Hockeynati-Coach Patrick Fischer privat - «Ich war als Spieler zu faul und habe nie das Maximum aus mir herausgeholt»
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Hockeynati-Coach Patrick Fischer privat«Ich war als Spieler zu faul und habe nie das Maximum aus mir herausgeholt»

Patrick Fischer, Trainer der Hockeynati, spricht im Interview über Nationalstolz, mentale Gesundheit, über ein mögliches Engagement als NHL-Coach und was er in seinem Leben bereut.

von
Tobias Wedermann
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Als Spieler gewann Patrick Fischer zwei Meistertitel. Je einen mit dem HC Davos und dem HC Lugano.

Als Spieler gewann Patrick Fischer zwei Meistertitel. Je einen mit dem HC Davos und dem HC Lugano.

freshfocus
Insgesamt absolvierte Fischer 661 Spiele in der höchsten Schweizer Liga.

Insgesamt absolvierte Fischer 661 Spiele in der höchsten Schweizer Liga.

Andy Mueller/freshfocus
Auch in die NHL zu den Phoenix Coyotes schaffte es der Schweizer. Damaliger Trainer: Legende Wayne Gretzky.

Auch in die NHL zu den Phoenix Coyotes schaffte es der Schweizer. Damaliger Trainer: Legende Wayne Gretzky.

Getty Images via AFP

Darum gehts

  • Ex-Profi und aktueller Hockeynati-Coach Patrick Fischer hat eine Biografie mit dem Titel «Game Time» veröffentlicht.

  • Im Interview verrät er, was sein Erfolgsrezept war, um in die NHL zu kommen.

  • Zudem spricht er über seine grosse Niederlage: Die Scheidung von seiner ersten Frau.

Patrick Fischer, Sie haben ein Buch veröffentlicht über Ihr bisheriges Leben, Ihre Karriere als Hockeyprofi und Nati-Coach. Wieso?

Es war die Idee des Verlags, hinsichtlich der Heim-WM 2020 meine Biografie zu veröffentlichen. Sie hielten mich offenbar für eine spannende Person (lacht).

Es ist aber kein Buch geworden, in dem Sie jetzt über grosse Skandale oder Insides aus der Hockeywelt berichten.

Das Buch ist ein Appell, dass man den Mut haben sollte, sein Leben so zu gestalten, dass man sich wohlfühlt und glücklich ist – und dafür auch mal die Komfortzone verlässt. Vieles im Leben wird von aussen gesteuert oder vermeintlich vorgegeben. Wir werden tagtäglich von so vielen Faktoren vom Wesentlichen abgelenkt oder beeinflusst. Ich hoffe, dass ich den einen oder anderen Tipp weitergeben kann.

Es ist also nicht wirklich ein Hockeybuch?

Nein, der Titel «Game Time» ist generell gemeint. Wir alle wollen, seit wir kleine Kinder sind, doch vor allem spielen und Spass haben. Bei vielen geht das aber im Laufe des Lebens verloren.

Sie reden viel über mentale Gesundheit im Buch.

Ich habe mich mit diesem Thema schon vor 20 Jahren auseinandergesetzt, als man etwa Meditation noch als Scharlatan-Zeugs abgetan hat. Zum Glück weiss man heute aber, dass unser Kopf, unsere Gedanken einen immensen Einfluss auf unser Leben haben.

Wie hat Ihr Kopf Ihre Karriere beeinflusst?

Dass ich in die NHL kam, das habe ich meinem Kopf zu verdanken. Ich bin der festen Überzeugung, dass man sein Leben mit Gedanken steuern kann. Wenn man ans Positive glaubt, erreicht man es. Wenn man ans Negative denkt, kommt es auch schlecht. Als Profi kannst du körperlich noch so stark sein, wenn dein Kopf nicht mitmacht, er dem Druck nicht standhält, bist du blockiert.

Es wirkt aber so, als sei Ihnen in der Karriere einfach alles sehr gut gelungen. Tolle Familie, richtige Profi-Entscheidungen und Ihre Trainerkarriere war raketenhaft bisher. Ist es da nicht einfach, von positiven Gedanken zu sprechen?

Natürlich, viele Voraussetzungen in meinem Leben waren gut. Aber auch ich hatte mit schweren Verletzungen und Rückschlägen zu kämpfen. Ich bin halt einfach ein Daueroptimist und irgendwie ging alles immer auf. Ich sehe es so: Entweder gewinne ich oder ich lerne. Wenn ich immer nur negativ gedacht hätte, wäre vieles nicht so positiv gekommen. Davon bin ich überzeugt.

Gibt es etwas, das Sie bereuen oder denken, dass es keinen Lernwert für Ihr Leben hatte?

