Schmetterlinge, Käfer, Falter: Das grosse Insektensterben
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Schmetterlinge, Käfer, FalterDas grosse Insektensterben

Nicht nur Bienen, auch andere Insekten werden bei uns immer seltener. Forscher sehen dafür mehrere mögliche Gründe.

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rub
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Einer der wenigen Sympathieträger in der Insektenwelt: Ein Marienkäfer auf einer Sonnenblume.

Einer der wenigen Sympathieträger in der Insektenwelt: Ein Marienkäfer auf einer Sonnenblume.

Keystone/Stefan Sauer
Erhebungen in mehereren europäischen Ländern, von Grossbritannien bis Ungarn haben einen Rückgang der Artenvielfalt und der Anzahl Insekten festgestellt: Ein Schmetterling auf einer Blume.

Erhebungen in mehereren europäischen Ländern, von Grossbritannien bis Ungarn haben einen Rückgang der Artenvielfalt und der Anzahl Insekten festgestellt: Ein Schmetterling auf einer Blume.

Keystone/Monika Skolimowska
Allerdings fehlen historische Vergleichsdaten weitgehend: Eine Försterin zeigt männliche Nonnen-Falter aus einer Insektenfalle, mit denen auch Zahlen erhoben werden.

Allerdings fehlen historische Vergleichsdaten weitgehend: Eine Försterin zeigt männliche Nonnen-Falter aus einer Insektenfalle, mit denen auch Zahlen erhoben werden.

Keystone/AP Photo/Eckehard Schulz

Die Zahl hatte Ende 2013 für Aufsehen gesorgt: Mehr als drei Viertel der Insekten seien verschwunden, meldete der Entomologische Verein Krefeld. Die Organisation aus Nordrhein-Westfalen gilt in Fachkreisen als Institution.

Auch wenn der Befund aus den Erhebungen in zwei Naturschutzgebieten in dem deutschen Bundesland basieren und deshalb nicht einfach verallgemeinert werden dürfen, ist laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» ein deutlicher Niedergang der europäischen Insektenwelt feststellbar.

Fehlende historische Daten

Dabei würden nicht nur einzelne Arten immer seltener, auch die Zahl der Insekten insgesamt nehme ab. Das zeige nur schon das «Windschutzscheiben-Phänomen»: Vor wenigen Jahrzehnten habe ein «Fliegen- und Wespenbrei» die Sicht beim Autofahren behindert, heute klatschten kaum noch Insekten auf die Windschutzscheibe.

Ein Problem bei Aussagen zur Zahl von Insekten ist laut dem Bericht das weitgehende Fehlen historischer Daten. Der Entomologische Verein Krefeld, der seit 1905 Erhebungen durchführt, ist hier die Ausnahme. In der Schweiz werden erst seit 15 Jahren Insekten gezählt – zu wenig lang, um Unterschiede abzuleiten, sagt Francis Cordillot, Ökologe beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), zur «NZZ am Sonntag».

Gifte und bedrohter Lebensraum

Der Bund hat 22'300 heimische Insektenarten aufgelistet. 2774 wurden im letzten Jahr untersucht, ganze 40 Prozent davon stehen auf der roten Liste, 5 Prozent gelten laut dem Bericht gar als verschwunden. Das Bafu stuft die Mehrzahl der Schweizer Insektenarten als bedroht ein.

Die meisten Entomologen halten sich laut der «NZZ am Sonntag» bedeckt, wenn es darum geht, Schuldige zu benennen. Dennoch falle in Gesprächen häufig das Wort Pestizide. Auch die Monokulturen der immer intensiveren Landwirtschaft tragen demnach zur Verdrängung der Insekten bei, die in Sträuchern, Pfützen und Totholz am besten gedeihen. Insekten hätten schlicht immer weniger Raum zur Verfügung.

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