Tour de France: Das grosse Duell kann beginnen

Aktualisiert

Tour de FranceDas grosse Duell kann beginnen

Am Samstag fällt der Start zur 99. Tour de France. Zu den Favoriten auf den Gesamtsieg zählen Vorjahressieger Cadel Evans und Bradley Wiggins. Fabian Cancellara konzentriert sich auf die Zeitfahren.

In der am Samstag in Lüttich (Be) beginnenden 99. Tour de France läuft alles auf ein Duell zwischen dem Vorjahressieger Cadel Evans und Bradley Wiggins hinaus. Der Australier und der Brite sind unter den Anwärtern auf ein gute Schlussklassierung die besten Zeitfahrer.

Neben dem Prolog über 6,4 km stehen zwei weitere Prüfungen gegen die Uhr auf dem Programm: am 9. Juli über 41,5 km in Besançon und am zweitletzten Tag (21. Juli) sogar über 53,5 km in Chartres. Den 100 km Zeitfahren haben die Veranstalter im Vergleich mit den Vorjahren weniger schwere Etappen in den Alpen und in den Pyrenäen gegenübergestellt. Es kommt zu nur drei Bergankünften. Die Kletterer müssten also bedingungslos angreifen - sofern sie dazu überhaupt in der Lage sind und Lust verspüren.

Evans und Wiggins mit guten Teams

Kommt hinzu, dass sowohl Cadel Evans wie Bradley Wiggins von ausserordentlich starken Helfern umgeben sind. Evans kann auf ein Team zählen, das weiss, wie man den Teamleader zum Tour-de-France-Sieg führt. Letztes Jahr brachten die Helfer den Australier sicher durch die ersten hektischen Flachetappen. Evans wurde in den Bergen in guter Position bis an die letzten Steigungen herangeführt. Dort musste der Australier die restliche Arbeit dann aber zumeist alleine verrichten. Das soll sich diesmal ändern. Mit Tejay van Garderen hat Evans in den Bergen einen neuen Helfer, und die Nomination von Philippe Gilbert sollte eine Verstärkung darstellen, sofern der Belgier auf die Verfolgung von persönlichen Ambitionen verzichtet.

Evans musste im Frühjahr wegen Problemen mit den Stirnhöhlen eine Pause einschalten und auf die Ardennen-Klassiker verzichten. Der im Tessin wohnhafte Australier und frühere Mountainbiker sieht darin sogar einen Vorteil: «Ich bin frischer, was sich in der dritten Tour-Woche als Vorteil erweisen kann.»

Wiggins' perfekte Vorbereitung

Einen völlig anderen Weg als Evans beschritt in dieser Saison Bradley Wiggins. Der Brite entschied Paris - Nizza, die Tour de Romandie sowie den Dauphiné Libéré für sich, was zuvor noch keinem Radprofi gelungen war. Der frühere Bahnspezialist widerlegt die Theorie, dass ein Fahrer gewisse Etappenrennen lediglich zur Vorbereitung bestreiten soll: «Ich verfügte über genügend Erholungszeit. Aus körperlicher Sicht stellt es überhaupt kein Problem dar, über längere Zeit auf einem hohen Niveau zu fahren.» Als im Juni eine Regenphase über sein Heimatland hereinbrach, setzte sich Wiggins zusammen mit seiner Familie nach Mallorca ab, um bei ansprechenden Verhältnissen zielgerichtet trainieren zu können.

In Chris Froome, Michael Rogers und Richi Porte verfügt Wiggins über eine Garde, die ebenfalls Anspruch auf eine Podiumsklassierung erheben könnte. Sie setzen sich aber vollumfänglich dafür ein, dass ihr Teamleader als erster Brite in der Geschichte der Tour-de-France-Gesamtsieger werden kann. Die Dominanz von Wiggins und Co. zeigte sich explizit in der Tour de Romandie, wo die Gegner wie das Kaninchen vor der Schlange in Angst erstarrten. Das Team Sky jagt aber in der Frankreich-Rundfahrt im Gegensatz zum BMC-Racing-Team von Cadel Evans zwei Ziele. Das Sprint-Ass Mark Cavendish soll zum zweiten Mal nach letzter Saison das grüne Trikot des punktebesten Fahrers nach Paris bringen.

Wer kann an der Spitze mithalten?

