Aktualisiert 11.01.2010 08:53

AC/DC-Konzert

Das grosse Geschäft mit Schwarzmarkt-Tickets

Heiss begehrt und äusserst knapp: Konzerttickets sind ein willkommenes Spekulationsgut für gewiefte Händler. Wie das Geschäft läuft, zeigt der Karten-Vorverkauf für das AC/DC-Konzert in Bern.

von
Amir Mustedanagic
Sänger Brian Johnson (links) und Leaggittarist Angus Young geben sich auch 2010 die Ehre.

Sänger Brian Johnson (links) und Leaggittarist Angus Young geben sich auch 2010 die Ehre.

Am Freitagmorgen hat der offizielle Verkauf fürs AC/DC-Konzert gestartet: Nur 12 Minuten später war das Konzert bereits ausverkauft. Alle Tickets zu Preisen von 129.30 Franken (Stehplatz) und 147.25 (Sitzplatz) waren weg. Im Internet kosteten die Tickets nur Minuten später bereits bis zu 600 Franken pro Stück. Gewinnmarge: über 300 Prozent. Ein rentables Geschäft, welches sich gewiefte Händler zu Nutzen machen. Der Schwarzmarkt für Tickets ist zur regelrechten Branche geworden, wie sich im Falle des AC/DC-Konzertes beobachten lässt. Herausgestochen sind dabei zwei Phänomene, die für Aufregung sorgten: Einerseits wurden bereits Tage vor offiziellem Verkaufsstart Tickets angeboten und anderseits gab es Minuten danach bereits erste Kartenvermittler, die Tickets anboten.

Erste Tickets bereits vor offiziellem Verkaufsstart angeboten

Auf den Aktionsplattformen Ricardo und Ebay verlangten Verkäufer bereits am Mittwoch überteuerte Preise von 200 und mehr Franken pro Ticket. Der Ticketcorner, die offizielle Verkaufsstelle, gab und gibt laut eigenen Angaben «keine Tickets vor dem Vorkaufsstart heraus». Doch woher hatten die Verkäufer die Tickets dann? «Diese Leute spekulieren einfach auf Tickets», sagt Steven Wüthrich. Er ist Mitinhaber der Website alltickets.ch, die selbst Karten für ausverkaufte Konzerte anbietet, und kennt das Geschäft.

Die Verkäufer haben zum Zeitpunkt ihres Angebotes gar keine Tickets, sondern verkaufen eine Art Option auf Tickets. Sie bieten im Anfangs-Boom Tickets zu überteuerten Preisen, kaufen sie aber selbst im offiziellen Verkauf später günstiger ein. Der Käufer erhält die Tickets – wenn überhaupt – also erst nach dem offiziellen Verkaufstermin. «Erwischen die Verkäufer keine Tickets beim offiziellen Verkauf, kaufen sie selbst welche über einen anderen Händler ein und geben sie anschliessend weiter», so Wüthrich. Der Trick funktioniert, weil die Nachfrage am Anfang am grössten ist: «Je länger Angebote in Umlauf sind, umso mehr sinken die Preise.» Tatsächlich bereichern sich die Händler also an denjenigen Fans, die um jeden Preis Tickets wollen und nicht warten können.

AC/DC-Tickets: Warten lohnt sich

Alltickets.ch und andere Vermittlungsplattformen verkaufen laut eigenen Angaben nur Tickets, die sie physisch auch besitzen. Umso erstaunlicher, dass sie bereits Minuten nach dem Verkaufsstart Tickets anbieten konnten, obwohl sie selbst keine Tickets direkt bezogen, wie sie beteuern. Das Unternehmen kaufe neben Einzeltickets von Leuten, die verhindert sind oder überflüssige Karten weitergeben, auch über spezialisierte Händler ein. «Zurzeit sind es in der Schweiz zwischen 30 und 40 Personen, die mehr oder weniger regelmässig Tickets anbieten», sagt alltickets.ch-Geschäftführer Thomas Flückiger. Es gibt aber auch professionelle Tickethändler. «Uns sind rund zehn Leute bekannt, die vom Tickethandel leben», so Flückiger weiter. Wie diese an die Tickets kommen, darüber können oder wollen weder Flückiger noch Wüthrich etwas sagen. Von einem sind aber beide überzeugt: «Aus offiziellen Quellen beziehen diese Händler keine Karten.»

Einigt man sich mit den Anbietern, werden die Tickets wieder in den Verkauf gegeben – mit entsprechender Provision für das Unternehmen. In der Regel schlägt alltickets.ch 20 Prozent auf. Im Falle des AC/DC-Konzertes waren es am Freitagmorgen 18 Karten. «Die Preise waren entsprechend hoch», sagt Geschäftsführer Thomas Flückiger. Ein Ticket kostete 550 Franken (Sitzplatz) bzw. 449 Franken (Stehplazt). Die Preise würden aber noch sinken, so Flückiger gegenüber 20 Minuten Online. Es seien bereits weitere Verkaufsangebote gekommen, die nun geprüft und ausgewertet würden. Tatsächlich kostete am Freitagnachmittag ein Sitzplatzticket bereits 499 Franken und damit rund 50 Franken weniger. Wer das Wagnis eingehen will und den Nervenkitzel aushält, sollte weiter warten. Wüthrich: «Unsere Erfahrung zeigt, dass die Preise weiter sinken werden.»

Kritik an Ticketvermittlern

Obwohl das Geschäftsmodell juristisch gesehen in Ordnung ist, sind Ticketvermittlungnsplattformen dem Schweizer Konsumentenschutz (SKS) ein Dorn im Auge. Geschäftsführerin Sara Stalder kritisierte in einer Medienmitteilung vom Freitag das Geschäftsgebahren der alltickets.ch. Sie glaubt, dass «ein stattliches Kontigent an den offiziellen Kanälen vorbeigeschleust» werde, um damit auf dem Schwarzmarkt Geld zu machen. Für den SKS ist es nicht anders zu erklären, dass bereits Tage zuvor Tickets verkauft werden und Websites «wie alltickets.ch in relativ grossem Stil Tickets verkaufen können».

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