30.06.2016 11:54

Nachfrage steigt

Das grosse Geschäft mit den Plus-Size-Models

Der Markt für Models, die etwas mehr auf den Rippen haben, wächst – und die Plus-Size-Models selbst werden inzwischen auch von Paparazzi verfolgt.

von
Martin Fischer
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Die Amerikanerin Ashley Graham zeigt die Ausgabe der diesjährigen Bikini-Ausgabe der «Sports Illustrated», deren Cover sie kürte - als erstes Plus-Size-Model. Ihre Wahl zum Covergirl hat durchaus Symbolwert: Models mit Kurven sind im Mainstream angekommen.

Die Amerikanerin Ashley Graham zeigt die Ausgabe der diesjährigen Bikini-Ausgabe der «Sports Illustrated», deren Cover sie kürte - als erstes Plus-Size-Model. Ihre Wahl zum Covergirl hat durchaus Symbolwert: Models mit Kurven sind im Mainstream angekommen.

WENN/Jlj/zoj
So ist die 28-Jährige mittlerweile eine Celebrity, die auch von den Paparazzi abgelichtet wird. Wie hier beim Telefonieren in Los Angeles ...

So ist die 28-Jährige mittlerweile eine Celebrity, die auch von den Paparazzi abgelichtet wird. Wie hier beim Telefonieren in Los Angeles ...

WENN/jxa
... oder beim Shoppen in New York.

... oder beim Shoppen in New York.

WENN

Im Februar dieses Jahres zierte Ashley Graham das Cover der jährlichen Bikiniausgabe der «Sports Illustrated» – als erstes Plus-Size-Model. Auch die Macher des legendären Pirelli-Kalenders nahmen mit Candice Huffine ein «curvy Girl» in ihren mit berühmten Namen gespickten Modelkatalog auf. Es sind zwei Fälle mit Symbolcharakter: Kurvigere Models sind im Mainstream angekommen.

Eine Entwicklung, die auch wichtige Modemarken zum Handeln zwingt: Unterwäscheriese Victoria's Secret etwa, der quasi definiert, was sexy ist, wie auch das spanische Grossunternehmen Zara sollen derzeit an Plus-Size-Kollektionen arbeiten.

«Die Brands haben bemerkt, dass sich etwas verändert hat»

David Watkinson, Chef der britischen Modelagentur 12+, die seit über 15 Jahren auf das Geschäft mit Konfektionsgrössen ab 40 spezialisiert ist, bestätigt dies. «Die Brands haben gemerkt, dass sich etwas verändert hat», sagt er. Es sei zwar ein langer Weg gewesen, aber: «Die Nachfrage für Plus-Size-Models ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.» Sie arbeiten inzwischen mit grossen Online-Anbietern wie Asos zusammen und renommierte Magazine wie «Cosmopolitan» und «Marie Claire» buchen seine Models für Shootings.

Besonders stark ist der Markt im angelsächsischen Raum gewachsen. So macht das Plus-Size-Segment über 12 Prozent aller verkauften Kleider in Grossbritannien aus. Was einem Umsatzwert von über sechs Milliarden Franken entspricht, wie «The Telegraph» schreibt – das ist keine Nische mehr.

Die Plus-Size-Models sind Celebritys geworden

Models wie Ashley Graham, Candice Huffine oder Robyn Lawley, die hier eine Vorreiterrolle eingenommen haben, können ihren Erfolg nun geniessen. Mit ihren Social-Media-Plattformen und steigenden Followerzahlen untermauern sie ihren Marktwert – Graham etwa hat auf Instagram zwei Millionen Follower. Watkinson sagt: «Was die Honorare angeht, sind Plus-Size-Models auf Augenhöhe mit anderen Fashionmodels.» Paparazzi knipsen Ashley und Co. inzwischen auch am Strand oder beim Shoppen – sie sind zu Celebritys geworden.

Watkinson ist froh um diese Entwicklung. «Es ist eine gute Sache», sagt er. Ihm und seiner Frau Sarah, die die Agentur im Jahr 2000 gegründet hat, gehe es vor allem darum, einen gesunden Lebensstil zu promoten. «Unsere Models essen nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Es geht um Balance.»

In der Schweiz gibt es keinen Markt

Die Schweiz hinkt in der Entwicklung hinterher. «Hier ist keine gesteigerte Nachfrage nach Plus-Size-Models auszumachen. Die Anfragen kommen sehr vereinzelt», sagt Ursula Knecht, Agenturchefin bei Option Models in Zürich. Es gebe kaum Werbekampagnen, die solche Models verlangen, und der Markt sei bei uns kleiner als in den USA oder in England. Ihr Fazit: «Ein Plus-Size-Model kann in der Schweiz oder auch in Deutschland nicht von dieser Arbeit leben, es gibt zu wenige Aufträge.»

Vor einem Jahr haben Sarah und David Watkinson von 12+ das Projekt «Models With Curves» lanciert. Über eine Webseite und via Soziale Medien wollen sie damit ihren Models eine öffentliche Plattform geben. «Damit ihre Stimmen gehört werden, denn sie werden immer wichtiger», sagt David.

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