Im Schatten des grossen Duells zwischen Evans und Herausforderer Wiggins ist die Frage nebensächlich, wer es noch aufs Podest schafft. Samuel Sanchez, Alejandro Valverde, Levi Leipheimer, Vincenzo Nibali, Ryder Hesjedal - ohne Rennkilometer seit seinem Giro-Triumph -, Fränk Schleck und Robert Gesink kommen dafür infrage.

Cancellara liebäugelt mit dem Maillot Jaune

Am Samstag fällt zum Tour-Auftakt die Entscheidung, ob Fabian Cancellara zum 23. Mal in seiner Karriere ins gelbe Trikot eingekleidet wird. Befahren wird in Lüttich die gleiche Strecke, auf welcher der Berner vor acht Jahren mit zwei Sekunden Vorsprung auf Lance Armstrong siegte. Mit Tony Martin, Wiggins und anderen starken Gegnern ist die Konkurrenz für Cancellara gross. Angesichts der Olympia-Vorbereitungen käme es ihm und seinem Team vielleicht zupass, wenn es in der ersten Woche nicht ein Leadertrikot zu verteidigen gäbe.

Erst nach einer Woche kommt es zur ersten Bergankunft. In den Vogesen geht es hinauf nach La Planche de Belles Filles, wozu auf dem letzten Kilometer ein befestigtes Strässchen erbaut werden musste. Schon anderntags kommt es zu einem Höhepunkt aus Schweizer Sicht. Die 8. Etappe führt am 8. Juli von Belfort grösstenteils über helvetische Strassen und Jura-Pässe nach Pruntrut. In den Alpen figuriert für einmal der legendäre Anstieg nach L'Alpe-d'Huez nicht im Programm. Nach lediglich zwei schweren Tagespensen in den Bergen führt die Strecke südwärts Richtung Pyrenäen, wo die Fahrer ebenfalls zwei anspruchsvolle Etappen zu meistern haben. (si)

99. Tour de France

Samstag, 30. Juni:

Prolog, Einzelzeitfahren in Lüttich (6,4 km).

Sonntag, 1. Juli:

1. Etappe, Lüttich - Seraing (198 km).

Montag, 2. Juli:

2. Etappe, Visé - Tournai (207,5 km).

Dienstag, 3. Juli:

3. Etappe, Orchies - Boulogne-sur-Mer (197 km).

Mittwoch, 4. Juli:

4. Etappe, Abbéville - Rouen (214,5 km).

Donnerstag, 5. Juli:

5. Etappe, Rouen - Saint-Quentin (196,5 km).

Freitag, 6. Juli:

6. Etappe, Epernay - Metz (207,5 km).

Samstag, 7. Juli:

7. Etappe, Tomblaine - La Planche des Belles Villes (199 km).

Sonntag, 8. Juli:

8. Etappe, Belfort - Pruntrut (157,5 km).

Montag, 9. Juli:

9. Etappe, Einzelzeitfahren Arc-et-Senans - Besançon (41,5 km).

Dienstag, 10. Juli:

Ruhetag.

Mittwoch, 11. Juli:

10. Etappe, Mâcon - Bellgarde-sur-Valserine (194,5 km).

Donnerstag, 12. Juli:

11. Etappe, Albertville - La Toussuire-Les Sybelles (148 km).

Freitag, 13. Juli:

12. Etappe, Saint-Jean-de-Maurienne - Annonay-Davézieux (226 km).

Samstag, 14. Juli:

13. Etappe, Saint-Paul-Trois-Châteaux - Le Cap d'Agde (217 km).

Sonntag, 15. Juli:

14. Etappe, Limoux - Foix (191 km).

Montag, 16. Juli:

15. Etappe, Samatan - Pau (158,5 km).

Dienstag, 17. Juli:

Ruhetag.

Mittwoch, 18. Juli:

16. Etappe, Pau - Bagnères-de-Luchon (197 km).

Donnerstag, 19. Juli:

17. Etappe, Bagnères-de-Luchon - Peyragudes (143,5 km).

Freitag, 20. Juli:

18. Etappe, Blagnac - Brive-la-Gaillarde (222,5 km).

Samstag, 21. Juli:

19. Etappe, Einzelzeitfahren Bonneval - Chartres (53,5 km).

Sonntag, 22. Juli:

20. Etappe, Rambouillet - Paris Champs Elysées (120 km).

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