seiner Geschichte und seinem Schicksal ist. Optisch orientiert sich das Game an alten Pixel-Games, wobei die Grafiken mit jedem Level schöner werden. «Cendric» erinnert stellenweise an alte Adventureklassiker wie «Kings Quest» und «The Legend of Zelda».

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