20.10.2014 15:30

Kim Jong Un macht den Anfang

Das grosse Comeback des Politfilms

In den 1970er-Jahren lockten politische Themen das Publikum in Scharen ins Kino. Mit Projekten über Snowden und Assange will Hollywood an diese Tradition anknüpfen.

von
cat

Kevin Spacey geniesst als Frank Underwood in «House of Cards» Kultstatus, «Homeland» läuft diesen Herbst in den USA in der bereits vierten Staffel und mit «Madam Secretary» startete eben ein Format über eine fiktive US-Aussenministerin. Politserien boomen am TV. Und obwohl vor wenigen Jahren Streifen wie «Green Zone», «In the Valley of Elah» und sogar der Oscar-Film «The Hurt Locker» an den Kinokassen floppten, entdeckt nun auch Hollywood seine Liebe für staatstragende Themen.

Kim Jong Un:

Den Auftakt macht zu Weihnachten die Actionkomödie «The Interview», in der James Franco und Seth Rogen zwei nicht besonders intelligente Journalisten spielen, die für ein Interview mit Diktator Kim Jong Un nach Nordkoera reisen und diesen ganz nebenbei aus der Welt schaffen sollten. Der Schweizer Filmstart ist für Februar geplant. Schon im Vorfeld sorgte das Projekt für Wirbel, das Regime in Nordkorea hatte vergeblich versucht, den Film zu verhindern. Man sehe die Komödie als «Kriegshandlung, die wir niemals tolerieren würden», kommentierte ein Sprecher des Aussenministeriums. Sogar Beschwerde bei den Vereinten Nationen hatte die Volksrepublik eingelegt. Gratis Publicity für den Film, über die sich die Macher freuen dürften.

Edward Snowden:

Gleich zwei Projekte über NSA-Whistleblower Edward Snowden sind in der Mache. Oliver Stone, kein Unbekannter wenn es um Politfilme geht («JFK»), nimmt sich der Causa an. In «The Snowden Files» soll Joseph Gordon-Levitt in die Haut des Aufdeckers, dem eine lange Haftstrafe in den USA droht, schlüpfen. Die Dreharbeiten sollen 2015 beginnen. Konkurrenz bekommt Stone von den Bond-Machern Barbara Broccoli und Michael G. Wilson. Ihr «No Place to Hide» nimmt sich ebenfalls des Themas an, wird vermutlich aber nach dem Stone-Projekt ins Kino kommen. Über die Besetzung ist noch nichts bekannt.

Julian Assange:

Obwohl «The Fifth Estate» über Wikileaks-Gründer Julian Assange (gespielt von Benedict Cumberbatch) 2013 weltweit nur knapp 9 Millionen Dollar einnahm, ist ein neues Projekt über den Australier in Arbeit. «The Boy Who Kicked the Hornet's Nest» basiert auf einem Artikel von Bill Keller, dem ehemaligen Chefredaktor der «New York Times». Regie führen soll Paul Greengrass («The Bourne Supremacy», «Captain Philipps»), der mit «Agent Storm: My Life Inside al Quaeda» in einen weiteren Politfilm involviert sein soll, der sich noch in der Entwicklungsphase befindet.

Bowe Bergdahl:

2009 fiel der amerikanische Soldat Bowe Bergdahl in Afghanistan in die Hände der Taliban. Im Mai dieses Jahres wurde er in einem umstrittenen Gefangenenaustausch befreit. Kathryn Bigelow, die für «Hurt Locker» einen Oscar einheimste, soll laut dem Branchenblatt «Variety» Regie führen. Bigelow konnte zuletzt mit «Zero Dark Thirty» über die Ermordung von Osama Bin Laden trotz des sperrigen Themas einen Hit landen. Der Streifen spielte weltweit über 130 Millionen Dollar ein.

Rupert Murdoch: George Clooney, dem selbst Ambitionen auf ein politisches Amt nachgesagt werden, nimmt sich als Regisseur des Abhörskandals rund um das Medienimperium von Rupert Murdoch an. Bei der mittlerweile eingestellten britischen Zeitung «News of the World» waren über Jahre Telefone, unter anderem von Stars wie Sienna Miller oder Hugh Grant angezapft worden. Der Film soll den Titel «Hack Attack» tragen. Über ein Startdatum ist noch nichts bekannt.

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