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Mario Corti«Das Grounding war beabsichtigt»

In der Zeitung «Sonntag» rechnet der damalige Swissair-Chef Mario Corti mit der Schweizer Elite ab. Eine Rettung der Airline wäre durchaus im Bereich des Möglichen gelegen.

Mario Corti und der damalige Bundesrat Kaspar Villiger (im Vordergrund) informieren am 3. Oktober 2001 in Bern die Medien über das Grounding der Swissair.

Mario Corti und der damalige Bundesrat Kaspar Villiger (im Vordergrund) informieren am 3. Oktober 2001 in Bern die Medien über das Grounding der Swissair.

Zehn Jahre nach dem Swissair-Grounding üben zwei ehemalige Verantwortliche der Fluggesellschaft Kritik am damaligen Verhalten der Politik. In einem Gastbeitrag im «Sonntag» rechnet Mario Corti, zum Zeitpunkt des Groundings Chef der Swissair, mit der damaligen helvetischen Elite ab.

«Es bestanden und bestehen keine Zweifel, dass eine Rettung der Swissair-Gruppe auch nach den tragischen Ereignissen des 11. Septembers absolut möglich war», so Corti rückblickend. Das Grounding und die daraus folgenden Schäden seien keinesfalls ein gewissermassen unabwendbares Naturereignis gewesen.

«Grounding und Nachlassstundung waren beabsichtigt und wurden von den geistigen Vätern des 'Phönix'-Plans ganz bewusst in Kauf genommen. Der Bund entschloss sich erst nachher zur Hilfe», ist Corti überzeugt. Heute wisse man, dass dies eine sehr teure «Lösung» des ganzen Problems gewesen sei.

«Vertrauen gründlich und wohl für immer zerstört»

«Mein persönliches Vertrauen in gewisse Vertreter der helvetischen Elite wurde jedenfalls gründlich und wohl für immer zerstört», schreibt Corti weiter. Es bleibe nur zu hoffen, dass das unnötige und abwendbare Grounding der Swissair ein einmaliger und sich nicht wiederholender Unglücksfall gewesen sei.

Er würde auch heute noch von seinem damaligen Posten als Nestlé- Finanzchef zu Swissair zu wechseln. «Allerdings konnte ich im März 2001 nicht ahnen, als wie wertlos sich Zusicherungen von hochgestellten Exponenten erwiesen und mit welcher Niedertracht ich im Laufe der Krise konfrontiert werden sollte», schreibt Corti.

Schmidheiny: Bundesrat hat versagt

In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» äusserte sich auch der Holcim-Grossaktionär und ehemalige Swissair-Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny kritisch zur Rolle der Schweizer Politik.

«Ich bin überzeugt, dass die Swissair mit einer Bundesgarantie überlebt hätte», sagte Schmidheiny. Eine solche hätte die Kreditoren beruhigen und so den Untergang der Fluggesellschaft abwenden können. Der Bundesrat habe versagt, so das Fazit Schmidheinys.

Immerhin habe die Regierung «aus dem Fall Swissair gelernt und bei der UBS Milliarden eingeschossen.» In einem gewissen Sinne sei aber die Swissair, ebenso wie die UBS, zu gross gewesen, um fallengelassen zu werden, sagte Thomas Schmidheiny. «Ohne Fluggesellschaft ist die Schweiz nicht an die Welt angebunden.» (sda)

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