Ja, ich habe nie das Maximum aus meinem Potenzial als Eishockeyspieler herausgeholt. Nicht annähernd. Training, Ernährung, Disziplin – ich war für all das zu faul. Das habe ich mir lange vorgeworfen. Als Coach bekam ich die Chance, das zu ändern: Was ich tue, tue ich mit voller Energie.

Und im Privatleben?

Die Scheidung von meiner ersten Frau war eine grosse Niederlage für mich. Wir haben heute ein tolles Verhältnis, haben einen grossartigen Sohn und ich bin glücklich, wie alles gekommen ist mit meiner Freundin und unserer Tochter. Aber die Erfahrung der Trennung war sehr emotional. Dieser Schnitt im Leben, diese Wunde hätte ich nicht gebraucht.

«Game Time» ab jetzt im Handel

661 Spiele in der Schweizer Liga, zwei Meistertitel und ein NHL-Abenteuer mit dem Kanadier Wayne Gretzky, dem Grössten aller Zeiten. Seine anschliessende Trainerkarriere: Raketenhaft. Nun hat Patrick Fischer seine Biografie veröffentlicht, spricht über Spiritualität und seine Spielregeln im Hockey und im Privatleben. Das Buch von Autorin Doris Büchel gibts ab sofort auf Woerterseh.ch und in der Buchhandlung.

Patrick Fischer hat am Mittwoch seine Biografie «Game Time» veröffentlicht – geschrieben von Autorin Doris Büchel.

Patrick Fischer hat am Mittwoch seine Biografie «Game Time» veröffentlicht – geschrieben von Autorin Doris Büchel.

20min/Michael Scherrer

Sie üben auch Kritik an der heutigen Gesellschaft. Etwa, dass man sich auf der Strasse nicht mehr grüsst und alle nur in ihre Smartphones starren.

Ja, ich glaube aber auch, dass diese schwierige Phase während Corona auch ihr Gutes hat. Viele Leute werden sich wieder bewusst, wie wertvoll etwa ein sozialer Austausch ist und wie wichtig es ist, sich Zeit füreinander zu nehmen. Der Mensch musste das jetzt auf brutale Art und Weise lernen, dass wir zu vieles für komplett selbstverständlich hielten.

Sie vermissen auch den Nationalstolz in der Schweiz. Beispielsweise nutzten Sie und Ihre Trainerkollegen an der erfolgreichen WM in Schweden das Singen der Hymne als Teambuilding-Massnahme.

Ich meine das null politisch, aber – wir dürfen einfach richtig stolz sein auf unser Land. Ein so kleines Land wird auf der ganzen Welt bewundert für so viele Faktoren. Das hat ja alles einen Grund. Wir als Volk und selbstverständlich auch unsere Vorfahren haben immer wieder sehr viele gute Entscheidungen getroffen. Und das sollten wir ehren. Die Hymne zu singen, ist ein gutes Mittel für mich, dies zu tun. Ich will das aber niemandem aufzwingen.

Wie verärgert sind Sie noch, dass die Heim-WM 2020 wegen Corona abgesagt wurde?

Es ist verdaut. Aber es hat mich zu Beginn extrem hart getroffen. Es tat weh. Es wäre ein grossartiges Volksfest geworden.

Nun gehts in die Vorbereitung zur WM in Riga. Sie hatten seit Dezember 2019 keinen richtigen Nati-Zusammenzug mehr. Wie zuversichtlich sind Sie? Ist der Weltmeistertitel weiterhin das Ziel?

Wir haben die Spieler natürlich beobachtet, stehen im Austausch mit den Clubtrainern. Wir sind in der Nati seit fast sechs Jahren ein Team. Die Basis ist also da, das ist ein grosser Vorteil. Wichtig ist die Viertelfinal-Quali. Wir gehen aber klar mit der Überzeugung nach Riga, dass wir das Potenzial haben, um Grosses zu erreichen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie noch den einen oder anderen NHL-Spieler mitnehmen können?

Sehr zuversichtlich.

Wie fest sind die Olympischen Spiele in Peking schon in Ihrem Kopf? Pyeongchang 2018 war ja eine grosse Enttäuschung.

Das ist noch weit weg. Aber die Vorfreude wird natürlich gross sein. Ich liebe die Olympischen Spiele.

Werden Sie der erste gebürtige Schweizer Trainer in der NHL?

Das weiss ich nicht. Wenn das eines Tages Realität wird, würde ich mich mega freuen. Die NHL ist unglaublich faszinierend. Aber aktuell ist das kein Thema und sollte schon morgen ein Angebot kommen, würde ich es um keinen Preis annehmen.

Wer gewinnt die Meisterschaft in der National League?

Als Nati-Coach antworte ich natürlich nicht. Aber es ist bekannt, dass Patrick Fischer ein Zuger Herz hat.

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