Aktualisiert

«Time-Out»Das «Guttenberg-Prinzip»

Der SC Bern strebt den «Guttenberg-Hattrick» an. Es wäre ein hockeyhistorisches Meisterstück.

von
Klaus Zaugg
Larry Huras und der SCB: Nur noch der HC Davos hat diese Stilsicherheit.

Larry Huras und der SCB: Nur noch der HC Davos hat diese Stilsicherheit.

Ein «Guttenberg» liegt dann vor, wenn eine Mannschaft zweimal oder gar dreimal hintereinander nach dem akkurat gleichen taktischen Drehbuch ein Spiel gewinnt. Wäre Karl-Theodor zu Guttenberg also Sportreporter, dann könnte er einfach den Matchbericht von der letzten Partie von irgendeinem Kollegen abschreiben und sich mit diesem Plagiat als Fachmann feiern lassen, ohne je im Stadion gewesen zu sein.

Noch selten hat eine Mannschaft zweimal hintereinander genau gleich gespielt und gewonnen wie der SC Bern in den Partien fünf am Donnerstag (4:1) und sechs am Samstag (5:1) gegen die Kloten Flyers. Gelingt nun am Dienstag im 7. Spiel auch noch eine dritte Partie nach dem genau gleichen Schnittmuster, dann hätten wir einen «Guttenberg-Hattrick». Es wäre eine historische Leistung: Noch nie in der Geschichte unserer Playoffs (seit 1985/86) hat sich eine Mannschaft nach einem 0:3 im Halbfinale das Finale erreicht.

SCB-Cheftrainer Larry Huras hat es sich allerdings nicht ganz so einfach gemacht wie der ehemalige Deutsche Verteidigungsminister, der seinen Doktortitel abgeben musste, weil er abgeschrieben hat. Huras hat nicht einfach ein taktisches Konzept kopiert.

Es gibt zwar auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zwischen dem 4:1 vom Donnerstag in Kloten und dem 5:1 vom Samstag im Berner Hockeytempel. Wieder war Jean-Pierre Vigier der grosse Vorkämpfer. Wieder war Marco Bührer besser als Ronnie Rüeger. Wieder hat der wahre SCB mit seinem gut strukturieren Rumpelhockey von der ersten Sekunde an dominiert. Wieder gibt es keine Sekunde lang Zweifel darüber, wer das Spiel gewinnt.

Aber es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen dem Spiel vom Donnerstag und jenem vom Samstag: SCB-Coach Larry Huras stellt nämlich um: Er lässt Schillerfalter Simon Gamache auf der Tribune und holt Verteidiger Travis Roche zurück.

Dass der SCB nun wieder wie eine grosse, mächtige Hockeymaschine funktioniert («big, bad Bears») zeigt sich daran, dass diese riskanten Umstellungen auf das Wesen und Wirken der Mannschaft keinerlei Auswirkungen hatten. Nur noch der HC Davos hat diese Stilsicherheit. Die grosse Tiefe im Kader mit sechs Ausländern gibt dem Coach in Bern viele Möglichkeiten, um mit der richtigen Aufstellung die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Larry Huras lobt Manager Marc Lüthi und Sportchef Sven Leuenberger ausdrücklich für die Bereitstellung und Finanzierung eines so breiten Kaders.

Mit ziemlicher Sicherheit wird es aber nicht mehr möglich sein, am Dienstag noch einmal den Guttenberg zu machen und zum zweiten Mal hintereinander den Matchbericht vom letzten Donnerstag abzuschreiben. Wenn wir nämlich denken, das Eishockey begriffen zu haben, folgt die Unberechenbarkeit von Spiel 7.

Und Hand aufs Herz: Wer hätte im letzten November zu wetten gewagt, dass Larry Huras beim SC Bern länger im Amt bleibt als Deutschlands Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg?

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