Fitness-Boom im Januar: Das grosse Geschäft mit dem Weihnachtsspeck
Aktualisiert

Fitness-Boom im JanuarDas grosse Geschäft mit dem Weihnachtsspeck

Die vielen Kilos, die man sich über die Festtage angefuttert hat, sollen bald wieder purzeln. Davon profitieren die Fitness-Studios.

von
Gérard Moinat

«Ran an den Speck, der muss jetzt weg.» Mit dieser eingängigen Werbebotschaft buhlt das Fitnessstudio Lady Fit seit dem 30. Dezember in Zürcher Trams um Kundschaft.

Der Zeitpunkt für die Kampagne ist nicht zufällig gewählt. Ist es doch in der Fitness-Branche längst kein Geheimnis mehr, dass Herr und Frau Schweizer besonders nach den Festtagen anfällig sind für solche Marketing-Maschen.

Das weiss auch die Geschäftsführerin von Lady Fit, Nadine Beyeler: «Es gibt viele Frauen, die mit nur einem weihnächtlichen Kilo mehr auf den Hüften schon vom schlechten Gewissen geplagt sind. Nun möchten sie etwas dagegen tun.» Folglich ist der Januar bei Lady Fit der Monat mit den stärksten Zuwachsraten von Neukunden.

Jeder Sechste kommt zum Jahresanfang

Gleich wie bei Lady Fit stellen sich auch andere Schweizer Schwitztempel auf den Ansturm zu Jahresbeginn ein. So gewinnen die Fitness-Studios von Werner Kieser beispielsweise fast jeden sechsten Neukunden im Januar. Das sind weltweit rund 9000 neue Schwitzwillige.

«Zudem kommen viele Kunden, um ihr Abo zu erneuern. Entsprechend wichtig ist der Januar für unser Geschäft», bestätigt David Fritz von Kieser Training. Ab 2011 heissen 18 der bisherigen 19 Trainingsstudios von Kieser übrigens Exersuisse. Denn Werner Kieser hat die Zusammenarbeit mit ihnen gekündigt und führt ab Januar 6 neue Studios.

Auch beim Fitnesspark Heuwaage, der zur Genossenschaft Migros Basel gehört, ist der Januar ein Spitzenmonat. «Im Januar verkaufen wir jeweils am meisten neue Abos», so Geschäftsleiter Daniel Gerber. In Zahlen ausgedrückt ist das jeder siebte Kunde oder jeder achte Umsatzfranken, der im Januar gewonnen respektive erwirtschaftet wird.

Gute Vorsätze und Weihnachtsstress

Bei den Fitnessparks der Genossenschaft Migros Luzern liegen die Besucherzahlen den ganzen Winter hindurch rund 20 Prozent über dem Jahresdurchschnitt. Aber zu Jahresbeginn ist die Kundenfrequenz laut Sprecherin Corinne Baschung nochmals höher.

Kein Wunder spricht Rolf Fuchs von der Genossenschaft Migros Zürich gar vom «Fitness-Monat» Januar, weil Fitnesswillige dann am meisten Neu-Abos lösten. Doch Fuchs macht weniger das schlechte Gewissen für den Run verantwortlich als vielmehr die guten Vorsätze der Leute, «für sich und für die eigene Gesundheit etwas zu tun». Auch fehle vielen Leuten während der Weihnachtszeit schlicht und einfach die Zeit fürs Training.

Gut zu wissen

14 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer besitzen ein Fitness-Abo. Nach Schätzungen des Branchenverbands verteilen sich diese 14 Prozent auf landesweit 400 Fitness- und Gesundheitscenter.

Nicht zu viel aufs erste Mal

«Wie in vielen anderen Bereichen auch, nehmen sich die Leute

auf den 1. Januar manchmal etwas zu viel vor», sagt Armin Fach von Activ Fitness. Rolf Fuchs von der Genossenschaft Migros Zürich rät deshalb: «Eine untrainierte Person sollte das (neue) Training sachte angehen. Lieber nur 2 Mal pro Woche trainieren, aber regelmässig - als zu Beginn 5 Mal pro Woche schwitzen, um dann nach kurzer Zeit den Bettel hinzuschmeissen.» Er empfiehlt, sich den Trainingstermin in der Agenda fix einzutragen — so wie man sich auch eine Sitzung reserviere.

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